Drastischer Anstieg an tödlichen Schießereien und Banden-Kriminalität in Schweden

Drastischer Anstieg an tödlichen Schießereien und Banden-Kriminalität in Schweden
Schwedische Polizisten auf Spurensuche nach tödlichen Schüssen auf einen 16-Jährigen im Rosengard-Bezirk von Malmö, Schweden, 16. Januar 2017.
Statistiken in Schweden weisen einen massiven Anstieg an tödlichen Schießereien auf, weit höher als in den Nachbarländern wie Deutschland oder Norwegen. Besonders betroffen ist die Stadt Malmö. Die Opfer sind meist Gangmitglieder.

Schweden fehlt bisher ein Mittel gegen die Kriminalität. Die Statistik spricht gegen die Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen im Angesicht eines stetigen Anwachsens von No-Go-Areas, oder "empfindlichen Gegenden", wie sie in Schweden genannt werden. 

Manne Gerell, Kriminologe an der Universität Malmö, gegenüber "The Local": 

Wir wissen nicht wirklich, warum, aber wir können sehen, dass der Anstieg dadurch kommt, dass es einen Anstieg von Bandenkriminalität und eine gestiegene Zahl krimineller Netzwerke gibt. 

Blumen auf einem Polizeifahrzeug nach dem Terroranschlag in Stockholm, Schweden, 9. April 2017.

Laut einer Studie hat Schweden zwischen 2008 bis 2014 mehr tödlich verlaufene Schießereien erlebt als Deutschland und Norwegen. Malmö ist in der internationalen Presse bekannt, die drittgrößte Stadt im Süden des Landes wird auch als das "Chicago Schwedens" bezeichnet:

Malmö sticht heraus, es ist, was wir als frühen Anpasser bezeichnen, wenn es um Gewalt geht. Es war die erste von drei Städten, in denen Handgranaten üblich wurden und es war auch der Ort, an dem Schwedens erste Motorradgangs gegründet wurden. Wir wissen nicht, ob dies mit der Nähe zum europäischen Kontinent zu tun hat, aber dies könnte erklären, warum der Trend hier begann. 

Gesetz des Schweigens und Racheakte

Was die Aufklärung der Polizei behindert, ist, dass die Opfer der Schießereien oft selbst kriminelle Mitglieder sind. Der Kriminologe Joakim Sturup des Karolinska Instituts in Stockholm:

Generell ist die Aufklärungsrate zwischen 40 bis 50 Prozent im ganzen Land und 25 Prozent in den größeren Städten. Innerhalb Europas zeigen Berichte, dass wir, wenn es um Schießereien pro Kopf geht, nun mit Süditalien und Teilen Irlands gleichauf liegen. Eine Schießerei, die nicht aufgeklärt wird, führt dann zu einem Racheakt, die Zahl der Vorfälle in die Höhe treibend. 

Ein schwedischer Feuerwehrmann versucht ein brennendes Auto in Stockholm zu löschen. Bild aus Reuters-Video, 11. Dezember 2010.

Der Soziologe Amir Rostami von der Stockholmer Universität ist ein Befürworter schärferer Gesetze, um den Problemen begegnen zu können. 

Zu viel an Waffen miteingerechnet?

Kritiker machen hingegen die Art der statistischen Erfassung für die hohe Kriminalität verantwortlich. Was in anderen Städten im Ausland nicht gewertet würde, werde in Schweden in die Statistik aufgenommen. Diese beinhalte dadurch auch Luftgewehre und Steinschleudern, so die schwedische Zeitung Sydsvenskan. Wenn man diese herausnehme, könne man die Kriminalitätsstatistik zu Schießereien um 70 Prozent mindern. 

Aus einem Bericht des schwedischen Komitees zur Gewaltprävention (Brottsförebyggande rådet, kurz Brå) geht hervor, dass sich präventive Maßnahmen gegen Gewalt mit Schusswaffen als schwer erweisen. Die Gewalt fände zwischen Personen statt, die einander bekannt sind, Zeugen gibt es oft keine.