Nach russophoben Ausfällen von US-Vize: Serbischer Außenminister Ivica Dačić kontert Mike Pence

Nach russophoben Ausfällen von US-Vize: Serbischer Außenminister Ivica Dačić kontert Mike Pence
Serbischer Außenminister Ivica Dačić.
Nach einer mit russophoben Ausslassungen gespickten Rede des US-amerikanischen Vize-Präsidenten Mike Pence nahm der serbische Außenminsiter Ivica Dačić das Wort. Zwar konnte er Pence nachhinein kontern, tut sich die serbische Führung immer schwerer, dem Druck aus Washington und Brüssel zu widerstehen.

Serbiens stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister Ivica Dačić hat die Äußerungen des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten Mike Pence bezüglich der Rolle Russlands auf dem Balkan gekontert, schreibt die Nachrichtenagentur Sputnik.

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Zur Erinnerung: Pence nahm am 2. August am Gipfel der sogenannten "Adriatischen Charta" in Montenegros Hauptstadt Podgorica teil, wo er außerdem mehrere bilaterale Treffen hatte. Bei diesen warf er Russland vor, die Balkanregion zu destabilisieren, und nannte es ein "unberechenbares" Land, das einen "Schatten aus dem Osten" werfe.

Russland versucht weiterhin mit Gewalt, die Grenzen auf dem Westbalkan neu zu ziehen. Es hat versucht, die Region zu destabilisieren und uns und den Rest Europas zu teilen. Diese Absichten wurden bereits im letzten Jahr sichtbar, als Moskauer Agenten versucht haben, die Wahlen platzen zu lassen und sogar den Premierminister zu töten, um das Volk von Montenegro davon zu überzeugen, nicht der Nato beizutreten", erklärte Mike Pence.

Weiterhin unterstrich er, von Donald Trump zum Gipfel geschickt worden zu sein, "als Zeichen der ununterbrochenen Hinwendung der USA zum Balkan". 

Feierliche Stimmung bei der proamerikanischen Regierung: Montenegros Premier Dusko Markovic und seine Delegation empfangen Mike Pence mit einem feierlcihen Geschäftsessen.

Als Reaktion darauf antwortete Ivica Dačić:

Beim Gipfel der "Adriatischen Charta" in Podgorica war Serbien als Beobachterstaat anwesend. Das bedeutet nicht, dass wir mit Allem einverstanden sind, was dort gesagt wurde; darunter auch nicht, dass Russland hier mit Gewalt die Grenzen neu zieht. Wenn es um die Neuziehung der Grenzen geht, so ist es gerade der Westen, der das mit Serbien gemacht hatte."

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Weiterhin fügte der Politiker hinzu, dass Serbien von Mike Pence die versprochene Unterstützung für die Region erwarte; gleichzeitig aber auch, dass jedes Land eigenständig Entscheidungen über seine Zukunft treffen könne.

Serbien weiß selbst, was für das Land das Beste ist", unterstrich der serbische Außenminister.

Serbien ist durch die NATO-Staaten eingekreist und gerät immer mehr unter Druck aus dem Westen, sich von Russland abzuwenden. 

"Zukunft im Westen" durch Militärbündnis

Die Adria-Charta ist ein Zusammenschluss von mehreren Ländern des Balkans, die sich auf dem Weg der "euro-atlantischen Integration" befinden. Dem 2003 in Tirana gegründeten Bündnis gehörten anfangs Albanien, Kroatien, Mazedonien und die Vereinigten Staaten an. Im Jahr 2008 folgten Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro. Slowenien, Serbien und der Kosovo, der sich mit Hilfe der USA und der EU von Serbien abgespalten hatte, haben seit dem Jahr 2008 bzw. 2012 einen Beobachtungsstatus inne. 

Zuvor hatte der US-Vize in einem Statement erklärt, Podgorica spiele eine "führende Rolle bei der Förderung von Stabilität und Sicherheit in der Westbalkanre­gion", deren Zukunft im Westen liege. Außerdem habe Montenegro "andere Länder mit seiner Courage, besonders in der Phase russischen Drucks, inspiriert". "Ich lobe sie dafür", sagte Pence.

Die Adria-Charta ist ein Mittel der USA, in Konfrontation zu Russland und in Ausgrenzung zur Europäischen Union ihre Hegemonie auf dem Balkan durch die Integration der dortigen Staaten in die NATO zu sichern. Vorbild war die 2000 ins Leben gerufene "Vilnius-Gruppe", die den Weg mehrerer ost- und südosteuropäischer Länder in das westliche Militärbündnis ebnete. Dabei wurden nicht nur staatliche Institutionen eingebunden, sondern auch Nichtregierungsorganisationen. Im Mittelpunkt der Adria-Charta steht die militärische Zusammenarbeit durch gemeinsame Manöver sowie Ausbildungsprogramme.