Volksrepublik Donezk: Anschlag auf Regierungschef Sachartschenko auf dem Weg zu Kriegsgedenken

Volksrepublik Donezk: Anschlag auf Regierungschef Sachartschenko auf dem Weg zu Kriegsgedenken
Das Denkmalkomplex Sawur-Mohyla. Auf dem Bild: Die Teilnehmer der Feierlichkeiten anlässlich der Befreiung des Donbass von den Hitler-Truppen; 7. September 2016.
Auf der Straße zum Denkmal-Komplex Sawur-Mohyla auf dem Territorium der selbst ernannten Donezker Volksrepublik detonierte am Montag eine Landmine. Die Explosion fand unmittelbar vor der Durchfahrt des Volksrepubliks-Chefs Alexander Sachartschenko statt.

Die örtlichen Behörden stuften das Ereignis als Terroranschlag ein, meldet die Nachrichtenagentur RIA Nowosti vom Tatort. Es gebe keine Verletzten, der Straßenabschitt am Ort des Geschehens sei gesperrt.

Die Explosion ereignete sich nahe der Stadt Schachtersk, eine operative Ermittlungsgruppe ist mittlerweile vor Ort, um den Vorfall zu untersuchen. Der Tross mit Sachartschenko, dem Parlamentsvorsitzenden Denis Puschilin und den Führungsspitzen des international nicht anerkannten Protostaats war zu den Feierlichkeiten zum 8. Mai anlässlich des 72. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg unterwegs. Auch zahlreiche Journalisten fuhren im Gefolge mit.

Großer Vaterländischer Krieg ist die Bezeichnung des Zweiten Weltkrieges auf dem Territorium der Sowjetunion, im heutigen Russland und in vielen Nachfolgestaaten der UdSSR. Zu den Feierlichkeiten erwarteten die Veranstalter zehntausende Besucher. Das Programm sah einen Andachtsgottesdienst für die bei den Kämpfen um die strategisch wichtige Anhöhe an Sawur-Mohyla im Jahre 1943 gefallenen Rotarmisten vor.

Im Sommer 2014 wurde erneut um diesen Ort gekämpft - zwischen den ukrainischen Streitkräften und der Donezker Volkswehrarmee. Die Andacht galt auch den Volkswehrangehörigen, die bei diesen Kämpfen gestorben sind. Auch ein Konzert für die Veteranen des Großen Vaterländischen sei geplant gewesen, meldet RIA Nowosti.

Seit dem Ende der Kämpfe um die Anhöhe Sawur-Mohyla im Sommer 2014 fungiert der Gedenkort auch als Ort des Gedenkens an die Volkswehr. Auf dem Bild: Kleine Figur eines modernen Kämpfers vor dem alten Kriegsdenkmal.

Die Donezker Nachrichtenagentur meldet mit Verweis auf die Sicherheitskräfte, dass auf der Straße zur Saur Mogyla zwei Landminen gelegt waren, von denen eine explodierte. Später seien noch weitere sechs Landminen gefunden worden, meldet RIA Nowosti. 

Sollten sich der Verdacht auf einen gezielten Terroranschlag bestätigen, wäre das dann nicht der erste Versuch, das Oberhaupt der nicht anerkannten Volksrepublik, Alexandr Sachartschenko, auf diese Weise auszuschalten. Symbolträchtige Figuren aus der Volkswehr und hochrangige Vertreter der Sicherheitsorgane der abtrünnigen Republiken sind seit Anfang des Krieges im Jahre 2014 bereits mehrfach zum Ziel gezielter Mordanschläge geworden.

Am 10. März meldete das Ministerium für Staatssicherheit der Volksrepublik Lugansk, dass die Namen der für den Tod des Oberst Michail Tolstych, Rufname Giwi, und des Chefs der Lugansker Volkspolizei, Oleg Anaschtschenko, Verantwortlichen bekannt seien. Dem Minister für Staatssicherheit, Leonid Pasetchnik, zufolge stehen hinter beiden Terroranschlägen die gleichen Leute.

Die selbst ernannten Republiken Donezk und Lugansk pflegen ihr eigenes Heldenepos. Auf dem Transparent: Ewiger Ruhm den Befreiern von Donbass. Gemeint sind damit gefallene Soldaten aus den Jahren 1943 und 2014.