Nach Großbrand im Grenfell Tower: Polizei beschuldigt Unternehmen und Bezirksrat fahrlässiger Tötung

Nach Großbrand im Grenfell Tower: Polizei beschuldigt Unternehmen und Bezirksrat fahrlässiger Tötung
Demonstranten protestieren für Gerechtigkeit nach dem Großbrand im Grenfell Tower, außerhalb des Rathauses von Kensington, London, Großbritannien, 19. Juli 2017.
Die Polizei in London hat "zureichende Gründe" zu der Annahme, dass der Großbrand im Londoner Hochhaus Grenfell Tower als fahrlässige Tötung durch die Vermieterfirma einzustufen ist. Mindestens 80 Menschen kamen bei dem Brand am 14. Juni ums Leben.

Die Mieter hatten schon Jahre zuvor gewarnt, dass die Brandschutzmaßnahmen im Grenfell Tower nur unzureichend waren. Scotland Yard geht nun gegen den Bezirksrat und die Wohnungsgesellschaft vor.

Um rund 300.000 Britische Pfund (ungefähr 340.000 Euro) einzusparen, bat die für die Renovierungsarbeiten am Grenfell Tower zuständige Verwaltungsgesellschaft potenzielle Auftragnehmer offenbar darum, eine günstigere Verkleidung einzubauen. Es hätte zwar keine konkrete Anweisung gegeben, die Brandschutzsicherheit zu senken, doch in einem Schreiben der zuständigen Verwaltung, des Chelsea Tenant Managements, habe diese die Baufirmen darauf hingewiesen, dass die Verbauung von Aluminium statt Zink 293.638 Britische Pfund einsparen könnte. In dem Schreiben sollen auch noch weitere Vorschläge für Einsparungen zur Sprache gekommen sein.

Ob die zuständige Baufirma auf die daraus resultierenden Brandschutzprobleme hingewiesen hatte, ist bislang noch unklar.

Nach Angaben der Polizei vom 28. Juni 2017 starben bei dem Brand mindestens 80 Menschen einschließlich noch vermisster Personen.

Zur Zeit des Unglücks waren 350 Menschen im Grenfell Tower. Nur 255 davon konnten sich retten. 14 Menschen waren zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in ihren Wohnungen. Viele der Opfer ließen sich nach der enormen Brandhitze nicht mehr zuordnen. 

In London löste der Brand Proteste aus, nachdem publik wurde, dass die Außenwand des Hauses vor einem Jahr mit einem in Großbritannien verbotenen, brennbaren Material verkleidet worden war. Dies soll es möglich gemacht haben, dass sich das Feuer innerhalb kürzester Zeit von dem zweiten Stock über das ganze Haus bis ins letzte Stockwerk ausbreitete. Wie nun herauskommt, sollen hunderte weiterer Gebäude mit einem ähnlichen Fassadenmaterial verkleidet sein.

Aus einem Brief der Polizei geht hervor, dass diese Material und Aussagen von Augenzeugen zusammentrug, welche den Verdacht der fahrlässigen Tötung durch die Vermietungsfirma "Chelsea Tenancy Management" und den Bezirksrat von Kensington erhärteten. Seit dem Jahr 2007 gilt in Großbritannien ein verschärftes Gesetz zur fahrlässigen Tötung und Totschlag im Unternehmensbereich (Corporate Manslaughter and Corporate HomicideAct 2007) unter welchem der Vorfall untersucht wird.

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