IS-Attentäter von Paris hatte zuvor Journalistenpreis der EU-Kommission erhalten

IS-Attentäter von Paris hatte zuvor Journalistenpreis der EU-Kommission erhalten
Polizisten nach dem Angriff von Notre Dame, Paris, Frankreich, 6. Juni 2017.
Mit einem Hammer attackierte ein ehemals in Schweden preisgekrönter Journalist am vergangenen Dienstag einen Polizisten vor der Kathedrale Notre Dame. Während seines Angriffs rief er: "Das ist für Syrien!" Die schwedische Presse sucht nach Erklärungen.

Farid Ikken, 40 Jahre alt, mit einem Linkedin Account, einem abgeschlossenen Bachelor, Masterstudium in Schweden und einem anschließenden Doktorstudium in Frankreich lebte nicht am Rande der Gesellschaft als Verlierer. Die Europäische Kommission zeichnete ihn sogar für einen Bericht zum Thema "Asylsuchende" aus.

Schüsse am Notre-Dame de Paris - Polizei-Operation im Gang

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei ein Video, in dem er dem IS die Treue schwor. In der schwedischen Presse wird nun nach dem Bruch im Lebenslauf eines ungewöhnlichen Täterprofils gesucht.

Die Polizei schoss auf den Mann, der am vergangenen Dienstag einen 22 Jahre alten französischen Polizisten mit einem Hammer angriff. Rettungskräfte brachten den mutmaßlichen Attentäter anschließend in ein Krankenhaus, am nächsten Tag vernahm ihn die Polizei. Diese geht davon aus, dass der Mann allein handelte. 

Die schwedische Zeitung "Expressen" beschäftigte sich mit dem Werdegang eines Attentäters, der nicht ganz ins Profil der üblichen Verdächtigen fällt. Der Terrorist von Stockholm, ein abgelehnter Asylbewerber, der mit mehreren Identitäten untertauchte und einer Abschiebung entging, passte noch ins Bild eines gesellschaftlichen Verlierers, dessen Frustration ihn in die Radikalität trieb. Aber nicht so Farid Ikken.

Dieser studierte zwischen 2006 und 2010 Journalismus an der Stockholmer Universität. Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Bachelor-Studiums folgte ein Master an der Universität Uppsala. Anschließend arbeitete er freiberuflich für unterschiedlichste Zeitungen und das schwedische Radio. 

Die Chefredakteurin Anna Falk der Södermalm Nachrichten erklärt gegenüber dem Sender SVT:

Es ist unschön, zu wissen, dass jemand acht Jahre, nachdem er bei uns gearbeitet hat, eine solche Tat verüben kann.

Weiterhin wies sie darauf hin, dass niemand, was Ikken betrifft, ein schlechtes Gefühl gehabt hätte.

Preis für Reportage über Asylbewerber

Im Jahr 2009 erhielt Ikken einen Journalistenpreis der EU-Kommission. Der Preis trug den Titel "Nationaler Journalistenpreis gegen Diskriminierung". In seinem preisgekrönten Text ging es um Asylsuchende, die keinen Anspruch auf Gesundheitsversorgung haben, denen aber engagierte Menschen dennoch halfen. Nach dem Erhalt der Auszeichnung meldete sich Ikken selbst zu Wort:

Es fühlt sich fantastisch und vor allem wichtig an, diesen Preis zu gewinnen. Ich bin sehr froh darüber, dass solch wichtige Themen auf nationalem Niveau Aufmerksamkeit finden und dass man auch für die gleichen Ziele innerhalb Europas kämpft.

Im Jahr 2013 aber ging Ikken, der auch unter seinem zweiten Namen Massip bekannt ist, nach Algerien. Er hinterließ eine Reihe unbezahlter Rechnungen. In Schweden war er kurzzeitig mit einer schwedischen Staatsbürgerin verheiratet. Diese will sich zu ihrem Ex-Ehemann gegenüber der Presse nicht äußern. Dem schwedischen Sicherheitsdienst Säpo war er nicht bekannt.

Soldat des Kalifats

Nach seinem Aufenthalt in Algerien schrieb Ikken sich in Frankreich für ein Doktorstudium ein. Auch hier ergaben Nachforschungen in seinem sozialen Umfeld keine Anzeichen von Radikalität. Bei seiner Tat trug er zwei Messer und einen Hammer mit sich und rief: "Das ist für Syrien!" Ikken sieht sich selbst als Soldat des Kalifats des Islamischen Staates. Die schwedischen Zeitungen finden Konsens darin, dass Ikken weder der Polizei noch der Säpo bekannt war und seine Radikalisierung außerhalb Schwedens begonnen haben muss.