Kiew zum Anschlag auf ukrainischen Geheimdienstoffizier: Der Schuldige steht schon fest

Kiew zum Anschlag auf ukrainischen Geheimdienstoffizier: Der Schuldige steht schon fest
Räumungsarbeiten in Kiew nach der Detonation einer Autobombe am 27. Juni, bei der Oberst Maxim Schapowal getötet wurde.
Der am Dienstagmorgen durch eine Autobombe getötete Oberst der ukrainischen Armee war Chef einer Aufklärungssondereinheit. Er leitete mehrere geheimdienstliche Operationen in Kampfgebieten der Ostukraine. Für Kiew der entscheidende Hinweis auf das Motiv.

Bei dem Todesopfer handelt es sich um Maksim Schapowal, einen ranghohen Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes. Laut dem am Tatort gefundenen Ausweis war er zum Zeitpunkt seines Todes Chef einer Sondereinheit der Hauptverwaltung für Aufklärung des ukrainischen Verteidigungsministeriums.

Das ukrainische Innenministerium hat den Vorfall bereits als Terroranschlag eingestuft. Der PKW ist infolge der Explosion eines unter dem Sitz gelegten Sprengsatzes stark beschädigt. Die Ermittler prüfen zunächst, welche Art von Sprengsatz der oder die Täter verwendet haben. Außerdem wollen sie mögliche Ähnlichkeiten in der Ausführung zu anderen Anschlägen prüfen, die sich in Kiew während der vorangegangenen Jahre ereignet hatten.  

Zwei Fotos des militärischen Geheimdienstoffiziers verbreiten sich im Netz: 

Direkt nach dem Anschlag meldeten sich gleich mehrere ranghohe Berater des Innenministers zu Wort, so etwa der Abgeordnete Anton Geraschtschenko. Dieser habe keinen Zweifel, dass das Attentat ein Werk der russischen Geheimdienste sei. Er nannte diesen Anschlag in seinem Facebook-Eintrag in einem Atemzug mit der Cyberattacke durch das Virus Petya auf ukrainische Einrichtungen, das offizielle Stellen Kiews ebenso bereits zum jetzigen Zeitpunkt Russland zugeschrieben haben.

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Rache für Anschläge auf Donbass-Kommandanten?

Heute meldeten Medien, dass das Erpressungsvirus, das am Dienstag um die Welt ging, mit einer älteren Software des US-Abhördienstes NSA zu tun hat. Verbreitet hat diese jedoch eine ukrainische Firma. Im Falle der Autoexplosion dürfte allerdings die obligatorische Russland-Beschuldigung länger anhalten. Der ukrainische Militärstaatsanwalt Anatolij Matios erklärte offiziell, dass das Hauptaugenmerk bei der Untersuchung des Mordes an Maksim Schapowal einer "russischen Spur" gelte:

Langjährige Profis haben diesen Anschlag ausgeführt, der Sprengsatz wurde um 8:14 Uhr zur Explosion gebracht. Das Hauptaugenmerk gilt der russischen Spur.

Er nannte den Gestorbenen einen "einzigartigen Menschen" und unterstrich, dass Schapowal die erste Sonderoperation im Donezker Flughafen 2014 geleitet habe. Damit sei er der erste "Cyborg" gewesen - so verehren ukrainische Regierungsanhänger und Nationalisten die Soldaten, die auf der ukrainischen Seite im Flughafen gekämpft haben.

Auf diese Weise wies der Militärstaatsanwalt auf ein mögliches Vergeltungsmotiv der Aufständischen in der Ostukraine hin, deren namhafteste Kommandeure wie Michail "Giwi" Tolstych oder Arsen "Motorola" Pawlow ihrerseits Anschlägen zum Opfer gefallen waren. Die Aufständischen machen dafür den ukrainischen Geheimdienst verantwortlich.

Die Vertreter der nicht anerkannten Volksrepubliken in der Ostukraine wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. Bezüglich des Verbrechens gehen sie von einem "kommerziellen Motiv" aus.

Der Militärsprecher der Volksrepublik Donezk, Eduard Basurin, sagte im Interview dem Portal ukraina.ru, der Mord habe mit Korruption zu tun. Es gehe um die Kontrolle über die Finanzströme in der Kriegswirtschaft.

Diejenigen, die auf dem Budget 'sitzen', glaubten, dass sie nun über Generationen hinweg im Voraus versorgt werden. Damit ist der Mord an Schapowal irgendeine innenukrainische Auseinandersetzung. Das geht es um Geld, Geheimdienste haben damit nicht zu tun", sagte er.

Verbrechen dieser Art bleiben meist unaufgeklärt

Auch Iwan Pridhoko, der Bürgermeister der Stadt Gorlowka, die seit Beginn des Krieges über 200 zivile Opfer, darunter 17 Kinder, beklagt, bezweifelte in einem Kommentar im russischen Fernsehen Anschuldigungen, jemand in den Volksrepubliken würde auf solche Terrormethoden zurückgreifen. Aufständische hätten diese bis dato noch nie praktiziert. Das Verbrechen stehe vielmehr in bester Tradition der 1990er Jahre, als in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion Gangster-Kriege ausbrachen, sagte er. 

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Der Politologe Dmitri Kulikow wies darauf hin, dass Morde dieser Art in der Ukraine selten aufgeklärt werden. Stattdessen werde aber bereits in den ersten Stunden Russland der Urheberschaft beschuldigt. So habe man Russland auch für den Tod des flüchtigen Duma-Abgeordneten Denis Woronenkow verantwortlich gemacht. Getötet hat diesen aber ein ukrainischer Nationalist, der auch im Donbass gekämpft hat.

Es wird keine Beweise geben. Russland wird einfach wieder allen Unheils in der Ukraine beschuldigt, um die Kriegshysterie wieder hochkochen zu lassen", sagte er in Nachrichtenagentur Sputnik.

Die ukrainische Agentur UNN meldete gestern, dass die Einheit, die Schapowal leitete, mit der Sicherheit von Denis Woronenkow betraut war. Woronenkow wurde am 23. März in Kiew auf offener Straße erschossen. Auch der mutmaßliche Killer starb in einer Schießerei mit dem Leibwächter. 

Der unmittelbare Untergebene von Maksim Schapowal war für den Schutz des ehemaligen Abgeordneten zuständig", schreibt das Portal.

Der Informant im Verteidigungsministerium, der UNN dies mitgeteilt hat, sah allerdings zwischen den beiden Morden keinen Zusammenhang.

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