Cyber-Krimi um Macron: Geleakte E-Mails kurz vor der entscheidenden Stichwahl

Cyber-Krimi um Macron: Geleakte E-Mails kurz vor der entscheidenden Stichwahl
Hacker-Angriff kurz vor der entscheidenden Wahl? Das Lager um den neoliberalen Kandidaten Emmanuel Macron berichtet von einer massiven Cyberattacke.
Kurz vor der morgigen Stichwahl im Rennen um das französische Präsidentenamt, entwickelt sich auch dieser Wahlkampf zunehmend zum Krimi: In der Nacht zum Samstag teilte das Wahlkampfteam des Favoriten Emmanuel Macron mit, Opfer eines großangelegten Hacker-Angriffs geworden zu sein.

Aufregung im Lager des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron. Dessen Bewegung "En Marche!" sei Ziel einer "massiven und koordinierten" Cyber-Attacke geworden. Unter anderem seien E-Mails, Verträge sowie andere interne Dokumente erbeutet und später im Internet veröffentlicht worden, um "En Marche!" zu schaden, teilte Macrons Wahlkampfteam in der Nacht zum Samstag mit.

Bei der Attacke handele es sich um einen gezielten "Versuch, die französische Präsidentschaftswahl zu destabilisieren", kommentiert "En Marche!". Der ehemalige Banker Emmanuel Macron bewirbt sich nicht mit der Rückendeckung einer Partei um das französische Präsidentenamt sondern wird von einem Netzwerk unterstützt, das sich selbst als Bewegung bezeichnet. Aus den privaten und beruflichen E-Mail-Postfächern von Verantwortlichen des Bündnisses seien Dokumente und Schriftverkehr entwendet worden und dann zusammen mit gefälschten Dokumenten ins Netz gestellt worden, "um Zweifel und Desinformation zu säen".

Die beiden französischen Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron

Auch WikiLeaks verlinkte unter dem Hashtag #MacronLeaks auf das kursierende Datenmaterial und bezifferte dieses auf zehntausende Dokumente im Umfang von rund neun Gigabyte.

"En Marche!" zieht aufgrund des Zeitpunktes der Veröffentlichung, kurz vor dem morgigen entscheidenden Urnengang Parallelen zum Präsidentschaftswahlkampf in den USA zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Auch dort brachten mehrere E-Mail-Leaks die Kandidatin der Demokraten in schwere Bedrängnis. Allerdings konnte die Mutmaßung, dass die Dokumente mit einer Cyber-Attacke erbeutet wurden, nie bestätigt werden. Wahrscheinlicher ist, dass Insider aus der Demokratischen Partei die E-Mails an WikiLeaks weitergereicht hatten.

Ausgeschlossen ist ein solches Szenario auch im Falle Macrons nicht. umso mehr da dem Franzosen feste Parteistrukturen fehlen und ein Netzwerk wie "En Marche!" noch mehr zu Positions- und Machtkämpfen tendiert.

Der neoliberale Emmanuel Macron und die nationalkonservative Kandidatin Marine Le Pen stehen in der Stichwahl um die französische Präsidentschaft. Macron ist dabei klarer Favorit und lag bei letzten Umfragen mit rund 62 zu 38 Prozent vor Le Pen.

Die Front National-Chefin Le Pen vertritt einen dezidiert EU-kritischen Kurs, was dieser die Missgunst des europäischen Politestablishments einbrachte. Auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama meldete sich kurz vor der entscheidenden Abstimmung zu Wort und empfahl den Franzosen für Macron zu stimmen:

(rtdeutsch/dpa)

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