"Kleines Pompeji": Französische Archäologen entdecken römisches Viertel aus dem ersten Jahrhundert

"Kleines Pompeji": Französische Archäologen entdecken römisches Viertel aus dem ersten Jahrhundert
Archäologen haben ein römisches Viertel im Südosten Frankreichs ausgegraben und die Entdeckung als "wahrhaftig kleines Pompeji" bezeichnet. Der Fund beinhaltet Überreste von Luxushäusern und öffentlichen Gebäuden.

Die Entdeckung fand am Ufer der Rhone in der Stadt Vienne statt, die sich etwa 30 Kilometer südlich von Lyon befindet. Es wurde auf einem Territorium gefunden, das für den Bau einer Wohnanlage vorbereitet wurde und fast 7.000 Quadratmeter groß ist.

Das Viertel umfasst Überreste von Häusern, die aus dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt stammen und vermutlich etwa 300 Jahre lang bewohnt waren, bis sie nach einer Reihe von Bränden aufgegeben wurden.

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Wir sind unglaublich glücklich. Das ist zweifellos die außergewöhnlichste Ausgrabung eines römischen Fundplatzes seit 40 oder 50 Jahren", sagte der Archäologe Benjamin Clement.

Das französische Kulturministerium nannte die Entdeckung einen "außerordentlichen Fund".

Viele Artefakte des Standortes sind gut erhalten und veranlassten Clement dazu, das Gebiet als "ein echtes kleines Pompeji in Vienne" zu betiteln. Pompeji war ein römischer Stadtstaat, der, mit Vulkanasche bedeckt, sehr gut erhalten blieb und heute als UNESCO-Weltkulturerbe gilt.

Das Bacchanalien Haus gehört zu den Strukturen, die zum Teil überlebt haben, obwohl sein erster Stock, das Dach und der Balkon durch Feuer zerstört wurden. Archäologen glauben, dass das Haus, in dem Geländer, Marmorfliesen, große Gärten und ein Wasserversorgungssystem enthalten waren, einem reichen Kaufmann gehörte.

Clemens meint, er und seine Kollegen wären in der Lage, das Haus wiederherzustellen, dessen Name von einem Fliesenboden abgeleitet ist, der eine Prozession von Mänaden (weibliche Anhänger des Gottes des Weines, der als Dionysos oder Bacchus bekannt ist) darstellt.

Wir werden dieses Haus vom Boden bis zur Decke wiederherstellen können", sagte er.

Ein zweites Haus kennzeichnet ein Mosaik, das Thalia, die Muse und Schutzpatronin der Komödie darstellt, die von Pan, dem Gott der Satyrn, entführt wird. Die Mosaiken werden entfernt und mitgenommen, um wiederhergestellt zu werden. Sie sollen im Jahr 2019 im Vienne-Museum der gallorömischen Zivilisation ausgestellt werden.

Ein großes öffentliches Gebäude mit einem Brunnen, der mit einer Hercules-Statue geschmückt war, wurde ebenfalls entdeckt. Clemens glaubt, dass dort einmal eine Philosophie-Schule untergebracht gewesen sein könnte.

Die Ausgrabungen an diesem Standort begannen im April und sollten Mitte September enden. Allerdings wurde die Grabung von der französischen Regierung in der Hoffnung, mehr Entdeckungen zu machen, bis zum Ende des Jahres verlängert.

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Clemens und sein Team werden in den kommenden Monaten noch ältere Teile des Viertels ausgraben, um einen Bereich mit Werkstätten zu erforschen.

Vienne, eine Stadt, die für ihr römisches Theater und ihren römischen Tempel berühmt ist, war einst ein wichtiger Ort auf der Strecke, die das nördliche Gallien mit der römischen Provinz Gallia Narbonensis in Südfrankreich verband.

Die Entdeckung kommt nur einen Monat nachdem andere "Pompeji-ähnliche" Entdeckungen in Rom während dem Bau einer neuen U-Bahn-Linie gemacht wurden. Die dortigen Funde beinhalteten ein verkohltes Gebäude mit einem 1.800 Jahre alten Hundeskelett.

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