Angekommen in alter Tradition: Berliner Auswärtiges Amt macht ukrainischen Nazi-Gruß salonfähig

Angekommen in alter Tradition: Berliner Auswärtiges Amt macht ukrainischen Nazi-Gruß salonfähig
Am 24. August gratulierte das Auswärtige Amt der Ukraine via Twitter zum Tag der Unabhängigkeit. Auch begrüßte man die vereinbarte Waffenrufe zum Beginn des Schuljahres. Die schönen Worte krönten die Diplomaten mit der Nationalisten-Parole "Slawa Ukraini".

Westliche Politiker verwenden zunehmend diesen Slogan, um der eigenen Unterstützung für das junge Mitglied in der demokratischen Familie zivilisierter Völkern Ausdruck zu verleihen und freundliche Wärme in Richtung Kiew auszustrahlen. Offenbar rangiert dieser aus ihrer Sicht in der gleichen Spielklasse wie etwa "Viva la France". Was, so fragen sie sich, kann daran verwerflich sein?

Eben, nichts. Was tut man nicht, um Freunden Freude zu bereiten? Ein tolles Land zu rühmen, ist immer angenehm. Doch seit Jahren kursieren im Netz auch Gerüchte, wonach die Parole "Ruhm der Ukraine" auch etwas mit Nazis zu tun hätte. Mehrere Twitter-Nutzer fragten: 

Ist das nicht ein Gruß ukrainischer Neonazis?

Sicherlich alles Trolle aus Sankt Petersburg, also uninteressant. Dennoch haben wir uns die Sache genauer angeschaut. Und was sehen wir da? Im Internet findet man nicht wenige Darstellungen, die eine ähnliche Geschichte erzählen.

Die ersten Versuche, den Gruß "Slawa Ukraini" als Begrüßung unter Gleichgesinnten zu installieren, gehen auf einige Rebellenformationen während des Bürgerkrieges 1917 bis 1921 zurück, als die zahlreichen zersplitterten Truppen der Nationalisten die Bolschewiki, die Weißgardisten oder die Anarchisten bekämpften. So war die Begrüßung unter den Mitgliedern der so genannten Steppen-Division geläufig. Auf die Begrüßung "Slawa Ukraini" erwiderte man "Ukraine Slawa".

Der Propagandaportal Euromaidanpress betont diesen Umstand, nämlich dass der Gruß noch vor der Nazi-Zeit entstanden war. Aber auch dieses Medium kann nicht leugnen, dass sich dessen Verbreitung und obligatorische Nutzung kurz vor dem und während des Zweiten Weltkrieges bei der Organisation der Ukrainischen Nationalisten (OUN) von Stepan Bandera und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) von Roman Schuchewitsch etablierten. Von da an sagte man "Gerojam Slawa" (Ruhm den Helden) als Erwiderung.

Das Plakat zeigt einen UPA-Kämpfer, der auf einer sowjetischen und einer nazistischen Flagge steht. Gegen Ende des Krieges ging die UPA in die Wälder. Sie vermied aber direkte Zusammenstöße mit den Deutschen und beschränkte sich auf Sabotage, Plünderungen und Angriffe gegen nicht loyale Zivilisten.

Das Portal Wikipedia geht noch ausführlicher darauf ein und belegt seine Erkenntnisse mit zahlreichen Quellenangaben:

Die Begrüßung "Slawa Ukraine! Gerojam Slawa!" in Kombination mit dem Römischen Gruß, dem Hochhalten der rechten Hand, wurde von der OUN nach dem Muster des nazistischen Grußes der faschistischen und halbfaschistischen Parteien - der NSDAP von Adolf Hitler, der Nationalen Faschistischen Partei von Benito Mussolini in Italien und der Ustascha von Ante Pavelic in Kroatien - installiert. Eine ähnliche Geste hatten die spanischen Falangisten und die slowakischen Ludaken.

Die OUN beschloss diese Form der Begrüßung offiziell während ihres Zweiten Kongresses in Rom im August 1939. Im Jahre 1941 bestätigte im bereits okkupierten Charkow der OUN-Zweig OUN(b) von Stepan Bandera den Gruß in leicht abgeänderter Form. Einen obligatorischen Charakter dieses Grußes sah der Beschluss des II. Großen Kongresses der OUN(b) in Krakau vor.

