London: Attentäter arbeitete für U-Bahn, obwohl er in einer TV-Doku über Extremisten zu sehen war

London: Attentäter arbeitete für U-Bahn, obwohl er in einer TV-Doku über Extremisten zu sehen war
Einer der mutmaßlichen Attentäter von London, Khuram Shazad Butt, arbeitete für die Londoner U-Bahn an der Station Westminster und hatte Zugang zu Tunnels und zum Parlament.
Einer der mutmaßlichen Attentäter in London tauchte 2016 in einem TV-Film "Die Dschihadisten von nebenan." Trotzdem durfte er für die Londoner U-Bahn an der Westminster-Station arbeiten. Premierministerin May will mit einem Vier-Punkte-Plan radikalen Islam "ausrotten".

Der von der britischen Polizei identifizierte mutmaßliche London Attentäter Khuram Shazad Butt ist laut britischen Medien vergangenes Jahr in einer britischen Fernsehdokumentation mit dem Titel "Die Dschihadisten von nebenan" zu sehen gewesen. In der von Channel 4 produzierten Doku posierte er unter anderem mit einer Flagge, die auch von extremistischen Organisationen verwendet wird.

Entgegen anders lautenden Medienberichten handelt es sich dabei nicht um eine Flagge des Islamischen Staates. In dem TV-Film ist zu sehen, wie Butt mit einer Gruppe von Muslimen im Londoner Regent's Park betet. Ein Prediger, der zu der Gruppe spricht, sagt, dass "das Leben hier" in Großbritannien nur eine Zwischenstation sei, ein Teil des "Dschihad". Sie seien dazu aufgerufen, "Daʿwa" zu betreiben, den "Ruf zum Islam". Darunter versteht man unter anderem Werbung für den Islam.

Später in dem Film wird die Gruppe nach dem Gebet von Polizisten angehalten und durchsucht. Der Polizist beruft sich dabei auf Paragraf 44 des "Terrorism Act". Nach einer lautstarken Diskussion kann die Flagge nicht gefunden werden. Die Männer werden nach einer Stunde wieder freigelassen, heißt es in dem Video. Der Chef der nationalen Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, bestätigte, dass Khuram Shazad Butt damals überprüft worden sei.

Aber die Behörden hätten keine Belege gefunden, dass er einen Anschlag plane. Demzufolge sei der in Pakistan geborene Brite, der dem Inlandsgeheimdienst MI5 und der Polizei bekannt war, nachrangig eingestuft worden. Auch kam jetzt heraus, dass Butt trotz seiner Verbindungen zur radikalen Islamistensezene von Mai bis Oktober 2016 für die Londoner U-Bahn arbeitete.

Laut Meldungen von The Times am Dienstag hatte Butt Verbindungen zu einem der Attentäter des Londoner Terroranschlags vom 7. Juli 2005, bei dem Dutzende Menschen getötet worden waren, sowie zu einem bekannten Hassprediger. Der 27-Jährige mutmaßliche Terrorist war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er lebte im Stadtteil Barking im Osten von London, wie auch der zweite mutmaßliche Attentäter Rachid Redouane.

Der 30-Jährige aus Marokko hatte eine kleine Tochter mit einer 38-jährigen Frau, die nach unterschiedlichen Medienberichten entweder aus Irland oder aus Schottland stammt. Er war der Polizei offenbar nicht bekannt. Nach eigenen Angaben sei er "Marokkaner oder Libyer" gewesen. Er habe außerdem den Namen Rachid Elkhdar verwendet und ein anderes Geburtsdatum, wonach er erst 25 Jahre alt gewesen wäre.

Mittlerweile hat die Polizei in London auch den dritten Täter identifiziert und ein Foto von ihm veröffentlicht. Der 22-jährige Joussef Zaghba, ein Italiener marokkanischer Herkunft, habe zuletzt in Ost-London gelebt, teilte Scotland Yard am Dienstag mit. Die Familie des Mannes sei informiert worden. Anders als in italienischen Medien berichtet wurde, sei Zaghba aber weder der Polizei noch dem Inlandsgeheimdienst MI5 bekannt gewesen. Nach einem Bericht des Corriere della Sera am Dienstag soll Zaghba im März 2016 am Flughafen von Bologna von der Polizei festgehalten worden sein, als er einen Flug in die Türkei nehmen und weiter nach Syrien reisen wollte.

