Aus Protest gegen den Massentourismus: Spanier verhindern Sprung ins kühle Nass

Aus Protest gegen den Massentourismus: Spanier verhindern Sprung ins kühle Nass
Proteste gegen Massentourismus in Barcelona, Spanien, 12. August 2017.
Anwohner Barcelonas protestieren gegen den Massenansturm an Touristen während der Hochsaison. Touristen werden am Gang ins Meer gehindert, Unbekannte schlitzen Reifen von Bussen und Fahrrädern auf. Graffitis unterstreichen die ablehnende Haltung zu den Touristen.

In Barcelona sonnen sich derzeit wieder die Touristen in Massen am Strand. Eine Abkühlung blieb ihnen diesmal jedoch verwehrt - und zwar durch die Bewohner des Viertels "La Barceloneta". Als Demonstranten gegen den Massentourismus bildeten sie eine Menschenkette, die für die Touristen ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zur Abkühlung war. In Barcelona macht der Tourismus 15 Prozent der wirtschaftlichen Gesamtleistung aus.

Eine Anwohnerin rügte das Verhalten der Touristen: 

Dass Leute auf der Straße und am Strand ganz offen Sex haben und immer betrunken sind, das ist nicht mal unser Hauptproblem, schlecht erzogene Menschen gibt es überall.

Die Wut richtet sich vor allem gegen die horrenden Immobilienpreise und die stetig steigende Zahl an Touristenapartments, die die Anwohner ihres Wohnraums berauben. 

Mallorca: Einheimische

Die Menschenkette war nicht der einzige Protest gegen die zunehmend unerwünschten Besucher. In Barcelona zerstachen Unbekannte die Reifen von Mietfahrrädern und Reisebussen. Farbbomben landen auf Hotels und Graffitis verdeutlichten Besuchern, dass sie nicht willkommen sind. Zu lesen war etwa: 

Warum heißt es Touristen-Saison, wenn man sie nicht erlegen darf? - Alle Touristen sind Bastarde! 

Verantwortlich für die aufgeschlitzten Reifen war angeblich der Jugendflügel Arran der linkssozialistischen Partei CUP. Arran verteidigte die Aktion als Selbstverteidigung gegen den "Terrorismus durch Touristen". 

Unmut auch auf Mallorca

Auch auf Mallorca protestierten Einheimische inzwischen gegen den Massentourismus. Mitglieder der Organisation "Ciutat per a qui l'habita", zu Deutsch: "Die Stadt ihren Bewohnern", sperrten am Samstag in Palma symbolisch das Tourismusministerium der Balearen. Sie klebten Zettel mit der Aufschrift "geschlossen" an die Eingangstür des Gebäudes.

Neue Gesetze auf Mallorca und Ibiza sollen nun den Massentourismus begrenzen. Die Politik will die Zahl der Betten auf 623.624 beschränken. Besitzer nicht registrierter Wohnungen und Häuser, die keine Zulassung für eine Vermietung haben, müssen mit bis zu 400.000 Euro Strafe rechnen. 

Die Jugendorganisation Arran plant trotz Anzeigen weitere Aktionen in Barcelona. Einige Gegenden der Stadt sind nun für Touristen zu No-Go-Zonen geworden, da sie hier den Hass der Anwohner fürchten müssen.