ESC 2017: Portugal triumphiert, Deutschland enttäuscht schon wieder

ESC 2017: Portugal triumphiert, Deutschland enttäuscht schon wieder
Strahlender Sieger: Salvador Sobral gewann den Eurovision Song Contest 2017. Erstmal holte damit ein Vertreter Portugals den Titel.
Erstmal gewann ein Kandidat Portugals den Eurovision Song Contest. Deutschlands Hoffnungsträgerin Levina landete hingegen nur auf dem vorletzten Platz. Überschattet wurde die Musikveranstaltung von dem Ausschluss der russischen Sängerin.

Portugal hat zum ersten Mal den Eurovision Song Contest gewonnen, während Deutschland die dritte Pleite in Folge erlebt. Der portugiesische Sänger Salvador Sobral bekam für sein Lied „Amar Pelos Dois“ mit 758 Punkten die meisten Stimmen. Das gaben die Moderatoren in der Nacht zum Sonntag in Kiew nach der Präsentation der Wertungen von Jurys und Publikum bekannt. Zweiter wurde Bulgarien mit 615 Punkten. Moldau erreichte mit 374 Punkten Rang drei.

Deutschlands Kandidatin Levina landete unter den 26 Finalisten mit sechs Punkten auf dem vorletzten Platz und schnitt somit kaum besser ab als ihre Vorgängerinnen in den vergangenen beiden Jahren. 2015 und 2016 war Deutschland jeweils Letzter.

Ukrainische Behörden verweigern akkreditierten Journalisten aus Russland Einreise wegen Krim-Besuche

Der 27-jährige Gewinner Salvador Sobral verzichtete auf eine spektakuläre Show, sondern überzeugte offensichtlich mit viel Gefühl. Komponistin der Jazz-Ballade ist seine Schwester, die den Song zum Schluss der großen Live-Show gemeinsam mit ihrem Bruder sang.

Daneben bot die Show aber auch viele ESC-typische bunte Beiträge. Neben dem italienischen Beitrag, der lange als Favorit gehandelt wurde und bei dem jemand im Gorilla-Kostüm Faxen auf der Bühne machte, boten auch andere Musik-Acts Hingucker. Beim Beitrag von Aserbaidschan stand ein Mann mit Pferdekopf auf einer Leiter, und der Kandidat Kroatiens, Jacques Houdek, performte als Opern- und Pop-Sänger quasi ein Duett mit sich selbst. Gute Laune verbreitete direkt vor dem Auftritt Levinas der Beitrag Rumäniens mit einer Jodel-Einlage.

Überschattet wurde der bunte, eigentlich unpolitische Wettbewerb vom Konflikt zwischen dem Gastgeberland Ukraine und Russland. Der russischen Kandidatin Julia Samoilowa wurde wegen eines Auftritts auf der Halbinsel Krim nach deren Anschluss an Russland die Einreise in die Ukraine verwehrt. Ebenso wurde russischen Journalisten die Akkreditierung entzogen.

Der Zweitplatzierte Kristian Kostov kommt eigentlich aus Russland. Bulgariens Kandidat ist in Moskau geboren und dort heimisch. Ob jugendliche Albernheit oder aus Solidarität zu der gesperrten russischen Künstlerin Julia Samoilowa: Unmittelbar vor dem Finale kündigt der 17-Jährige mit breitem Lächeln einem russischen Fernsehteam an: „Im Falle eines Sieges zertrümmere ich euch die gläserne Siegestrophäe!“. Erst Stunden später zieht er es als „Witz“ zurück. Ob das Bulgarien – mit Italien und Portugal einer der Favoriten – am Ende die entscheidenden Stimmen gekostet hat?

In Kiew gab es rund um das internationale Ausstellungszentrum, in dem der ESC über die Bühne ging, strenge Sicherheitsvorkehrungen. Hunderte Polizisten und die Nationalgarde bewachten die Straßen. Zufahrtswege waren mit Betonblöcken geschützt. Nach neuen blutigen Auseinandersetzungen in der Ostukraine sagte Präsident Petro Poroschenko am Samstag seinen Besuch beim Finale ab.

(rt deutsch/dpa)

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