Terrorfinanzierung: Labour und 9/11-Überlebende fordern Herausgabe von Saudi-Bericht

Terrorfinanzierung: Labour und 9/11-Überlebende fordern Herausgabe von Saudi-Bericht
Die Twin Towers des New Yorker World Trade Centers während der Anschläge am 11. September 2011
Die britische Labour Party hat sich den Forderungen von Überlebenden der Anschläge vom 11. September 2001, auch bekannt als 9/11, angeschlossen. Gemeinsam fordern sie nun von Premierministerin May, den Bericht über die Finanzierung des religiös motivierten Extremismus durch Saudi-Arabien in Großbritannien zu veröffentlichen.

Demnach warf die britische Labour Party ihr gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale, um die britische Premierministerin Theresa May zur Veröffentlichung des entsprechenden Berichts zu veranlassen. Der Bericht behandelt die Ausmaße der finanziellen Unterstützung in Großbritannien aktiver Islamisten durch Saudi-Arabien.

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Der Report war seinerseits vom ehemaligen britischen Premierminister David Cameron in Auftrag gegeben worden. Hintergrund war sein Wunsch, im Gegenzug die Zustimmung des britischen Parlaments für Luftangriffe auf syrisches Territorium zu erhalten. Vergangene Woche erklärte nun die britische Innenministerin Amber Rudd, dass der Bericht aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ nicht veröffentlicht werde.

Daraufhin wandte sich eine Gruppe von Überlebenden und Angehörigen der Angriffe in New York und Washington vom 11. September 2001 an die britische Premierministerin Theresa May, um sie dazu aufzufordern, die Dokumente freizugeben. In dem Schreiben der Betroffenen heißt es:

Großbritannien hat nun die einmalige Chance, durch die Veröffentlichung des Regierungsberichts über die Terrorismus-Finanzierung in Großbritannien, das sinnlose Töten des durch den Wahhabismus inspirierten Terrorismus zu beenden, bei dem, laut Medienberichten Saudi-Arabien eine zentrale Rolle spielt“, heißt es in dem vom 15 Opfern der Anschläge unterzeichneten Schreiben.

Die Hinterbliebenen forderten dem religiösen Fanatismus ein Ende zu setzen und appellierten an Premierministerin May:

Je länger Saudi-Arabiens Komplizenschaft im Dunkeln liegt, desto länger wird es weiterhin Terrorismus geben. Sie müssen aufgehalten werden. Doch wer wird sie stoppen? Wir möchten zu bedenken geben, dass Sie sich in der einmaligen Situation befinden, dem öffentlichen Bewusstsein Klarheit zu verschaffen.

Als das erste Flugzeug das World Trade Center traf, befand sich eine Co-Autorin des Schreibens, Sharon Premoli, im achtzigsten Stock des Gebäudes. Neben Theresa May, schickte Premoli das eindringliche Schreiben auch den Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn und Diane Abbott, Innenministerin im Schattenkabinett. Sowohl Abbott als auch Labour übten nun den Schulterschluss mit den aufbegehrenden Angehörigen:

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Die Öffentlichkeit hat das Recht zu erfahren, wie Extremismus in Großbritannien finanziert wird. Letzte Woche veröffentlichte die Regierung eher eine Zusammenfassung als einen vollständigen Bericht zum Thema. Diese Entscheidung erweckte den schwerwiegenden Verdacht, dass die Veröffentlichung des Berichts unterdrückt wird, um Handelsbeziehungen mit möglichen Finanzierungsquellen, darunter Saudi-Arabien, zu schützen.

Diane Abbott fährt fort und solidarisiert sich mit den Opfern der Anschläge des Jahres 2001:

Labour hat durchgehend Theresa May aufgefordert, den Bericht in vollem Umfang zu veröffentlichen. Daher schließen wir uns der Forderung der 9/11-Überlebenden an.

Das wahhabitische Königreich Saudi-Arabien weist jegliche Verwicklung in die verheerendsten Anschläge in der Geschichte der Vereinigten Staaten von sich. Dies obwohl nachweislich unter anderem fünfzehn der neunzehn Flugzeugentführer Saudis waren. Nach Ansicht der Überlebenden Premoli haben die USA und Großbritannien das saudische Königshaus nicht nur unterstützt, sondern bei der Verbreitung des Extremismus ermutigt – solange es den eigenen wirtschaftlichen oder strategischen Interessen diente.

Premoli beklagt ebenso, dass die Vereinigten Staaten und die Briten die Regierung in Riad mit Waffen versorgten, obwohl diese bei Operationen gegen Rebellen im Jemen eingesetzt würden, wobei tausende Zivilisten ihr Leben ließen.

Die Forderung der Opfer und Hinterbliebenen der New Yorker und Washingtoner Anschläge, den Bericht nach Fertigstellung nun auch zu veröffentlichen, erhielt unterdessen auch Rückendeckung durch die Vorsitzende der britischen Grünen, Caroline Lucas:

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Ich unterstütze voll und ganz die Forderung der 9/11-Überlebenden den Bericht zu veröffentlichen. Die Weigerung der Regierung den Bericht zu veröffentlichen und ihr jüngstes vages Statement, sind vollkommen inakzeptabel, sagte Lucas.

Die Grünen-Vorsitzende ergänzte, sie hoffe, dass Premierministerin May die Forderung beherzige:

Die Regierung akzeptiert, dass ausländische Förderung einen beachtlichen Bestandteil der Finanzierungsquellen extremistischer Gruppen in Großbritannien ausmachen, aber sie weigern sich in der Öffentlichkeit zu sagen, wo das Geld herkommt. Diese Gruppe von Überlebenden der Anschläge vom 11. September liegt richtig damit, Antworten zu verlangen und ich hoffe, Theresa May wird das beherzigen.