Kein Pressetermin in Auschwitz - Polnischer Tourismuschef wollte nur schöne Seiten Polens zeigen

Kein Pressetermin in Auschwitz - Polnischer Tourismuschef wollte nur schöne Seiten Polens zeigen
Ein Wachturm in Auschwitz-Birkenau, Polen, 26. Januar 2015.
Der polnische Tourismuschef hat seinen Job verloren. Er wollte Journalisten nur die eigene Geschichte zeigen und keine Orte, die mit der Geschichte anderer Länder zu tun haben. Deshalb strich er Auschwitz aus dem Besuchsprogramm einer Delegation.

Marek Olszewski hatte seine Arbeit als Tourismuschef erst im März diesen Jahres aufgenommen. Neben der Streichung des Besuchs ausländischer Journalisten in Auschwitz wollte er auch das historische Museum zum polnischen Judentum aus dem Programm nehmen.

Olszewski: "Die jüdische Kultur hat überlebt, die polnischen Eliten nicht"

Dies lässt sich einem Interview mit der Gazeta Wyborcza entnehmen, welches am Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin äußerte er:

Als der Kopf der polnischen Tourismus-Organisation, der sein Land liebt, will ich seine beste Seite zeigen, durch die Denkmäler, Kultur, Gastfreundschaft, wunderbare Musik. Auschwitz ist kein Touristenziel, sondern ein Ort der Märtyrer, der Einkehr und der Reflexion. Ich muss nicht Plätze zeigen, die mit der Geschichte und mit Geschehnissen anderer Nationen verbunden sind. 

Mitten in Kiew: Das Theater kündigt ein Holocaust-Kabarett an, im Hintergrund die die Synagoge.

Der Tourismusminister Witold Bánka feuerte daraufhin Olszweski. Bánka gab an, von den Plänen Olszewski nichts gewusst zu haben.

Olszewski fügte hinzu: 

Es waren Polen, nicht die jüdische Elite, die während des Krieges komplett zerschlagen und liquidiert wurde. Lasst uns daran erinnern, dass die gesamte jüdische Kultur in der Realität überlebt hat. 

Fast 30 Millionen Besucher haben bislang die Gedenkstätte im Südwesten Polens besucht. Sie steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Auschwitz war gleichzeitig Konzentrationslager und Vernichtungslager. Die deutsche SS unterhielt Auschwitz von 1940 bis 1945. Etwa 90 Prozent der hier Inhaftierten waren Juden. Eine genaue Zahl der Toten in Auschwitz gibt es nicht. Die herrschende Lehre unter Historikern geht von rund 1,1 Millionen Menschen aus, die im Zuge ihrer Deportation nach Auschwitz verschwanden. Über 400.000 Inhaftierte wurden registriert. Davon starb die Hälfte an Mangelernährung, Krankheiten und den Arbeitsbedingungen. Im Juli 1944 vernichteten die Nationalsozialisten Informationen über die massenhafte Ermordung von Häftlingen. 

Deutschland: Verfahren gegen ehemaligen Sanitäter aus Gesundheitsgründen eingestellt

In Deutschland wurde am Donnerstag, 72 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers, entschieden, ein Verfahren gegen den ehemaligen Sanitäter von Auschwitz-Birkenau, Hubert Zafke, fallenzulassen, da dieser gesundheitlich nicht mehr in der Lage sei, an einer Verhandlung teilzunehmen. Er soll in 3.681 Fällen Beihilfe zum Mord im Konzentrationslager geleistet haben. Im Krankenrevier des KZ Neuengamme, wo Zafke ebenfalls tätig war, wurden nach dem Inhalt der Anklage Häftlinge mit Injektionen getötet. Zafke half hierbei mit. 

Die letzten überlebenden KZ-Häftlinge warnen vor einer möglichen Wiederkehr rechtsextremistischer Bestrebungen in Europa. Der ehemalige Häftling Stanislaw Zalewski erklärte anlässlich der Gedenkfeier zur Befreiung des Vernichtungslagers in diesem Jahr: 

Was derzeit auf der Welt passiert, zeugt für uns davon, dass unser Leiden und was wir im Lager erlebt haben, umsonst war.