Undichte Stellen: Skandal um Ermittlungsfotos zum Manchester-Anschlag zieht weite Kreise

Undichte Stellen: Skandal um Ermittlungsfotos zum Manchester-Anschlag zieht weite Kreise
Eines der von "The New York Times" veröffentlichten Fotos.
Die britische Anti-Terror-Polizei sieht sich in ihren Ermittlungen zum Attentat von Manchester durch Medienenthüllungen in den USA behindert. Ein Sprecher der Behörde übte scharfe Kritik an der Veröffentlichung vertraulicher Ermittlungserkenntnisse.

Am Dienstagabend hatten US-Medien den Namen des Selbstmordattentäters Salman Abedi veröffentlicht, ehe die britischen Behörden diese Information an die Öffentlichkeit trugen. Dies veranlasste die britische Innenministerin Amber Rudd zu einer Beschwerde bei den zuständigen US-Behörden.

Ich habe unseren Freunden gegenüber sehr klar gemacht, dass so etwas nicht mehr passieren darf, sagte Rudd am Mittwoch.

Polizei in Manchester stoppt Kooperation mit USA -

Aus Ärger über undichte Stellen wird die Polizei von Manchester nach einem BBC-Bericht keine Informationen über den Terroranschlag mehr an die USA liefern. Man sei darüber empört, dass Bilder vom Tatort und der Name des Attentäters noch vor der Veröffentlichung in Großbritannien von US-Medien publiziert worden seien. 

Es geht aber nicht nur um den bekanntgegebenen Namen. Nach den Äußerungen der Ministerin veröffentlichte die «New York Times» auch Ermittlungsfotos von dem Zünder, einem zerfetzten blauen Rucksack sowie von Nägeln und Schrauben aus der Bombe. Auch diese Dokumente waren offenbar Teil des Ermittlungsmaterials, das die britischen Geheimdienste ihren US-Partnerdiensten unter dem Siegel der Vertraulichkeit zukommen ließen.

Der Austausch sensibler Informationen mit Partnerländern beruhe auf Vertrauen, sagte der Sprecher.

Wenn dieses Vertrauen missbraucht wird, dann untergräbt das unsere Beziehungen, und es untergräbt unsere Ermittlungen. Der Schaden ist umso grösser, wenn es dabei um die nicht autorisierte Verbreitung potenzieller Beweismittel mitten in einer bedeutenden Anti-Terror-Ermittlung geht, kritisierte er.

Die britische Premierministerin Theresa May will heute Donald Trump mit dem Vorwurf der geleakten Informationen konfrontieren, schreibt der britische Guardian. Die beiden treffen heute am NATO-Gipfel aufeinander.

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