Unter Identitären Segeln: Schlepper-Kapitän auf Zypern festgesetzt

Unter Identitären Segeln: Schlepper-Kapitän auf Zypern festgesetzt
Mitglieder der NGO Save the Children bringen einen Mittelmeer-Flüchtling an Bord ihres Schiffes.
Leinen los, hieß es für die Identitären. Ziel der Aktion war es, Flüchtlinge an der Überfahrt von Libyen nach Europa zu hindern. Doch die Mission lief aus dem Ruder. Teile der Crew wurden auf Zypern festgesetzt. Eine verworrene Räuberpistole, in der ein dubioser Kapitän, bewaffnete Ukrainer und eine mutmaßliche Verschwörung eine maßgebliche Rolle spielen.

Der Aktion gebührend war das Schiff von der Gruppierung Defend Europe gechartert worden. Doch wen die Europa-Verteidiger für diese Mission ausgewählt haben und inwieweit die Überfahrt auch kriminelle Aspekte beinhaltet hat, wird nun vor Gericht geklärt werden müssen.

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Die Gewässer des nordafrikanischen Libyens sollten die Identitären zumindest nicht erreichen. Der Besitzer der C-Star und einige der Crew-Mitglieder wurden aufgrund bis dato nicht vollständig aufgeklärter Umstände im nordzypriotischen Hafen Famagusta von türkischen Behörden festgesetzt. Demnach haben es die Identitären mit den Identitäten und den Motiven ihrer Crew nicht allzu genau genommen.

Dem Schiffsbesitzer, Kapitän Sven Erik Tomas Egerstrom, und seinem Stellvertreter werden Schlepperei vorgeworfen. Gemeinsam wurden sie demnach am Flughafen Nikosia festgenommen. Doch damit nicht genug. Einige Crew-Mitglieder setzten sich anschließend ab und beantragten politisches Asyl. Wie sich nun ebenfalls herausstellte, erhielten sie als Crew-Mitglieder keine Heuer, sondern mussten für das Betreten der Schiffsplanken, selbst in die Tasche greifen.

Eigentliches Ziel der völkisch-nationalen Leichtmatrosen war es, mindestens ein halbes Jahr lang auf hoher See zu verbringen. Der Heimathafen sollte dabei die italienische Stadt Catania sein. Wie die türkische Organisation Ankara Degille Lefkosa zu berichten weiß, habe der vermeintliche Schlepper-Kapitän Egerstrom falsche Angaben über das Schiff und dessen Besatzung gemacht.

Die Aktion der aus verschiedenen Ländern Europas stammenden "Defend Europe"-Mitglieder wollte auf die gleichen Mittel setzen, wie die von ihnen kritisierten NGOs. Diese spüren in Seenot geratene Flüchtlingsboote auf, retten die Insassen und überführen sie nach Italien. Der Vorwurf lautet dabei, dass die NGO-Mitarbeiter den professionellen Schleppern das schmutzige Handwerk erleichtern.

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Nach Zahlen des UNO-Flüchlingshilfswerks wagten allein im laufenden Jahr mehr als 90.000 Menschen die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. 2.000 von ihnen kamen dabei bereits ums Leben. Die Mittel für ihre gewagte Überfahrt hatten die Identitären durch Crowdfunding auf Seiten wie WeSearch eingesammelt. Dabei sollen rund 76.000 Euro zusammengekommen sein. Kein besonders üppiger Betrag für die geplante Aktion, samt Anmietung der 40 Meter langen C-Star mit Platz für 100 bis 200 Personen und daher vielleicht mit ein Grund für die Anheuerung der mutmaßlich dubiosen Besatzung.

Diese kam mutmaßlich aus Sri Lanka, andere Quellen berichten von Tamilen. Nach aktuellen Informationen waren die Matrosen offensichtlich eher daran interessiert, nach Europa zu gelangen, als die Identitären dabei zu unterstützen, andere Flüchtlinge genau daran zu hindern. Ihr mutmaßlicher Schlepper wäre demnach offensichtlich Kapitän Egerstrom selbst gewesen.

