In den Fußstapfen von Peter des Großen: Was von Putins Besuch in Frankreich zu erwarten ist

Putin und Chirac in Moskau
Die Beziehungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des französischen Präsidenten Jacques Chirac galten als ausgesprochen gut. Auf dem Bild: Bei der Einweihung des Denkmals an Carles de Golle in Moskau am 9. Mai 2005 in Moskau.
Die Nachricht über das geplante Treffen von Wladimir Putin mit dem neu gewählten Präsidenten Frankreichs Emmanuel Macron in Versailles kam überraschend. Von beiden Seiten kommen gedämpfte Hoffnungen, dass die Zusammenkunft symbolisch für einen Neuanfang der Beziehungen stehen könnte.

Seit Montag steht fest, dass der russische Präsident Wladimir Putin mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron am 29. Mai in Versailles bei Paris zusammenkommt. Angesichts der Spannungen, die in den letzten drei Jahren einen Schatten über die Beziehungen zwischen Frankreich und Russland warfen, ist dieser Besuch fast eine Sensation.

Seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise war Putin nur einmal in Frankreich gewesen, nämlich zu den Feierlichkeiten der Normandie-Landung im Juni 2014.

Macron empfängt Putin am 29. Mai in Versailles

Zu diplomatischen Spannungen zwischen beiden Ländern kam es, als die Franzosen sich 2015 weigerten, den im Auftrag der Russen gebauten Hubschrauberträger „Mistral“ an Russland zu liefern.

Im Oktober 2016 musste Wladimir Putin seinen geplanten Besuch zur Einweihung eines Kulturzentrums in Paris absagen. Damals beschuldigte Frankreich die Russen, Kriegsverbrechen in Syrien begangen zu haben, für die es allerdings keine stichhaltigen Beweise gegeben hat.

Während seines Wahlkampfs vertrat Emmanuel Macron eine für liberale Kreise typische russlandkritische Position, sogar die Schärfste unter allen Kandidaten. Seine Herausforderin Marine Le Pen machte aus ihren beinahe freundschaftlichen Kontakten zu Moskau keinen Hehl.

Nun ist Macron kein Kandidat mehr und will offenbar pragmatische und klare Beziehungen zu Moskau pflegen. Er weiß, dass nicht nur die rechtskonservative Marine Le Pen einen russlandfreundlichen Flügel des französischen Politspektrums vertritt, sondern auch die weite Teile der konservativen Republikaner für eine Verbesserung der Beziehungen zu Moskau eintreten. Daher steht dieser Besuch deutlich im Zeichen der bevorstehenden Parlamentswahlen in Juni.

Deshalb ist der kurzfristig beschlossene Besuch nicht so sehr überraschend, wie es scheint. Das Kennenlernen der Politiker unmittelbar nach den Wahlen gehört zum Geschäft und alle verstehen, dass es nun nach den Treffen Macrons mit Angela Merkel, Donald Trump und anderen westlichen Staatschefs am Rande des NATO-Gipfels Sinn macht, sich auch mit den anderen Schlüsselpersonen der Weltpolitik auszutauschen.

Der für seine westskeptischen Positionen bekannte Außenpolitiker Alexej Puschkow.

Damit würde Macron für Putin zu einer Art Berichterstatter vonseiten des Westens. Die westlichen Bündnisse suchen schon seit Monaten ihr Gleichgewicht. Die Turbulenzen, so wie nach den Treffen von Donald Trump mit seinen Kollegen in Brüssel und Sizilien, sind noch nicht vorbei.

Für die russische Presse war es auch nicht schwer, einen vorsichtigen Optimismus angesichts des kommenden Treffens auszustrahlen und positive Töne gegenüber Macron einzuschlagen. Die Beziehungen zu Frankreich gelten als nicht so belastet wie zu Deutschland. Schlimmer als zu Zeiten Hollandes könnten sie sowieso nicht werden.

Die Russen wissen, dass große Teile französischer Wirtschaftsvertreter deutlich für eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland eintreten. Die Handelsvolumen zwischen Russland und Frankreich sind infolge der Sanktionen fast um die Hälfte eingebrochen. Delegationen aus Frankreich, angeführt vom Abgeordneten der Republikanischen Partei Thierry Mariani, sind auf der russischen Halbinsel Krim inzwischen an der Tagesordnung.

Ein weiterer Anlass für den Besuch könnte kaum symbolischer sein. Die Präsidenten beider Länder nehmen an der Eröffnung der Ausstellung „Peter der Große. Zar in Frankreich. 1717“ im Grand Trianon in Versailles teil. Die Exposition ist durch die Zusammenarbeit zwischen den Museen in Versailles und der Eremitage in Sankt Petersburg entstanden und ist dem 300. Jahrestag des ersten Frankreich-Besuchs von Zar Peter dem Großen gewidmet. Der damalige Besuch gilt als Anfang der festen Bande, die seitdem Russland und Frankreich verbindet.

Damals traf sich der zukünftige russische Kaiser Peter mit dem siebenjährigen König Ludwig XV und seinem Regenten Herzog Philippe II. von Orléans und war ein Teil der diplomatischen Bemühungen des russischen Zaren, die Resultate des Nordkrieges zu sichern. Insgesamt besuchte Peter der Große zweimal Versailles.    

 

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