Russische Duma-Sprecherin kritisiert Polen für Verzerrung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges

Russische Duma-Sprecherin kritisiert Polen für Verzerrung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges
Die stellvertretende Sprecherin der russischen Staatsduma hat den polnischen Außenminister Witold Waszczykowski für dessen Behauptung kritisiert, die UdSSR und Nazi-Deutschland wären gleichermaßen für den Beginn des Zweiten Weltkriegs verantwortlich.

In seinem verlogenen Zynismus hat der Chef des polnischen Außenministeriums bereits die Position des Nazi-Chef-Ideologen Goebbels erreicht, wonach eine Lüge, je größer sie sei, umso schneller geglaubt werde,

sagte die Dumaabgeordnete Irina Jarowaja von der Partei Einiges Russland gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Anlass des Kommentars war eine Äußerung des polnischen Außenministers Witold Waszczykowski in der Vorwoche. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal Wpolityce erklärte der Minister, dass die Sowjetunion und Nazi-Deutschland beide zum Beginn des Zweiten Weltkriegs stark beigetragen hätten und die Verantwortung dafür tragen sollten.

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Aus Sicht der Russischen Föderation stellt diese Aussage eine ungeheuerliche Form der Geschichtsverdrehung dar. Jarowaja betonte:

Die Geschichte hat schon alles an ihre Stelle gebracht. Was eine wahrheitsgemäße historische Tatsache ist, ist der Sieg des sowjetischen Volkes und der sowjetischen Soldaten über den Nationalsozialismus sowie die Befreiung Europas. Mit den Leichen aus den Kellern der polnischen Politiker müssten sich deren Nachfolger beschäftigen, diese aber ziehen sie in die Welt der Lügen und der Aggression.

Zuvor hatte auch der russische Senator Alexei Puschkow seine Reaktion auf die Erklärung von Waszczykowski auf Twitter gepostet:

"Nein, Herr Waszczykowski, der Beginn des Zweiten Weltkrieges muss ab der Münchner Konferenz betrachtet werden, bei der der Westen die Tschechoslowakei an Hitler übergab und Polen einen Teil dieses Landes erhielt", schrieb Puschkow.

Die gegenwärtige Krise in den Beziehungen zwischen Polen und Russland begann Ende Juni, als der Sejm eine Reihe von Änderungsanträgen zu einem polnischen Gesetz über die "Dekommunisierung" verabschiedete. Dieses verbietet jede Propaganda totalitärer Regime durch jedwede Form von Medien, einschließlich der Erwähnung auf Gebäuden oder anderen architektonischen Stätten.

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Diese Form der Gesetzgebung könnte am Ende auch eine Zerstörung von Denkmälern für Soldaten der Roten Armee rechtfertigen, die gestorben sind, um Polen von der Besetzung durch Nazi-Deutschland zu befreien.

Die Initiative verursachte eine wütende Reaktion bei russischen Beamten und Politikern, die sie als einen Versuch beschreiben, die Geschichte umzuschreiben und die Erinnerung an die sowjetischen Soldaten zu schwärzen.

Bilaterale Vereinbarungen stellen Befreiungsdenkmäler unter Schutz

Das russische Außenministerium reagierte mit einer offiziellen Erklärung, in der es die polnische Seite warnte, dass die Durchsetzung des neuen Gesetzes gegen eine Vereinbarung zwischen den beiden Nationen verstoßen würde, die Denkmälern, welche sich in der Nähe der Gräber sowjetischer Soldaten befinden, einen uneingeschränkten Schutz gewährt.

In einer weiteren Äußerung zu diesem Thema stellten russische Diplomaten in Aussicht, dass Moskau angemessene Maßnahmen ergreifen würde, sollte Polen Denkmäler für Soldaten der sowjetischen Armee abreißen.

Außerdem verabschiedeten die russische Staatsduma und die israelische Knesset im Juli eine gemeinsame Erklärung an die europäischen Parlamente. Darin verurteilten sie die polnische Gesetzesvorlage als eine Beleidigung des Andenkens der sowjetischen Soldaten und der Holocaustopfer.

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