Zaghba war damals wegen internationalem Terrorismus angeklagt, aber freigesprochen worden. Seitdem stand er auf den Listen der gefährlichen Personen. Zuletzt arbeitete er in einem Londoner Restaurant und hatte weiterhin Kontakt zu seiner Mutter in Bologna. Die Eltern des Verdächtigten hatten eine Zeit lang zusammen in Marokko gelebt, sich dann aber getrennt. Die Mutter war nach Bologna zurückgekehrt, Zaghba hatte sie öfters dort besucht.

Die britische Anti-Terror-Polizei bat die Öffentlichkeit einer Erklärung um Hinweise auf

diese Männer, ihre Bewegungen in den Tagen und Stunden vor dem Angriff und die Orte, die sie aufgesucht haben.

Wir nehmen jede Unterstützung an: Ein Kämpfer der Organisation

Ein Fitness-Studio, in dem einer der mutmaßlichen Attentäter trainierte, hat am Dienstag vorübergehend geschlossen. Auf einem Zettel an der Eingangstür notierten die Betreiber, sie würden mit der Polizei kooperieren, um mehr Informationen zu Khuram Shazad Butt ans Licht zu bringen. Um den Opfern des Terroranschlags in London zu gedenken, halten die Menschen in Großbritannien am Dienstag eine landesweite Schweigeminute ab. Von 11.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) werde in allen Regierungsgebäuden Stille herrschen. Die Flaggen in der Hauptstadt sollen bis zum Dienstagabend auf Halbmast bleiben.

Auf der Suche nach Unterstützern der Attentäter hat die britische Polizei in der Nacht auf Dienstag eine weitere Wohnung durchsucht. Bei der Razzia im Ostlondoner Stadtteil Ilford sei aber niemand festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Zuvor hatten die Sicherheitskräfte insgesamt zwölf Männer und Frauen, die im Zusammenhang mit dem Terroranschlag vom Samstagabend festgenommen worden waren, wieder freigelassen.

Sie seien inzwischen alle ohne Anklage entlassen worden, teilte die Polizei am späten Montagabend mit. Außerdem kümmerten sich Experten um die Hinterbliebenen der Todesopfer. Sie sorgten sich auch um die Familie einer Person, die als vermisst gilt. Der Anschlag zieht seine Spur offenbar bis nach Pakistan. Die dortige Polizei vernahm die Verwandten eines der mutmaßlichen Attentäter von London. Dutzende Sicherheitskräfte in zivil durchsuchten einem Bericht der Zeitung The Telegraph zufolge am Dienstag ein Restaurant, das einem Verwandten von Khuram Butt gehört. Der Einsatz erfolgte in der Stadt Jhelam, etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Islamabad.

Die pakistanischen Behörden gehen scheinbar davon aus, dass Butt in Syrien als Attentäter ausgebildet wurde. Butt war 1990 in Pakistan geboren worden und als Kind mit seinen Eltern nach Großbritannien gekommen. Unterdessen kündigte Premierministerin Theresa May wenige Tage vor der Parlamentswahl an diesem Donnerstag an, den radikalen Islam aus der britischen Gesellschaft "auszurotten". Sie stellte einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich mit aller Härte nicht nur gegen Terroristen, sondern gegen den radikalen Islamismus richtet.

Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.

Es gebe "viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land", sagte sie.

Wir werden den Terroristen nicht erlauben, dass sie uns besiegen. Wir werden sie besiegen.

Geplant sind unter anderem eine schärfere Überwachung von Internet und Messengerdiensten. Auch längere Haftstrafen gehören zum Maßnahmenpaket. Ihr Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei warf May hingegen vor, dass sie einst als Innenministerin selbst dafür verantwortlich gewesen sei, dass es heute 20.000 Polizisten weniger gebe als 2010.

ForumVostok
MAKS 2017