Türkei: Statuen von Kemal Atatürk werden vermehrt Opfer von Vandalismus

Türkei: Statuen von Kemal Atatürk werden vermehrt Opfer von Vandalismus
Die türkische Flagge neben einer Statue Mustafa Kemal Atatürks auf dem Taksim-Platz in Istanbul, Türkei, 8. April 2005.
In den letzten zehn Tagen wurden vier Fälle bekannt, in denen Statuen des Gründervaters der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, zum Opfer von Vandalismus wurden. Radikal-islamischen Anhängern Erdogans und jenen der PKK ist Atatürk gleichermaßen ein Dorn im Auge.

In der kurdisch dominierten türkischen Provinz Diyarbakir schlug ein 30 Jahre alter Mann mit einem Hammer auf das in Stein gemeißelte Antlitz Kemal Atatürks ein. Der Mann wurde daraufhin in Gewahrsam genommen. Auch in der fernen nördlichen Region Zonguldak schändeten bislang unbekannte Täter ein Abbild Atatürks. In der Provinz Mersin wurde der Kopf eines Atatürk-Denkmals von seinem Torso getrennt. 

Im Juli hatte ein Imam eine Statue Atatürks angegriffen, da die Huldigung von Idolen unislamisch sei:

Neben kurdischen Separatisten, die Atatürk seiner Assimilationspolitik wegen ablehnen, betrachten radikale Islamisten in der Türkei, die einen wichtigen Teil der Anhängerschaft Recep Tayyip Erdogans ausmachen, den Staatsgründer als historischen Gegenspieler des heutigen Präsidenten.

Unter Atatürk wurde bei Gericht nicht mehr auf Gott, sondern auf die Ehre geschworen. Er führte den gregorianischen Kalender ein, verbot den Fes, während er den als westlich geltenden Hut zur Norm erhob, die lateinische Schrift ersetzte die arabische, der Sonntag wurde zum Feiertag erklärt. Das Kalifat wurde 1924 abgeschafft. Atatürk und seine Epigonen unterdrückten jedoch bei ihren Reformbemühungen auch Andersdenkende und verkalkulierten sich damit, denn der konservative Islam, den sie mit autoritären Mitteln beseitigen wollten, blieb Teil der Gesellschaft. 

In Canakkale findet derzeit ein Gerechtigkeitskongress statt. Es ist ein historisch wichtiger Ort, an welchem der Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu Zeichen gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan setzen will: Es gebe "weder Recht noch Gerechtigkeit in diesem Land", sagte der Chef der Republikanischen Volkspartei (CHP) bei der Eröffnung eines viertägigen "Kongresses für Gerechtigkeit" in der westtürkischen Provinz.

Die Schlacht von Gallipoli (im Türkischen: Çanakkale Savaşı) ging als Sieg des Osmanischen Reiches unter dem Befehl des Feldherrn Mustafa Kemal Bey gegen die Invasion Englands, Frankreichs und Australiens 1915 in die Geschichte ein. Mustafa Kemal wurde daraufhin zum General erhoben und mit dem Ehrentitel Pascha geehrt. Im Jahr 1934 verlieh ihm die Große Nationalversammlung den Titel "Atatürk" - Vater der Türken.

Die westlichen Mächte wollten ursprünglich die Türkei unter sich aufteilen. Dies konnten Atatürk und dessen Mitstreiter verhindern. Acht Jahre später wurde die Republik gegründet.