Treffen zwischen Gabriel und Lawrow besiegelt die Investition in eine gemeinsame Zukunft

Treffen zwischen Gabriel und Lawrow besiegelt die Investition in eine gemeinsame Zukunft
Die beiden Außenminister Russlands und Deutschlands bei einem Treffen in Moskau, Russland, 9. März 2017.
Bereits zum dritten Mal während seiner erst fünfmonatigen Amtszeit flog der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel nach Russland. Vor seiner Abreise erklärte der Minister dazu, dass es darum ginge, auch in schwierigen Zeiten im Gespräch zu bleiben.

Das Treffen zwischen Gabriel und seinem russischen Amtskollegen findet in Krasnodar statt. Dort wird es darum gehen, die Zusammenarbeit der beiden Länder auf kommunaler Ebene zu stärken - um später vielleicht auch bei den großen bilateralen und internationalen Themen wieder zusammenzufinden.

Trotz aller Differenzen dürfe man nicht vergessen, wie eng und vielfältig die Beziehungen zwischen Russen und Deutschen nach dem Ende des Kalten Krieges geworden seien, betonte Gabriel. Die Partnerschaften zwischen den Städten und Regionen beider Länder würden ganz wesentlich dazu beitragen. 

Neue Gespräche im Normandie-Format angestrebt

Als Gesprächsthemen mit Lawrow nannte Gabriel den Syrien-Krieg, die Krisen in Libyen und Afghanistan sowie den Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und Regierungstruppen in der Ost-Ukraine.

Sergej Lawrow

Deutschland vermittelt zusammen mit Frankreich zwischen Russland und der Ukraine. Derzeit wird nach einem Termin für ein baldiges weiteres Spitzengespräch in diesem so genannten Normandie-Format gesucht. Gabriel hatte Lawrow im März in Moskau besucht und war erst vor drei Wochen bei einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Bei beiden Besuchen hatte er auch Präsident Wladimir Putin getroffen. Bei den Verbündeten in Washington und Paris war Gabriel seit seinem Amtsantritt Ende Januar erst jeweils zwei Mal.

Dem Treffen ging eine Ankündigung Sigmar Gabriels durch das Auswärtige Amt voraus, die mit dem Appell überschrieben war: 

Auch in schwierigen Zeiten im Gespräch bleiben! Nur so kann man Probleme friedlich lösen.

In der Pressekonferenz sprach Lawrow von schweren Zeiten, die ein beiderseitiges Verständnis erfordern. Eine Abkehr des wechselseitigen Interesses könne zu Schäden führen. Lawrow lobte die konstruktiven Verbindungen zwischen Putin und Kanzlerin Angela Merkel. Er hoffe weiterhin darauf, dass die deutsche Wirtschaft ihre Verbindungen mit Russland verbessert. Das St. Petersburger Wirtschaftsforum habe diese Tendenz jedenfalls bestätigt. 

Lawrow erinnert an Vermächtnis Helmut Kohls

Es gibt, so der Minister weiter, mehr Investitionen und eine strategische Gruppe wird im kommenden Monat zur Erörterung gemeinsamer ökonomischer Ziele zusammenkommen. Auch der historische, humanitäre und kulturelle Austausch findet statt. 

Es gab ein Jahr des Jugendaustauschs in Russland, welches am 13. Juli in Berlin abgeschlossen wird:

Wir müssen zurückkehren zur strategischen Partnerschaft, welche den Interessen Deutschlands, Russland und ganz Europas dient. 

Lawrow erinnerte auch an Helmut Kohl, der bessere Beziehungen zu Russland schuf und sehr verantwortungsvoll handelte. 

Auch Sigmar Gabriels Ton entsprach jenem Lawrows. Er sprach von guten Traditionen durch Städtepartnerschaften, auch in Anbetracht der nunmehr bereits 14. Städtepartnerschaftskonferenz. Gerade werde auch das "Russische Jahr" eingeleitet. Gabriel nannte zwei Gründe dafür, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Russen "breit und belastbar" sind.

Gabriel plädiert für "Völkerverständigung von unten"

Als Deutscher fallen ihm in Krasnodar die wirtschaftliche Dynamik auf und die berühmten Persönlichkeiten, welche die Stadt hervorgebracht hat. Aber ebenso die

ganz dunklen und schlimmen Kapitel der gemeinsamen Geschichte. Die Deutsche Wehrmacht verübte hier grausamste Verbrechen. Ich erwähne das, weil ich manchmal denke, bei allen politischen Differenzen, die wir haben [...], ist es ein Wunder, dass die Russen immer wieder auf uns zugegangen sind. [...] Ich glaube, dass das etwas Besonderes ist.

Im Grunde sei dies ein riesiger Vertrauensbeweis, der gerade trotz der belasteten Beziehungen wie ein "Schatz" sei, der "uns von denjenigen überbracht wurde, die den Krieg noch erlebten". 

Als zweiten Grund seiner Zuversicht nannte Gabriel die engen und festen Bande zwischen seiner Heimat und Russland. Und diese gäbe es trotz der Konflikte in der Ukraine und Syrien. 

Gabriel lobte das, was er als "Völkerverständigung von unten" bezeichnete. 

Je schwieriger es ist, auf der politischen Ebene zusammenzukommen, umso wichtiger sind kommunale Beziehungen. Nur durch Dialog kann auch Vertrauen wieder wachsen. Diese Konferenz ermöglicht es, den Dialog durch Offenheit voranbringen zu können. 

Besonders am Herzen läge Gabriel der Jugendaustausch, denn dieser sei eine Zukunftsinvestition. Er erinnerte an persönliche Erfahrungen eines Besuchs in Russland als junger Mann, zu Zeiten des Kalten Krieges. Dieser habe sein Bild von Russland geprägt und tue dies bis heute. 

(rt deutsch/dpa)

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