Verlorenes Land: Kosovo als Europas Refugium für Gotteskrieger

Verlorenes Land: Kosovo als Europas Refugium für Gotteskrieger
Polizisten eskortieren einen Mann zum Gericht, der mit Islamisten in Syrien und im Irak gekämpft haben soll, Pristina, Kosovo, 12.August 2014.
Südosteuropa gilt als Rückzugsort für Dschihadisten. Insbesondere das Kosovo ist zu einem Refugium und Rekrutierungsort geworden. Die ökonomische Perspektivlosigkeit, unregistrierte Waffenbestände und Unterstützung aus Saudi-Arabien tragen massiv dazu bei.

Europol warnt vor Terrorschmieden auf dem Balkan. Einige Länder, allen voran das Kosovo, seien nicht nur ein Rückzugsort für radikal-islamische Terroristen, sondern auch eine Basis zur Rekrutierung neuer Kämpfer. Die ökonomisch schlechte Lage und Perspektivlosigkeit tragen in erheblichem Maße dazu bei. Das Kosovo trennte sich im Jahr 2008 von Serbien. 

Die Waffenbeschaffung auf den Schwarzmärkten ist hier günstig und einfach. Die Kosten für eine Kalaschnikow belaufen sich auf 300 bis 500 Euro. Auch die Attentäter von Paris vom 13. November 2015 nutzten Waffen, die sie auf dem Schwarzmarkt erworben hatten. Bei diesen koordinierten Attentaten an fünf Orten des 10. und 11. Arrondissements kamen 130 Menschen um, 97 wurden schwer verletzt. 

Kosovo droht Radikalisierung durch vorgezogene Parlamentswahl

Das Machtvakuum in Ländern wie dem Kosovo erleichtert es Dschihadisten, ihre Radikalität auszuleben und dabei aus dem Pool nichtregistrierter Waffen nach dem Jugoslawien-Krieg zu schöpfen. 

Die Bundesregierung hat in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen dargelegt, dass Saudi-Arabien und die Golfscheichtümer ihren Einfluss im Balkanland ausbauen wollen. Zu diesem Zweck würden sie radikale salafistische Bewegungen unterstützen. Auch Geld fließe von der arabischen Halbinsel in das Kosovo.

Saudi-arabische Missionswerke sind auch im Kosovo aktiv und verbreiten hier die von Saudi-Arabien vertretene wahhabitische Interpretation des Islam, etwa durch die Entsendung von Predigern",

zitiert die "Welt" aus dem Papier der Bundesregierung. Auch gebe es "ein kontinuierliches Engagement arabischer Geldgeber" – Einzelpersonen, Nichtregierungsorganisationen sowie staatlicher und halbstaatlicher Institutionen – in der Islamischen Gemeinde Kosovos.

Dschihad-Tourismus mit bis zu 15 Jahren Haft bedroht

Allein 300 ethnische Albaner aus der Kleinstadt Kacanik im Kosovo sollen sich auf den Weg zum Islamischen Staat in Syrien und dem Irak gemacht haben. Der Bekannteste unter ihnen Lavdrim Muhaxheri, der sich selbst als Kommandeur der albanischen Kämpfer des Islamischen Staates sah. Er kam Anfang Juni ums Leben. Genaue Umstände und der Ort seines Todes sind jedoch nicht bekannt. Berühmt wurde er durch ein Video, in welchem er einen Mann enthauptete. Seit 2014 stand Muhaxheri auf der US-amerikanischen Liste der meistgesuchten terroristischen Kämpfer. 

Rund 200 Menschen wurden im Kosovo bislang wegen des Verdachts auf Verbindungen zum Islamischen Staat überprüft oder verhaftet. Die Gerichte im Kosovo setzen seit dem Jahr 2015 ein neues Gesetz um, nach welchem Kampfeinsätze im Ausland mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden.

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