"Russische Bedrohung" - NATO führt Manöver in Polen und Litauen durch und fordert weitere Aufrüstung

"Russische Bedrohung" - NATO führt Manöver in Polen und Litauen durch und fordert weitere Aufrüstung
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg besuchte am Dienstag seine Truppen in Stasenai, Litauen, 20. Juni 2017.
Mit dem Manöver Saber Strike trainiert die NATO ihre frisch ins Baltikum verlegten Truppen gegen eine herbeihalluzinierte russische Bedrohung. Die litauische Präsidentin fordert weitere Schritte zur Aufrüstung und erhält Unterstützung durch das Pentagon.

Am Dienstag verlegte die NATO zwei weitere Kampfverbände nach Polen und Litauen. Nach Darstellung der Militär-Allianz will sie damit ihre Fähigkeit demonstrieren, lebenswichtige Versorgungslinien zwischen Polen und Litauen zu kontrollieren. Gemeinsam mit lokalen Militärs führte die NATO in den letzten Tagen eine Reihe von Übungen in den baltischen Staaten durch.

Die Übung unter dem Titel "Saber Strike 17" soll eine angeblich bestehende "Suwalki-Lücke" in der Grenzregion zwischen Polen und Litauen schließen. Die Militärplaner der NATO argumentieren, dass die Russische Föderation im Falle eines Konflikts mithilfe von Truppen aus Kaliningrad oder Weißrussland die baltischen Staaten vom übrigen NATO-Gebiet abschneiden könne.

Mehr lesen: "Saber Strike 2017": US-Armee erstürmt Küste in Lettland

Wir demonstrieren unsere Fähigkeit, unseren am stärksten gefährdeten Punkt zu sichern, die Suwalki-Lücke", erklärte etwa die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite.

Am Dienstag zog der US-geführte NATO-Kampfverband von Polen nach Litauen und traf dort auf die von Deutschland geführten Truppen sowie auf polnische, litauische und andere Verbündete.

Es ist das erste Mal, dass die NATO im Rahmen einer Übung einen Kampfverband von ihrer Basis in ein anderes Land verlegt. An der Übung beteiligen sich Panzer, Infanterie-Kampffahrzeuge und verschiedene Waffensysteme aus den USA. Im Rahmen der Übung überquerten die Militärs einen Fluss, auf dem deutsche und britische Militäringenieure einen improvisierten Übergang errichteten.

Außerdem setzten die Amerikaner Apache-Hubschrauber und einen B-1-Bomber ein. In diesem Jahr hat die NATO mindestens 4.500 Soldaten nach Polen und in die baltischen Staaten verlegt. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bezeichnete diese Aufrüstung als eine Reaktion darauf, dass Russland in der Region Militär stationiere.

Litauen will mehr Geld von den Verbündeten

"Diese NATO-Kampfverbände senden eine klare Botschaft: Ein Angriff auf einen Verbündeten ist ein Angriff auf alle", erklärte Stoltenberg anlässlich des Saber Strike-Manövers.

Mehr lesen: Gefakte Fake-News von Spiegel Online: "Perfide russische Fake-News-Attacke gegen Bundeswehr"

Die Suwalki-Lücke ist geografisch wichtig und sie hat eine strategische und operative Bedeutung", erläuterte Steven Gventer, der Kommandeur der US-geführten NATO-Verbände. "Unsere Fähigkeit, durch diese Lücke zu kommen, stärkt nicht nur unsere Abschreckungsfähigkeit, sondern zeigt auch, dass wir uns bei Bedarf verteidigen können."

Die litauische Präsidentin forderte bei dieser Gelegenheit weitere Schritte zur Aufrüstung. Der Westen müsse stärker in die Luft- und Raketenabwehr investieren, um die Versorgungslinien zwischen den baltischen Staaten und dem Rest der Allianz offen zu halten, so Grybauskaite.

Die USA diskutieren gegenwärtig einen "vorübergehenden Einsatz" von Patriot-Raketen. Das Pentagon hat die NATO-Verbündeten dazu aufgefordert, in stärker in Luftabwehrsysteme für die baltischen Länder zu investieren. "Die Luftverteidigung ist eine Angelegenheit, welche die Bemühungen von Russland durchbrechen kann, den Zugang zu den baltischen Staaten abzuriegeln", so Grybauskaite in einem Interview.