PayPal blockiert Spenden an identitäre Kampagne gegen NGO-Flüchtlingsboote im Mittelmeer

PayPal blockiert Spenden an identitäre Kampagne gegen NGO-Flüchtlingsboote im Mittelmeer
PayPal hat Überweisungen an eine Spendenaktion französischer Identitärer blockiert. Mit dem Spendenerlös wollten diese ein Boot chartern, um Flüchtlingsboote von NGOs im Mittelmeer zu blockieren. Dagegen hatte sich in sozialen Medien eine Kampagne gebildet.

Unsere Politik ist, zu verhindern, dass unsere Dienstleistungen von Unternehmen genutzt werden, deren Aktivitäten Hass, Gewalt oder rassistische Intoleranz fördern", erklärte PayPal und verwies auf die französische Internetseite Rue89.

Die US-Firma beschränkte sich auf diese kurze Aussage und erklärte, dass ihre Datenschutzerklärung es nicht erlaube, ein bestimmtes PayPal-Konto näher zu kommentieren.

Die französische Génération Identitaire, die von gleichgesinnten Gruppen aus ganz Europa unterstützt wird, hat Anfang Mai ihre Kampagne unter dem Motto "Defend Europe" ins Leben gerufen.

Die Gruppe sagte, es sei geplant, "ein Team von Profis" zu rekrutieren, ein Boot zu chartern und in das Mittelmeer zu fahren, um NGO-Schiffe zu behindern, die in der Gegend tätig sind und nach eigenen Angaben bereits hunderte Migranten aus sinkenden Schiffen gerettet haben.

NGOs bringen Flüchtlinge an die europäischen Küsten

Die Génération Identitaire, ein Jugend-Zweig der Bewegung Bloc Identitaire, gab an, dass man ebenfalls helfen würde, wenn man auf Migranten in Not treffe – jedoch nur, wenn die Menschen anschließend an die afrikanische Küste zurückgebracht würden. Die NGO-Boote bringen Flüchtlinge, die sie auf dem Mittelmeer antreffen, hingegen nach Europa.

Neben rechtsgerichteten Gruppen üben auch offizielle Stellen wie die europäische Grenzschutzagentur Frontex Kritik an den NGOs, die sich der Rettung von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer verschrieben haben. Die NGOs, so lautet der Vorwurf, würden durch ihre Präsenz immer mehr Migranten nach Europa locken, Schleusern das Geschäft erleichtern und damit in Summe das Risiko tödlicher Unfälle von Flüchtlingsbooten steigern.

PayPal war eines der Zahlungssysteme, mit deren Hilfe Interessierte die Kampagne "Defend Europe" finanziell unterstützen konnten.

Die Initiative hatte sich zu einem relativen Erfolg entwickelt, da die Identitären in wenigen Wochen ihr erstes Ziel von 50.000 Euro übertreffen und insgesamt rund 65.000 Euro einsammeln konnten.

Mehr zum Thema: Rechte Gruppierung sammelt erfolgreich Gelder zum Aufspüren von Flüchtlingsbooten

Allerdings waren Teile der französischen Öffentlichkeit über die Initiative empört und organisierten postwendend eine Online-Petition gegen "Defend Europe" und ähnliche Spendensammler.

Boykottaufrufe richteten sich am Ende auch gegen PayPal

Viel Ärger richtete sich dabei auch gegen PayPal. Aufrufe häuften sich, das System zu boykottieren, da dessen Verantwortliche nicht genug getan hätten, um die Nationalisten daran zu hindern, ihr Ziel zu erreichen. Auch der Hashtag #StopDefendEuropePayPal etablierte sich schnell.

Die Génération Identitaire bestätigte der Onlineplattform Rue89, dass das eigene PayPal-Konto blockiert wurde, erklärte aber, dass man immer noch in der Lage sei, auf einen Teil des Bargelds zuzugreifen. Die Kampagne "Defend Europe" wirbt unterdessen weiterhin um Spenden – per Kreditkarte.

Frankreich gilt als Ursprungsort der mittlerweile europaweit vertretenen, stark nationalistisch ausgerichteten Identitären Bewegung. Diese ist seit Anfang der 2010er Jahre auch in Deutschland präsent. Einige Verfassungsschutzbehörden erklären, "tatsächliche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen" in Teilen der Bewegung wahrgenommen zu haben.

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