Nukleare Kontrollbehörde der Ukraine: Rauch im Reaktorblock 3 von Tschernobyl entdeckt

Nukleare Kontrollbehörde der Ukraine: Rauch im Reaktorblock 3 von Tschernobyl entdeckt
Die ukrainische Regulierungsbehörde für den Kernkraftsektor hat von einer Rauchentwicklung am 13. Juni im Block 3 des Unglücks-Kernkraftwerks in Tschernobyl berichtet. Laut Angaben der Behörde konnte der Vorfall durch das Notfallpersonal jedoch schnell unter Kontrolle gebracht werden.

Um 15:57 Uhr erhielten wir Informationen aus Tschernobyl, dass Rauch aus Raum 509 im Block 3 des Kernkraftwerks entweicht. Um 16 Uhr war der Rauch durch das Notfallpersonal liquidiert worden. Die radiologische Situation im dritten Block und des umliegenden Terrains hat sich nicht geändert, so die Stellungnahme vom 13. Juni 2017 der Regulierungsbehörde.

Mehr Details stellten die Behörden am gestrigen Dienstag nicht zur Verfügung.

Block 3 ging 1981 ans Netz und blieb auch nach der Katastrophe von 1986 in Betrieb. Die Einheit war die letzte des Kernkraftwerks, die im Dezember 2000 abgeschaltet wurde.

Der Name Tschernobyl wurde durch den Super-GAU international bekannt. Am 26. April 1986 kam es dort zum größten Unfall mit Kernenergie auf europäischem Boden.

Erst eine Woche nach dem Reaktorunglück hatten sich in den westlichen Medien die Informationen über Austritt von Radioaktivität nach einer Havarie in einem sowjetischen Atomkraftwerk verdichtet.

Der Rest ist Gegenwartsgeschichte: In den Abendnachrichten erklärten Experten fortan täglich, wo sich gerade die radioaktive Wolke über Europa befinden würde. Spaziergänger nahmen verstärkte Taubildung auf den Wiesen wahr. Im Sommer soll es mehr Glühwürmchen als sonst gegeben haben. Zeitungen warnten zur Vorsicht beim Genuss von Pilzen und Milch. Kleinkinder sollten über mehrere Wochen hinweg nicht in den Sandkästen spielen.

Es war schon früher zu folgenschweren AKW-Unfällen gekommen, etwa in Sellafield und Three Mile Island. Es war aber erst Tschernobyl, welches wirklich das Bewusstsein dafür schuf, welche Auswirkungen eine umfassende Nuklearkatastrophe mit sich bringt.

Die Katastrophe von 1986 besaß alle Elemente eines äußerst tragischen Mythos: Ein vermeidbarer Explosionsunfall, eine verzögerte und panische Evakuierung, ahnungslose sich durch unsichtbare Ausstrahlung vergiftete Rettungshelfer, das verlassene Riesenrad von Prypjat und der Rumpf des immer noch aktiven Kraftwerks unter einem Sarkophag als Warnung und Mahnung.

Als die Katastrophe am 26. April 1986 ausbrach, kam die Ereigniskette einer echten Filmgeschichte gleich.

Gedenkzeremonie für die

Fahrlässigkeit und Mut

Die Gasexplosion um 1:23 Uhr war Ergebnis einer Folge von ungewöhnlichen, aber nicht unerklärlichen Ausfällen, die an andere technische Katastrophen in der Sowjetunion erinnern. Sie geschah infolge einer Kombination von dem unvollkommenen Reaktor vom Typ RBMK, der nirgendwo sonst genehmigt war, und einem verspäteten und nicht sanktionierten Sicherheitstest, der schief ging. Der Test wurde nicht unterbrochen, weil der Leiter seine Untergebenen anschrie, wonach das erschöpfte und gestresste Personal kaum in der Lage war, sekundenschnelle Entscheidungen zu treffen.

Die Details dieser Nacht sind teilweise unglaublich. Der stellvertretende Chefingenieur des Werks, Anatoli Djatlow, blieb im Kontrollraum und weigerte sich, an das Ausmaß des Unfalls sogar nach den Zeugenaussagen aus erster Hand zu glauben. Als 50 Tonnen Kernbrennstoff durch das zerstörte Dach austraten, schickte Schichtleiter Alexander Akimow zwei Mitarbeiter, um die Steuerstäbe manuell einzufahren. Sie kamen durch die weniger als eine Minute andauernde Bestrahlung um, die auf ihnen „Nuklearbräune“ hinterließ. Doch auch danach verließ niemand seinen Arbeitsbereich. Andere Reaktoren arbeiteten weiter, als ob nichts geschehen wäre. 

“Als ich an jenem Morgen zu meiner Schicht kam, war es sofort klar, dass eine Katastrophe passiert war“, erklärt der damals verantwortliche Ingenieur im verhängnisvollen Reaktorblock 4, Alexei Breus, gegenüber RT:

Ich kam zu meinem Arbeitsplatz, und man sagte mir, dass die Strahlung das normale Niveau um das 1000-fache übersteigt, dann sagte man aber, dass es an den Orten, durch die ich eben gegangen war, um 100 Mal schlimmer ist. Am Ende dieser Schicht fragte ich, was ich am nächsten Tag tun sollte, und man antwortete: 'Komm zur Arbeit wie gewöhnlich'. So waren die Dinge in der UdSSR“.

Pripjat bereitete sich auf das Volksfest zum 1. Mai vor, als die Explosion im Reaktor die Stadt dauerhaft aus ihrem Alltag riss.

Die Feuerwehr traf im Kraftwerk in wenigen Minuteneis, ohne spezielle Schutzausrüstung oder Kenntnis von der Gefahr, mit der sie zu tun hatten. Manche von ihnen nahmen den Graphitschutt in die Hand und scherzten ungeniert über Strahlungsdosen, als ob sie ihnen nicht ausgesetzt wären. Mehr als 30 Menschen starben innerhalb von Tagen, Wochen oder Monaten nach der Katastrophe durch tödliche Strahlungsdosen eines grausamen Todes.

Die menschlichen Kosten der Katastrophe lassen sich schwer abschätzen. Die Zahl der bestätigten Todesfälle stimmt mit der von den statistischen Hochrechnungen und komplexen Medizintheorien nicht überein. Laut UN-Angaben sind 4.000 Menschen wegen Tschernobyl  ums Leben gekommen, während Greenpeace Opferzahlen nennt, die um das 29-fache höher liegen. Die Anzahl der Menschen, die an zusätzlichen Krebserkrankungen oder Geburtsfehlern leiden, lässt sich aufgrund der ungleichmäßigen Strahlungsbelastung unmöglich genau berechnen, es können aber Hunderttausende sein.