Großbritannien: Limonade verkauft: Fünfjährige soll umgerechnet 170 Euro Strafe zahlen

Großbritannien: Limonade verkauft: Fünfjährige soll umgerechnet 170 Euro Strafe zahlen
Achtung, Gesetzesbruch. Junge Saft-Verkäufer zahlen häufig weder Steuern, noch beachten sie Hygiene-Richtlinien und das kann teuer werden (Symbolbild)
Nicht lange nachdem eine Fünfjährige sich kurzerhand einen kleinen Traum erfüllt und nahe ihres Wohnhauses in London einen Verkaufsstand eröffnet hatte, um selbstgemachte Limonade zu verkaufen, erhielt sie eine Geldbuße in Höhe von umgerechnet 170 Euro. Ihr Vater nahm dies zum Anlass für gesellschaftliche Fragen.

Eine spontane und doch kurze Gründungsinitiative in der Innovationsstadt London endete jüngst in Tränen, medialer Anteilnahme und der Frage, wie Gesetzeshüter ihre Arbeit menschlich, aber korrekt ausführen sollten.

Ein schöner Samstagnachmittag, als zahlreiche Menschen zu einem Musikfestival im nahe gelegenen Park in den Straßen des östlichen Londoner Stadtteils Mile End unterwegs waren, erschien einem fünfjährigen Mädchen geeignet, um endlich einen eigenen Verkaufsstand einzurichten. Bei einem Sommerfest in der Schule hatte sie zuvor sehnsüchtig Standverkäufe beobachtet und wollte selbst auch einmal an einem solchen verkaufen.

Ursprünglich sollte ihre Verkaufsidee Essen und Spielzeug an die Londoner bringen, so ihr Vater, Andre Spicer, der die Situation in der britischen Zeitung The Telegraph beschrieb. Die Idee mit dem Saft teilte sie ihm später mit. Er sei dankbar gewesen, während der Sommerzeit eine originelle Beschäftigung seiner Tochter unterstützen zu können. Gemessen an der Anzahl der Youtube-Videos, welche Anleitungen zum Bau eines solchen Standes geben, scheint dies ein recht weit verbreiteter Kinderwunsch zu sein, den Eltern gern erfüllen.

So half er ihr am auserwählten Samstag, den Saft zu machen, das Mädchen bemalte das Schild, und der Vater schrieb die Preise darauf. Dann stellten sie einen Tisch auf der Straße auf und direkt kamen auch schon viele, zufriedene „Kunden“, erinnert sich Spicer.

Die Leute waren hocherfreut über dieses süße Mädchen”, beschreibt er im Interview mit dem New Statesman.

Bis nach knapp dreißig Minuten vier Ordnungskräfte herankamen, einer davon schaltete demnach direkt die Kamera an seiner Weste ein und begann, der weinenden Fünfjährigen eine rechtliche Lektion vorzulesen.

Du handelst ohne Lizenz, nach dieser und jener Verordnung ... Dies ist meine Aufgabe, ich führe sie aus und das war‘s im Grunde", so Spicer, Professor an der Cass Business School der City University London, der das Verhalten als herzlos beschrieb.

Spicer zeigte sich schockiert, war doch der Unterschied zwischen seiner Tochter und einem Schwarzhändler jedem sofort klar.

Vater hinterfragt Umgang der Gesellschaft mit Kindern

Er erkannte, dass hier weitere Fragen aufkamen, auch solche, wie eine Gesellschaft mit Kindern umgeht. Somit leitete er einen Tweet an den zuständigen Tower Hamlets Council. Die Geldstrafe wurde daraufhin fallen gelassen und eine Entschuldigung ausgestellt, nachdem der Artikel Spicers im Telegraph erschienen war.

Doch der Akademiker, der unter anderem für den Guardian geschrieben hatte, meinte, es sei eine Sache für jemanden in einer privilegierten Position wie seiner, zurück zu kämpfen - und ganz anders für jemanden ohne eine solche Plattform.

Wenn es andere Leute gibt, die in ähnlicher Weise bestraft werden, dann ist das irgendwie besorgniserregend. Dies vernichte die Möglichkeiten, für Kinder zu lernen", sagte er. 

Ein Sprecher des Tower Hamlets Council entschuldigte sich. "Es tut uns sehr leid, dass dies geschehen ist. Wir erwarten, dass unsere Ordnungskräfte gesunden Menschenverstand zeigen und ihre Kräfte vernünftig nutzen. Das ist eindeutig nicht der Fall gewesen.

Die Geldstrafe wird sofort gestrichen. Wir haben Professor Spicer und seine Tochter kontaktiert, um uns zu entschuldigen."

Duncan Hothersall, der daraufhin im New Statesman einen Artikel mit der Überschrift "Nennt mich ein Monster, aber ich bin froh, dass der Stand des Mädchens geschlossen wurde" verfasste, verteidigte das Verhalten der Ordnungskräfte. Schließlich sei es deren Aufgabe, Gesetze und Regeln zu verteidigen und damit zum Beispiel die zahlreichen Fälle von Lebensmittelvergiftung zu verringern. Manche Leser stimmten ihm zu, viele widersprachen und sahen die Strafe als unangemessen an.

Gerade im Hinblick auf die bakterielle Gefahr sei der Zitronensaft, im Vergleich zu kommerzielleren Anbietern, kaum zu beanstanden, bemerkte jemand per Twitter.

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