"Glyphosat-Minister": Landwirtschaftsminister Schmidt für Genehmigung des Herbizids

"Glyphosat-Minister": Landwirtschaftsminister Schmidt für Genehmigung des Herbizids
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt möchte die Genehmigung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat verlängern lassen.
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt drängt die EU-Kommission zur Verlängerung der Genehmigung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat. Die Weltgesundheitsorganisation stuft das Mittel als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt setzt sich für eine Verlängerung des umstrittenen Glyphosat ein. Es sei vertretbar, das Pflanzenschutzmittel anzuwenden, sagte der CSU-Politiker der Neuen Osnabrücker Zeitung:

Das sagen alle wissenschaftlichen Untersuchungen der zuständigen deutschen und europäischen Behörden und das sollte Maßgabe für die Entscheidung sein.

Für ihn bestehe daher keine rechtliche Grundlage dafür, das hochumstrittene Herbizid nicht zu genehmigen. Die Gesundheitsbedenken anderer Politiker sowie weiter Teile der europäischen Bevölkerung tat Schmidt als emotionale Stimmung ab. Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner von Bündnis 90/Die Grünen sagte dazu am Freitag:

Christian Schmidt will offenbar unbedingt als Glyphosat-Minister in die Geschichte eingehen, wenn er schon sonst nichts vorzuweisen hat am Ende seiner Amtszeit.

Ebner nannte es unverantwortlich, sich für die weitere Zulassung des „Ackergifts“ einzusetzen. Nach monatelangen Debatten hatte die EU-Kommission vor knapp einem Jahr mangels einer Mehrheit der Mitgliedstaaten für oder gegen Glyphosat die Zulassung vorerst um anderthalb Jahre verlängert. Zum Ende dieses Jahres läuft die Übergangslösung aus. Derzeit ist eine Verlängerung um zehn Jahre im Gespräch.

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Auch EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hatte sich im Juni für eine Verlängerung der Genehmigung ausgesprochen. Er behauptete, dass mehr als 20 Institute weltweit das Mittel als nicht krebserregend einstuften und sah darin eine Bestätigung durch eine "Konvergenz der wissenschaftlichen Meinungen", wie er vor dem Europaparlament in Straßburg sagte.

Die europäische Behörde Efsa hatte Glyphosat als unbedenklich eingeschätzt, basierend auf Forschungsergebnisse, welche sie jedoch nicht offenlegte. Dem gegenüber stehen mehrere unabhängige Untersuchungen der zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), welche Glyphosat im Jahr 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte.