Paris: Afro-feministisches Festival soll verboten werden – weil es Weiße ausschließt

Paris: Afro-feministisches Festival soll verboten werden – weil es Weiße ausschließt
Das koloniale Erbe Frankreichs sorgt immer wieder zu Spannungen innerhalb der französischen Gesellschaft. Der scheidende Präsident François Holande hatte zum Beispiel bis zum Schluss eine Entschuldigung gegenüber Algerien abgelehnt.
Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo fordert das Verbot eines afro-feministischen Festivals, weil 80 Prozent der Veranstaltungen nur für schwarze Frauen reserviert sind. Hidalgo behält sich auch juristische Schritte gegen die Veranstalter wegen "Diskriminierung" vor.

Ich verurteile mit Entschlossenheit die Organisation dieser "für Weiße verbotenen" Veranstaltung in Paris,

schrieb die Bürgermeisterin von der Parti Socialiste (PS) auf Twitter. Sie kündigte am Sonntag an, die Polizei einzuschalten. Außerdem behalte sie sich die Möglichkeit vor, gegen die Initiatoren wegen Diskriminierung vorzugehen.

80 Prozent des für Ende Juli geplanten Nyansapo-Festivals sind nach Angaben auf dessen Website schwarzen Frauen vorbehalten. Auch antirassistische Organisationen kritisierten dies: SOS Racisme sprach von einer Provokation, die gegen das Gesetz verstoße. Die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus schrieb auf Twitter:

Rosa Parks muss sich im Grab umdrehen.

Symbolbild: Französische Polizisten auf dem Boulevard Peripherique am EIngang zum Stadtteil La Chapelle in Paris, 30. November 2015.

Die Veranstalter sehen sich als Opfer einer „Fake News“-Kampagne,

koordiniert von der muffigsten extremen Rechten.

Sie seien

betrübt zu sehen, dass einige antirassistische Organisationen sich derart manipulieren lassen,

hieß es in einer Mitteilung auf der Website des Kulturzentrums „La Générale“Par, wo das Festival stattfinden soll. Die nationalkonservative Partei Front National hatte Hidalgo am Freitag aufgefordert, Position zu beziehen.

Das Kulturzentrum betonte, dass viele keine Probleme mit feministischen Diskussionsgruppen, die nur für Frauen bestimmt sind, hätten, wenn die Hautfarbe nicht thematisiert werde. Das Mwasi-Kollektiv - Organisator des Festivals - schrieb auf Twitter, dass die teils für schwarze Frauen reservierten Arbeitsgruppen nicht in dem Kulturzentrum, sondern an einem privaten Ort stattfänden.

Ein Kommentar auf dem alternativen Newsportal Mediapart legt zumindest nahe, dass sich die Pariser Bürgermeisterin und die französische Liga gegen Rassismus und Antisemitismus offenbar von Rechten Kräften vor sich hertreiben ließen.

Scheinbar begann der Protest gegen das Festival in einem Forum der Chatseite jeuxvideo.com und schwappte dann in ein anderes Forum namens Discord über. Die Kommentare in beiden Foren sollen zum Teil offen rassistisch gewesen sein. Unter anderem sei auch ein Appell an Henri de Lesquen gerichtet worden. 

Besonderes Angriffsziel der CIA: Linke Medien in Deutschland. Foto: 
Karl-Ludwig Poggemann. CC BY 2.0

Lesquen ist ein französischer Politiker der Rechten, der sich in den letzten Jahren zunehmend radikalisiert hat.

Seine politische Vorschläge für die Präsidentschaftswahlen 2017 in Frankreich präsentierte er schon 2016 auf Twitter: Er wolle den Eiffelturm rasieren, weil der einfach schrecklich sei. Zudem wolle er in Frankreich wieder die Todesstrafe einführen. Belgien und Luxemburg sollen annektiert werden. Abtreibungen wolle er verbieten, den Mindestlohn streichen. Außerdem gedenke er gegen die zeitgenössische Kunst, die er auch „entartete Kunst“ nennt vorzugehen und die sogenannte „Negermusik“ zu verbannen.

Nachdem auch der Front National eine Stellungnahme der Bürgermeisterin zu dem afro-feministischen Festival forderte, sprangen Hidalgo und die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus offenbar auf den schon in Fahrt gekommenen Zug auf. Vermutlich spielt auch das desaströse Abschneiden der Parti Socialiste bei den letzten Präsidentschaftswahlen eine Rolle.

Der Kandidat der Sozialisten, Benoît Hamon, kam gerade mal auf sechs Prozent der Stimmen. Ein politisches Erdbeben in Frankreich. Die Parti Socialiste verliert vor allem in ihren Stammregionen, also den ehemaligen industriellen Hochburgen, massiv Stimmen an den Front National.

Was das Verbot für das afro-feministische betrifft, scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen worden zu sein. Die Organisatoren vom Mwasi-Kollektiv posteten am Montagnachmittag ein Statement auf ihrer Facebook-Seite:

Nach Kontakt mit der Polizeizentrale und dem Büro des Bürgermeisters von Paris kann das Festival NICHT UNTERSAGT ODER ANNULIERT werden. Wir erwarten jetzt eine offizielle Stellungnahme der Stadt Paris und eine öffentliche Entschuldigung.

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