Diese Gedenktafel mit dem Slogan "Slawa Ukraine! - Gerojam slawa!" wurde 1998 zu den Ehren der "Ersten Operation der 1. Gruppe UPA" im Ort Janowa Dolina installiert. Im Zuge dieser Operation wurden mehrere hundert Polen massakriert. Dies war eine der Episoden des Wolyn-Massakers.

Da diese Begrüßung faktisch die direkte Übernahme anderer faschistischer Grüße bedeutete, wäre "Heil der Ukraine - Heil den Helden!" und nicht "Ruhm der Ukraine - Ruhm den Helden!" die korrekte Übersetzung. Widrigenfalls trennt man die Dinge von ihrem historischen Kontext. In der nationalsozialistischen Partei Deutschlands sagte man "Heil Hitler - Sieg Heil!" und hielt dabei den rechten Arm hoch. Form, Struktur und Sinn des Grußes sind fast identisch.

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In der modernen Ukraine gab es zahlreiche Versuche, diesen Gruß zu popularisieren, diese reichen in die Zeiten der so genannten Orangenen Revolution und eine entsprechende Initiative des daraus hervorgegangenen Präsidenten Juschtschenko zurück. Doch sie bleib nur unter der damals noch rein galizischen neonazistischen Partei "Swoboda" von Oleg Tjagnibok gebräuchlich. Die Partei hat in Lwow, dem ehemaligen Lemberg, in der Westukraine ihre Hochburg. Der Rest der Ukraine konnte zunächst mit diesem Gruß wenig anfangen.

Während des Maidan in Kiew vom November 2013 bis zum Februar 2014 gehörte Tjagnibok zu den Anführern der Proteste. Juri Nischtschuk, der Moderator auf der Hauptbühne des Maidans, begann "Heil der Ukraine" in die Menge zu rufen und bekam sofort "Heil den Helden" als Antwort. Die Tausenden einander unbekannten Menschen brauchten etwas, was sie miteinander verbindet – und dieser Slogan passte.

Der Teilnehmer eines nationalistischen Marsches zu den Ehren der Ukrainischen Aufstandsarmee unter der Führung von Roman Schuchewitsch im Oktober 2014.

Das ist aber noch nicht alles. Zum sprachlichen Repertoire ukrainischer Neonazis und Fußballultras gehören auch noch weitere Slogans aus der Nazi-Zeit: "Ukraine ponad use" (Ukraine über alles), "Slawa Nazii" (Heil Nation) und "Smert vorogam" (Tod den Feinden). Angefangen mit Slawa Ukraine werden sie in einem Atemzug ausgeschrien.

Videos, die im Internet kursieren, zeigen, wie eine Menge aus Fußballfans in Odessa sich mit Parolen wie "Tod den Feinden" auf den Kampf mit ihren Gegnern am 2. Mai 2014 eingestimmt hatte. Wenige Stunden später brannte das Gewerkschaftshaus mit den darin befindlichen, großteils friedlichen Protestlern. Praktisch jede gewaltsame Aktion, sei es das Verprügeln eines nicht genehmen Passanten oder ein Haubitzenschuss in Richtung Donezk, wird mit "Slawa Ukraine" begleitet.

Die postmaidanen Politiker in der Ukraine trugen diesen Slogan anschließend auch auf das diplomatische Parkett. Diese Grußformel wurde gleichsam ansteckend und bald begannen die proukrainischen Aktivisten im Europarlament wie die Grüne Rebecca Harms, später aber auch die politischen Schwergewichte wie die US-Amerikaner John Kerry oder Joe Biden, sie zu verwenden. Auf dem Gesangwettbewerb Eurovision Song Contest 2017 begrüßte das litauische Team die Gastgeber in Kiew mit "Slawa Ukraine".

Gestern, am Tag der Unabhängigkeit der Ukraine, reihten sich auch der kanadische Premier Trudeau und das deutsche Auswärtige Amt in diese Gesellschaft ein. Damit zeigten sie offiziell und medienwirksam, dass sie auch Aktionen, die mit dem Gruß "Heil Ukraine" abgesegnet werden, moralisch unterstützen und die Ukraine gleichsam zur Verletzung der zuvor noch so hochgelobten Waffenruhe anstacheln. 

Eine Anfrage von RT Deutsch, aus welcher Motivation heraus, das Auswärtige Amt die historisch so brisante Grußformel "Slawa Ukraine" - Heil Ukraine in einem offiziellen diplomatischen Kontext verwendete, bliebt bisher unbeantwortet. 

Autor: Zaporozhje, 13. April 2014. Typische Verwendung für den Slogan "Slawa Ukraine" (Ende des Videos)