Ergebnis von medizinischen Alterstests in Schweden: "Minderjährige" Asylbewerber meist volljährig

Ergebnis von medizinischen Alterstests in Schweden:  "Minderjährige" Asylbewerber meist volljährig
Flüchtlinge an der Zentralstation in Rostock auf dem Weg nach Schweden; 4. November 2015.
Zu Beginn des Jahres begann Schweden mit umstrittenen Alterstests bei Flüchtlingen, die angaben, minderjährig zu sein. Erste Resultate von 581 Testpersonen ergaben, dass 75 Prozent der betroffenen Asylbewerbern tatsächlich bereits über 18 Jahre alt waren.

Die schwedische Einwanderungsbehörde war in Zugzwang geraten, nachdem Regierungskritiker den Vorwurf geäußert hatten, dass sie nicht in der Lage gewesen seien, das wahrheitsgemäße Alter von Flüchtlingen festzustellen, die angegeben hatten, noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht zu haben. Im Jahr 2015 suchten in Schweden 35.000 nach eigenen Angaben Minderjährige um Asyl an, 2016 waren es 2.199 vorgeblich unter 18-Jährige. Die schwedische nationale Behörde für forensische Medizin, Rättsmedicinalverket, ist in der Lage, Alterstests durchzuführen. 

Helfer beseitigen Blumen, die nach dem Terrorattentat von Stockholm in der Einkaufsstraße

Die ersten Tests fanden nun nach Aufforderung vonseiten der Einwanderungsbehörde statt. Bislang hat Rättsmedicinalverket 581 Asylbewerber den Alterstests unterzogen. Die Ergebnisse zeigten, dass hiervon 442 falsche Angaben zu ihrem Alter gemacht hatten, 430 darunter waren Männer. Die Behörde will nun insgesamt 4.200 Personen überprüfen lassen. 

Radiologen und Zahnärzte bestimmen anhand der Weisheitszähne

In diesem Verfahren zur Altersfeststellung werden die Knochen der Weisheitszähne geröntgt und MRI-Scans der Kniegelenke vorgenommen. Radiologen und Zahnärzten werten die Ergebnisse aus. Die Einwanderungsbehörde versicherte, dass der Test nicht so verstanden werden könne, dass die Mehrheit der Asylbewerber falsche Angaben zu ihrem Alter mache, denn es handle sich bei den Testpersonen bereits um Verdachtsfälle von Falschangaben. 

Besonders viele minderjährige, männliche Flüchtlinge aus Afghanistan fanden ihren Weg nach Schweden im Zuge der Flüchtlingswelle. Sie hofften darauf, ihre Minderjährigkeit würde ihnen Vorteile bezüglich der Anerkennung ihres Asylgesuchs und Nachzugsmöglichkeiten für ihre Familien verschaffen.

Umfassende Hilfs- und Betreuungsansprüche

Vor der Erreichung des 18. Lebensjahres muss sich die Einwanderungsbehörde zudem um eine Bezugsperson, einen Sozialarbeiter, für die minderjährige Person bemühen. Sie sorgt zudem für eine Unterbringung und Betreuung, zudem besteht ein Recht auf Ausbildung, finanzielle Hilfe und medizinische Versorgung. 

Eine Rückführung in das Heimatland des minderjährigen Asylbewerbers darf nicht erfolgen, wenn es dort keine erwachsene Bezugsperson gibt.