Marine Le Pen lässt Parteivorsitz ruhen: "Will Franzosen zusammenbringen"

Marine Le Pen lässt Parteivorsitz ruhen: "Will Franzosen zusammenbringen"
Marine Le Pen während ihrer Rede nach dem ersten Wahlgang, Henin-Beaumont, Frankreich, 23. April, 2017.
Während Frankreichs Noch-Präsident Hollande zur «nationalen Einheit» gegen die Front National aufruft, will deren Vorsitzende das Volk hinter sich sammeln. Demoskopen geben ihr zwar wenig Chancen. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass diese sich täuschen.

Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hat vorübergehend den Vorsitz der rechtskonservativen Front National (FN) niedergelegt und will damit offenkundig ihre Wählerbasis verbreitern. "Heute Abend bin ich nicht mehr Präsidentin der FN, ich bin Präsidentschaftskandidatin", sagte die 48-jährige Politikerin am Montagabend im TV-Sender France 2.

Sie wolle "alle Franzosen zusammenbringen" und "über den Parteiinteressen stehen." Die im ersten Wahlgang unterlegenen Sozialisten und Konservativen wollen Le Pen indes unter allen Umständen aufhalten und ihrem linksliberalen Kontrahenten Emmanuel Macron den Weg ins höchste Staatsamt ebnen. Entsprechende Wahlempfehlungen folgen noch in der Wahlnacht der ersten Runde.

Der einstweilige Verzicht auf den Parteivorsitz sei "unverzichtbar", sagte Le Pen. Sie wolle alle Landsleute hinter ihrem "Programm der Hoffnung, des Wohlstands, der Sicherheit" sammeln. Le Pen hatte am Sonntag in der ersten Runde der Präsidentenwahl 21,4 Prozent der Stimmen erhalten und damit Platz zwei hinter Macron (24,0 Prozent) erreicht. Die entscheidende Stichwahl ist am 7. Mai. Der 39-jährige Macron gilt als Favorit für das Finale.

Ich erkenne sehr deutlich, dass man sich dem entscheidenden Augenblick nähert,

sagte Le Pen, die sich gegen die EU positioniert und aus dem Euro aussteigen will. Den früheren Wirtschaftsminister Macron griff sie direkt an:

Weder bei dem Programm noch beim Verhalten von Herrn Macron lässt sich die geringste Liebe für Frankreich erkennen.

Le Pen vertritt eine nationalistische Linie in der Wirtschaftspolitik und will die Einwanderung stark einschränken sowie die französischen Grenzen strenger kontrollieren. Der scheidende Präsident François Hollande rief am Montag in Paris zur nationalen Einheit auf. "Ich werde Macron wählen", sagte der Sozialist. Obwohl das Verhältnis zu seinem einstigen "Ziehsohn" nicht erst seit dessen Parteiaustritt gespannt ist. Die Spitze der konservativen Republikaner gab zwar keine direkte Empfehlung für Macron ab, rief aber ihre Anhänger auf, Le Pen eine Niederlage zuzufügen.

Auf ihm ruhen die Hoffnungen vieler junger Wähler. Doch paradoxerweise auch die vieler führender Köpfe aus dem jetzigen Polit-Establishment in Frankreich und Europa: Emmanuel Macron.

Die Stichwahl gilt als historische Richtungsentscheidung für Europa. Der sozialliberale Macron will die Zusammenarbeit in der Europäischen Union stärken, Le Pen das genaue Gegenteil. In Berlin und Brüssel sorgte der Ausgang der ersten Runde denn auch für vorläufigen Jubel, die Finanzmärkte reagierten ebenfalls positiv. In der Stichwahl ist nach Umfragen ein klarer Sieg Macrons zu erwarten.

Le Pen könnte einige Stimmen aus dem Lager des gescheiterten konservativen Kandidaten François Fillon bekommen, aber das wird die Wahl nicht zu ihren Gunsten entscheiden können,

sagte der deutsch-französische Publizist und Politikwissenschaftler Alfred Grosser der Passauer Neuen Presse am Dienstag. Doch durch ist die Wahl von Macron indes noch nicht. Marine Le Pen hat durchaus noch eine Chance, Präsidentin der Französischen Republik zu werden. Es ist ihr im Vergleich zu 2012 noch einmal gelungen, ihre Wählerbasis zu erweitern. Und in einem Wahlkampf, der viele seltsame Wendungen erlebt hat, kann man nicht ausschließen, dass Emmanuel Macron auf der Zielgeraden noch einmal in Bedrängnis gerät.

Der Wahlkampf für das Präsidentschaftsduell ist derweil im vollen Gange. Le Pens Kampagnenchef warf Macron vor, er gehöre zum alten System und wolle zu wenig gegen den Terror, die entfesselte Globalisierung und die Einwanderung tun. Macrons Sprecher sagte, Le Pen habe sich in der Wirtschafts- und Steuerpolitik "wie eine Weihnachtsfrau" verhalten und Steuergeschenke verteilt. Das sei unverantwortlich.

(rt deutsch/dpa)

 

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