Österreich warnt vor türkischem und saudischem Einfluss im Balkan: "Zahlen fürs Verschleiern"

Österreich warnt vor türkischem und saudischem Einfluss im Balkan: "Zahlen fürs Verschleiern"
Österreichs Außenminister Sebastian Kurz fordert eine Beschleunigung des Annäherungsprozesses des Westbalkans an die Europäische Union.
Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz warnt vor dem Einfluss der Türkei und Saudi-Arabiens auf dem Balkan. In Sarajevo oder Pristina etwa würden "Frauen dafür bezahlt, voll verschleiert auf die Straße zu gehen, um das Straßenbild zu ändern".

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz richtete scharfe Kritik an die Adresse der Türkei und Saudi-Arabiens. Er warnte vor einem wachsenden Einfluss beider Länder auf dem Westbalkan. In Sarajevo oder Pristina etwa würden „Frauen dafür bezahlt, voll verschleiert auf die Straße zu gehen, um das Straßenbild zu ändern“, sagte Kurz gegenüber dem Handelsblatt. "Hier dürfen wir nicht tatenlos zusehen", forderte der Politiker.

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Kurz forderte vor diesem Hintergrund eine Beschleunigung des Annäherungsprozesses des Westbalkans an die Europäische Union (EU). Zwar stehe die EU derzeit vor Herausforderungen wie dem Brexit, der Flüchtlingskrise oder dem islamistischen Terrorismus, dennoch dürfe der Westbalkan deswegen nicht aus dem Blickfeld geraten.

Es handele sich um eine Region mit jungen Staaten, in denen Spannungen untereinander oder zwischen verschiedenen Ethnien zuletzt wieder zugenommen hätten.

Wir müssen daher weiterhin eine aktive Rolle in dieser für die EU so wichtigen Region spielen, Reformen und den Kampf gegen Radikalisierung unterstützen sowie eine glaubhafte EU-Perspektive bieten",

sagte Kurz gegenüber dem Handelsblatt. Seit Jahren beobachten Experten verstärkte türkische Aktivitäten auf dem westlichen Balkan, also in Ländern wie Bosnien, Serbien, Kosovo oder Mazedonien.

Türkische Aufbau-Institution tritt als "guter, reicher Onkel" auf

Dabei wendet sich Ankara vor allem an muslimischgeprägte Bevölkerungsteile. Die Türkei setzt sich etwa mithilfe staatlicher Entwicklungshilfe-Institutionen wie TIKA in Szene, zum Beispiel, indem diese Moscheen renovieren wie in Banja Luka und Sarajewo oder in verarmten muslimisch geprägten Regionen als Investor auftreten.

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Ähnlich wie in Deutschland versuche Ankara außerdem, türkische Minderheiten gegen die Gülen-Bewegung aufzuwiegeln. Die türkische Regierung schreibt dem Netzwerk die Verantwortung für den gescheiterten Militärputsch im vergangenen Sommer zu. Zudem vermeldete die deutsche Bundesregierung eine islamistische Einflussnahme auf dem Westbalkan durch Saudi-Arabien und andere Golfstaaten.

Saudi-arabische Missionierungsorganisationen sind auch im Kosovo aktiv und verbreiten hier die von Saudi-Arabien vertretene wahhabitische Interpretation des Islam, etwa durch die Entsendung von Predigern",

berichtete die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion aus diesem Jahr.

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Der Hype um Sebastian Kurz ist derzeit groß. Sein Netzwerk und Rückhalt ist die konservative Parteijugend.

Der Wahhabismus ist eine islamistische Strömung, die sich an den Vorstellungen der ersten Muslime orientiert. Er ist mit dem Salafismus nahezu identisch. Zudem ist der Bundesregierung zufolge

ein kontinuierliches Engagement arabischer Geldgeber – Einzelpersonen, Nichtregierungsorganisationen sowie staatlicher und halb staatlicher Institutionen – in der Islamischen Gemeinde Kosovos (BIK) feststellbar.

Gestellt hatte die Anfrage die Linke-Abgeordnete Sevim Dagdelen, die vor dem wachsenden Einfluss der Golfstaaten warnt:

Unter den Augen von Kfor hat sich das Kosovo zum islamistischen Terrorzentrum in der Region entwickelt. Es ist skandalös, dass dank der Präsenz deutscher Soldaten saudische Gewalt- und Hassprediger ungestört die ideologische Basis dafür schaffen konnten.

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