Belgien: Acht Prinzessinnen aus den Emiraten wegen Misshandlung ihrer Diener vor Gericht

Belgien: Acht Prinzessinnen aus den Emiraten wegen Misshandlung ihrer Diener vor Gericht
Eines der mutmaßlichen Opfer (Mitte des Bildes) auf dem Weg zur ersten Anhörung im Gerichtsverfahren gegen die emiratischen so genannten Conrad-Prinzessinnen wegen Menschenhandels; 11. Mai 2017, Brüssel
Acht Prinzessinnen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sollen über Monate hinweg in einer Hotelluxus-Suite in Brüssel ihre Bediensteten permanent beschimpft und misshandelt haben. Seit Donnerstag stehen sie in Belgien vor Gericht.

Der Fall selbst liegt bereits neun Jahre zurück, allerdings brauchte es fast ein Jahrzehnt, ehe es Menschenrechtsorganisationen gelang, die emiratischen Prinzessinnen für ihre Handlungen vor Gericht zu bringen. Im Jahr 2008 mietete Prinzessin Shekha Alnehayan über mehrere Monate für sich und sieben ihrer Töchter in Brüssel eine ganze Hoteletage im Luxushotel Conrad

Die Alnehayans gehören zu einer der reichsten Familien der VAE. Bekannt wurde der Familienclan insbesondere durch den Erwerb des englischen Erstligavereins Manchester City im Jahr 2008.

Die Prinzessinnen brachten insgesamt 23 Dienerinnen aus acht Nationen mit sich. Laut Patricia LeCocq, Sprecherin der belgischen Menschenrechtsgruppe Myria, wurden die Dienerinnen nicht bezahlt, "mussten Tag und Nacht arbeiten und auf dem Flurboden schlafen".

Später gelang es einem der Dienstmädchen, zu fliehen. Die Betroffene begab sich sofort zur nächsten Polizeistation und gab das Erlebte zu Protokoll. Daraufhin wurden Ermittlungsbeamte zum Hotel geschickt.

Das Dienstmädchen, in der belgischen Lokalpresse als "Jamila" betitelt, berichtete gegenüber La Dernière Heure:

Ich hatte keinen eigenen Raum, ich musste im Korridor auf dem Fußboden schlafen. Es gab einen permanenten verbalen Missbrauch. Die Prinzessinnen mochten uns marokkanische und tunesische Dienstmädchen nicht. Sie beschimpften uns regelmäßig als Nutten.

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Die Justizbehörden leiteten in weiterer Folge eine Untersuchung in die Wege. Es brauchte allerdings fast eine Dekade, bevor der Fall vor ein belgisches Gericht kam. Am 11. Mai 2017 fand die erste Anhörung in dem Verfahren statt. Den Prinzessinnen werden Menschenhandel und der Verstoß gegen belgisches Arbeitsrecht zur Last gelegt.

Menschenrechtsaktivisten zeigen sich verwundert, dass der Fall bisher kaum mediale Aufmerksamkeit erregte habe. Nicholas McGeehan von Human Rights Watch sagte gegenüber der Deutschen Welle:

Ich kann nicht glauben, dass die Medien nicht stärker über den Fall berichtet haben. Der Fall bringt eine der reichsten Familien der Welt in Verbindung mit Menschenhandel und Sklaverei.