Die Identitären wollten mit ihrer Aktion den genannten NGOs den Wind aus den Segeln nehmen und sie mit ihren eigenen Methoden ausmanövrieren. Dieses Vorhaben ist gescheitert, doch Defend Europe wittert eine Verschwörung. Bei dem zusammengewürfelten Matrosen-Haufen der C-Star habe es sich demnach um 20 angehende Seemänner gehandelt, die die Schifffahrt aus Trainingsgründen absolvierten.

„Aufgrund von Intrigen der NGOs“ wäre es für die Matrosen jedoch nicht möglich gewesen, das Schiff wie geplant, bereits in Ägypten zu verlassen und wieder in ihre Heimatländer zurück zu kehren. Daher hätten die Mitglieder der Crew erst in Zypern von Board gehen können. Dabei seien sie wiederum von „organisierten Kommandos der NGOs empfangen worden“, hieß es zumindest auf der Twitterseite der „Defend Europe“-Aktivisten. Anschließend habe man sie dazu gedrängt, Asyl in der Türkei zu beantragen.

Als Gegenleistung wurden ihnen Geld, Essen und Unterkünfte in Aussicht gestellt“, so Defend Europe weiter.

Doch damit nicht genug. Nach Angaben der Identitären hätten 15 Mitglieder der Crew das unmoralische NGO-Angebot ausgeschlagen, fünf nahmen es demzufolge an. Diese hätten erst dann „urplötzlich Anschuldigungen gegen den Kapitän und die restliche Mannschaft“ erhoben.

Die Frage, ob es sich bei den Erklärungen der Aktivisten um reines Seemannsgarn handelt, lässt sich bisher nicht abschließend beantworten. Zumindest Kapitän Engström scheint zumindest kein unbeschriebenes Logbuch zu sein. So erklärte die britische Organisation Hope not Hate bereits vor einigen Tagen, sie habe aufgedeckt, dass der mutmaßliche Schlepper-Kapitän eine kriminelle Biografie habe.

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Weiter hieß es, man verfüge über Beweise, die darauf hindeuten würden, dass „bewaffnete Wachen“ für die Sicherheit auf der C-Star sorgen sollten. Die Organisation verweist darauf, dass Identitäre gegenüber deutschen Medien erwähnten, dass man gedenke, Sicherheitspersonal an Board zu nehmen, um notfalls Schlepper abwehren zu können. Eine Ironie des Schicksals, dass nun ausgerechnet „Defend Europe“ selbst als Steigbügelhalter von Schlepperaktivitäten am Pranger steht.

Lorenzo Fiato von „Defend Europe“ in Italien wiederum erklärte, dass die Besatzung der C-Star aus Ukrainern bestehen würde. Dies ist insofern interessant, als das Kapitän Egerstrom für sein Interesse an Sicherheitsdiensten, die ihren Service auf hoher See anbieten und dabei gern auf ukrainisches Personal zurückgreifen, bekannt ist. Egerstrom habe demnach bereits vor geraumer Zeit eingeräumt, dass er für die Zusammensetzung der C-Star-Crew verantwortlich zeichnete.

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Was auch immer die Ermittlungen ergeben werden, auf die Zustimmung des Bürgermeisters des erhofften Heimathafens im italienischen Catania können die Identitären unter keinen Umständen hoffen. Dieser hatte nach Bekanntwerden der geplanten Aktion eine Protestnote verfasst, worin er die italienischen Behörden darum bat, den Verteidigern Europas die Einfahrt in den Hafen des Städtchens zu untersagen:

Diese ‚Mission‘ scheint den einzigen Zweck zu haben, Konflikte anzustacheln", erklärte Bürgermeister Enzo Bianco.

Dass sich die Identitären die Verteidigung Europas auf die Fahnen geschrieben hätten, sei „demagogisch“. Es ist nicht der erste Rückschlag für die Identitären. Die C-Star war zunächst am Suezkanal von ägyptischen Behörden aufgehalten worden. Erst am Montag durfte sie ihre Reise ins Mittelmeer fortsetzen.

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