Veraltete Atomreaktoren: 50.000 Menschen demonstrieren gegen tickende Zeitbomben

Veraltete Atomreaktoren: 50.000 Menschen demonstrieren gegen tickende Zeitbomben
Die Protestierenden verlangten die Schließung der zwei Reaktoren. 25 Juni.
Tausende Menschen haben am Wochenende gegen zwei veraltete Atomreaktore demonstriert. Experten hatten zahlreiche Risse an den Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 gefunden. Die belgische Regierung will beschwichtigen.

Tausende Atomkraftgegner bildeten am Sonntag eine 90 Kilometer lange menschliche Kette um das Dreiländereck bei Aachen, wo Deutschland, Belgien und die Niederlande aneinander grenzen. Sie forderten von der belgischen Regierung, die Atomkraftwerke in Tihange und Doel zu schließen. Den Veranstaltern zufolge nahmen 50.000 Menschen aus den umliegenden Staaten an dem symbolischen Akt teil. 

Ausgangspunkt der menschlichen Kette war der belgische Atommeiler Tihange, der in der Gemeinde Huy im Süden der wallonischen Provinz Lüttich liegt. Anschließend formierte sich die Kette über Maastricht in den Niederlanden bis Aachen. 

Die Demonstranten äußerten ihr Befürchten, dass die Sicherheitsvorkehrungen der Druckbehälter der Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 ungenügend sind. 

Unsere erste Forderung ist, Tihange 2 zu schließen, weil es in diesem Atomkraftwerk viele, viele Risse gibt und es nicht sicher ist", sagte Rodrique Dumas, Gemeinderatsmitglied der Grünen Partei in Huy, gegenüber Ruptly. 

Die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 gingen in den Jahren 1982 und 1983 ans Netz. 

Sie wurden nicht gebaut, um so lange betrieben zu werden", erklärte ein weiterer Kommunalpolitiker in Huy, Samuel Cogolati. "Wir verlängern ihre Betriebszeit und das ist außerordentlich ungewöhnlich. Es gibt tatsächlich nur neun Atomreaktoren in der Welt, die so lange betrieben worden sind", fügte er hinzu.

Mitte Juni bestätigte der belgische Innenminister Jan Jambon, dass seit einer Inspektion im Jahr 2015 etwa 70 neue Mikrorisse am Hochdruckkessel des Reaktors Tihange 2 festgestellt wurden. Insgesamt gebe es 3.149 Gefahrenstellen. Auch sollen Berichten zufolge neue Risse am Reaktor Doel 3 gefunden worden sein, aber die Behörden bestehen darauf, dass beide Atomkraftwerke vollkommen sicher seien.

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Belgien hatte die Betriebsdauer seiner veralteten Atomkraftwerke verlängert, da die sieben Reaktoren knapp 40 Prozent des belgischen Elektrizitätsbedarfs decken. Tihange 2 und Doel 3 erzeugen zusammen über sechs Prozent des Stroms im kleinen Land. 

Letztes Jahr hatte Berlin die belgische Regierung aufgefordert, die zwei Reaktoren vom Netz zu nehmen, "bis offene Sicherheitsfragen geklärt werden". Die Bundesregierung hatte nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima beschlossen, bis zum Jahr 2022 alle Atomkraftwerke abzuschalten.