Élysée-Palast schließt Video-Agentur Ruptly von Macron-May-Sitzung aus

Élysée-Palast schließt Video-Agentur Ruptly von Macron-May-Sitzung aus
Die Regierung Emmanuel Macron schloss am Dienstag einen Produzenten der zu RT gehörenden Video-Agentur Ruptly von einer Veranstaltung im Élysée-Palast aus. Der Groll, den Macron gegen russische Medien hegt, scheint auch über den Wahlkampf hinaus anzuhalten.

Ugo Passuello begab sich in die Residenz des französischen Präsidenten, um vom Treffen Macrons mit der britischen Premierministerin Theresa May zu berichten. Der Pressedienst des Präsidentenpalastes veröffentlichte vor der Konferenz eine Erklärung, in der es hieß, dass der Zugang nur denjenigen gewährt würde, die im Besitz eines französischen Presseausweises sind. Diesen hatte Passuello bei sich.

Doch als er diese bei den Scherheitskräften vorzeigte, schlossen diese ihn von der Teilnahme an der Veranstaltung aus - angeblich weil für ihn keine Akkreditierung vorlag.

Sie sahen das Wort "Ruptly" darauf. Einige Minuten später sagten sie mir, Ruptly sei im Élysée-Palast nicht mehr willkommen und baten mich, den Platz zu verlassen.

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Passuello betonte, die Sicherheitsleute des Palastes hätten seinen Namen nicht mit irgendeiner Liste abgeglichen. Stattdessen rief der Wächter jemanden am Telefon an und lehnte ihn daraufhin einfach ab.

Ich bin offiziell vom Außenministerium akkreditiert", sagte er. "Das ist rein politisch."

Was uns nicht gefällt, ist kein Journalismus

Ruptly forderte eine Klarstellung von der französischen Präsidentenverwaltung, erhielt diese jedoch nicht sofort.

Letztes Mal haben wir Macron gefragt, wie er mit ausländischen Medien arbeiten will. Voila!", kommentierte RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan.

Der französische Präsident brandmarkte erst kürzlich RT und die russische Nachrichtenagentur Sputnik als "betrügerische Propaganda" und erklärte zugleich, dass Menschen, die für sie arbeiten, keine "echten Journalisten" seien.

Ich hatte schon immer eine vorbildliche Beziehung zu ausländischen Journalisten, aber sie müssen echte Journalisten sein", sagte Macron der RT-France Chefin, Xenia Fedorova, während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Versailles. "Alle ausländischen Journalisten, darunter auch russische Journalisten, hatten Zugang zu meiner Kampagne."

Die abwertende Bemerkung folgte als Antwort auf Kommentare zum Ausschluss von RT und Sputnik von der Berichterstattung zu seiner Kampagne während des Wahlkampfs. RT-Journalisten wurden ohne Erklärung aus Macrons Hauptquartier verwiesen.

Fake-News-Vorwurf als Glaubensdogma

Im März beschuldigte Macrons Helfer Mounir Mahjoubi RT und Sputnik, die "erste Quelle falscher Informationen über unseren Kandidaten" zu sein. Vorwürfe falscher Berichterstattung erfolgten auch bereits im Februar vonseiten Richard Ferrand von Macrons Partei En Marche!.

Beispiele für diese angeblichen Fehlinformationen blieb das Macron-Lagers bis heute schuldig.

RT erklärte dazu, dass man diese unbegründeten Vorwürfe "unnachgiebig" zurückweise.

Es scheint, als wäre es akzeptabel geworden, solch schwerwiegende Vorwürfe gegen RT auszusprechen, ohne sie mit irgendwelchen Beweise zu belegen; genauso wie dieses "Fake-News"-Label auf jede Berichterstattung anzuwenden, die man schlicht als ungünstig empfinden könnte", antwortete das Pressebüro von RT auf Ferrands Bemerkungen.