Fall um das Verschwinden des "schwedischen Oskar Schindler" wird in Russland wiederaufgenommen

Fall um das Verschwinden des "schwedischen Oskar Schindler" wird in Russland wiederaufgenommen
Eine amerikanische Briefmarke mit Raoul Wallenberg, 24. April 1997.
Der Schwede Raoul Wallenberg half tausenden Juden, während des Zweiten Weltkriegs aus dem von Nationalsozialisten kontrollierten Ungarn zu fliehen. Medien vergleichen ihn mit dem deutschen Oskar Schindler. Lange Zeit rankten sich um sein Schicksal Legenden.

Raoul Wallenberg rette im Nationalsozialismus Tausenden ungarischer Juden das Leben. Weil er aber im Verdacht stand, US-amerikanischer Spion gewesen zu sein, geriet er nach dem Ende des Krieges in sowjetische Gefangenschaft. 

Über Jahrzehnte hinweg blieb sein weiteres Schicksal ungewiss. Die Nachkommen von Raoul Wallenberg wollen nun erfahren, was mit ihrem Vorfahren geschah. Die schwedische Regierung unternahm wenig, selbst als es in den 1960er Jahren und darüber hinaus hieß, dass Wallenberg noch am Leben sei.

Nun soll der Fall wiederaufgenommen werden. Eine Verhandlung ist für den 18. September angesetzt. Wallenbergs Nichte Marie Dupuy reichte eine Klage gegen den FSB ein und forderte unbeschränkten Zugang zu den Fall-Akten und Verhörprotokollen. 

Nach seinem Studium in den USA kehrte Raoul Wallenberg 1936 nach Schweden zurück und nahm eine Stelle bei der Central European Trading Company an. Inhaber war der jüdische Geschäftsmann Kalman Lauer. Dessen Bewegungsfreiheit war auf Grund seiner jüdischen Herkunft innerhalb Europas begrenzt und so übernahm Wallenberg die Reisen für ihn. 

Der ehemalige SS-Mann Oskar Groening in Lüneburg, Deutschland, 15. Juli 2015.

Wallenberg nutzte den Einfluss seiner Familie, um ungarische Juden vor deren sicherem Tod durch die Hand der Nazis zu bewahren. Im Jahr 1944 kehrte er als Sekretär des schwedischen Gesandten nach Ungarn zurück. Mit bei sich führt er eine Liste von 800 Personen, die Schweden bereit war, aufzunehmen und die durch Wallenberg Schutzpässe erhielten. Er errichtete Schutzhäuser für die Juden, die er durch schwedische Flaggen tarnte und die nach außen hin den Anschein erweckten, schwedische Bibliotheken oder schwedische Forschungsinstitute zu sein. Adolf Eichmann bezeichnete Wallenberg als "Judenhund" und ordnete seine Erschießung an, was zu Protesten in Schweden führte. 

In der Lubjanka an einem Herzversagen gestorben?

Auch nach der Eroberung der ungarischen Hauptstadt durch die Rote Armee wollte Wallenberg weitermachen. Er begab sich nach Debrecen, um sich mit sowjetischen Kommandanten zu treffen, man brachte ihn aber stattdessen nach Moskau. Der Russe Michail Tolstoi hatte sich in die schwedische Gesandtschaft eingeschlichen und seine Vorgesetzten davon überzeugt, dass Wallenberg als Spion für die Amerikaner agiere. Die US-amerikanische Regierung entzog sich damals jeglicher Stellungnahme für oder gegen Wallenberg. Bis 1947 lässt sich die Gefangenschaft zurückverfolgen. Die Gerüchte danach reichten von Tod durch Herzinfarkt oder Erschießung über einen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt bis hin zu weiteren Fällen von Gefangenschaft. 

Aus und vorbei: Den Konzept-Buchladen Topics in Berlin-Neukölln gibt es nicht mehr.

Raoul Wallenberg soll nach seinem Aufenthalt in Ungarn in das Polizeihauptquartier Lubjanka in Moskau gebracht worden sein. Bereits im Jahr 1957 veröffentlichte die damalige Sowjetunion Dokumente, aus denen herauszulesen war, dass Wallenberg dort im Jahr 1947 an einem Herzversagen verstarb. Auf einem Medizinerkongress in Russland wurde der schwedischen Ärztin Svartz hingegen mitgeteilt, dass Wallenberg sich in einer Nervenheilanstalt aufhielte. Diese Äußerung wurde anschließend wieder dementiert.

Noch 1990 war die Rede von Lagerhaft in Sibirien

Die SPD versuchte über Carl Gustaf Svingel als Unterhändler im Bereich des Agententausches bei einem Besuch im Jahre 1965 Wallenbergs Freilassung zu erwirken, da es zu diesem Zeitpunkt wiederum hieß, Wallenberg sei noch am Leben. Aus Schweden kam keine Reaktion und Svingel erntete dafür Kritik. Noch im Jahr 1990 tauchten Augenzeugenberichte auf, wonach Wallenberg nach Kriegsende in einem Lager in Sibirien lebte. Die Familie erhielt im Jahre 1989 Pass und Kleider Wallenbergs aus der Sowjetunion. Im Jahr 2000 wurden Dokumente veröffentlicht, wonach Wallenberg von der Geheimpolizei erschossen wurde. Im Jahr 2012 hieß es in einem Nachrichtenmagazin, er sei 1950 in Workuta erschossen worden. Erst 2015 erklärte Schweden Wallenberg offiziell für tot.