Verzweiflung in griechischem Flüchtlingslager: Migranten im Hungerstreik

Verzweiflung in griechischem Flüchtlingslager: Migranten im Hungerstreik
Symbolbild: Migranten lehnen am Zaun während eines Aufstandes im Pagani Flüchtlingslager auf Lesbos (2009)
Seit vier Tagen sind 12 Flüchtlinge in einem Flüchtlingscamp in Lesbos in einen Hungerstreik getreten. Über Social Media verbreiten sie einen Hilferuf an die Medienwelt.

In einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos sind zwölf Syrer in den Hungerstreik getreten. Die Migranten kurdischer Abstammung protestierten gegen die lange Wartezeit bei der Bearbeitung ihrer Asylanträge, sagte ein Reporter vor Ort am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Gesuche waren in erster Instanz abgelehnt worden - in zweiter Instanz dauert das Verfahren mehrere Monate. Die Demonstranten harrten seit Freitag in Decken gewickelt vor den Büros der Asylbehörde im Lager von Moria aus.

Die Polizei wollte sich nicht zu dem Fall äußern. Aus Kreisen des griechischen Flüchtlingsstabs hieß es, es komme in den Lagern immer wieder zu Protesten, die in der Regel wenige Tag dauerten.

Eine Lesbossolidaritätsgruppe hat heute eine Videobotschaft der Streikenden veröffentlicht: 

"Heute ist der vierte Tag unseres Hungerstreiks. Und immer noch gibt es kein Ergebnis. Niemand ist gekommen. Gestern haben sie gesagt, dass jemand kommt, aber niemand ist da. Dabei sterben Menschen. Wir brauchen Hilfe. Die Medien sollen kommen und sehen was hier vor sich geht. Es ist sehr hart im Camp. Es gibt nichts. Keine Bewegung, nichts passiert! Die Polizei kümmert sich nicht. Niemand interessiert sich für die [Streikenden]. Die Syrer sterben. Sie brauchen Hilfe von den Medien. Nur die Medien können ihnen helfen. Denn hier haben sie keine Stimme. Ihre Stimmen gehen nicht raus. Ihr müsst herkommen und prüfen was gerade in Moria vor sich geht. Es wird schlimmer. Ihr könnt das Gesicht von meinem Bruder sehen - er leidet. Er kann nicht gut atmen. Er stirbt, bitte versucht etwas zu unternehmen um zu helfen." 

In den Registrierzentren (Hotspots) der Inseln der Ostägäis leben derzeit rund 13 800 Flüchtlinge und Migranten. Die Zahl derer, die aus der Türkei zu den Inseln übersetzen, bleibt nach Angaben des griechischen Flüchtlingsstabs weiter niedrig.

Die Anzahl der ankommenden Flüchtlinge war im April 2016 schlagartig zurückgegangen. Damals war der der EU-Türkei-Flüchtlingspakt in Kraft getreten. Dieses Abkommen sieht vor, dass die Türkei die Flüchtlinge zurückhält und die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen und kein Asyl erhalten, zurückschicken kann.

Vor der griechischen Insel Lesbos sind am Montag (heute) mindestens fünf Migranten ums Leben gekommen. Dies berichteten der staatliche Radio-Sender (ERA Ägäis) der Insel sowie mehrere griechische Medien unter Berufung auf die Küstenwache. Die Leichen von einem Kind, zwei Frauen und zwei Männern seien wenige Seemeilen vor dem kleinen Hafen von Molyvos entdeckt worden. Eine Frau konnte von vorbeifahrenden Booten gerettet werden. Sie sei in einem Schockzustand und könne nicht sagen, wie viele Menschen an Bord des Flüchtlingsbootes gewesen sind, das offenbar kenterte. Das Boot sei komme aus der Türkei, hieß es.

(rt deutsch / dpa)