Gewalt und hohe Jugendarbeitslosigkeit in Schweden: Zahl der erschossenen Teenager steigt

Gewalt und hohe Jugendarbeitslosigkeit in Schweden: Zahl der erschossenen Teenager steigt
Die schwedische Nationalflagge auf Halbmast nach dem Anschlag von Stockholm, während einer offiziellen Zeremonie im Stockholmer Rathaus, Schweden, 10. April 2017.
Die Anzahl der Erschossenen in Schweden steigt. Betroffen sind immer mehr Minderjährige. Auch die Täter entstammen der gleichen Altersgruppe. Ein Grund sei die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Diese liegt mit 18,2 über dem EU-Durchschnitt.

US-Präsident Donald Trump brachte den Schweden ungewollte Aufmerksamkeit. Mit seiner Aussage "Look at what happened last night in Sweden" fand die internationale Presse Krawallnächte und Schießereien in Schwedens No-Go-Zonen. Die schwedische Regierung erfand für sie den Terminus "sensible Gegenden". 

Eine Blutspur im Schnee, wo zwei Männer in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag erschossen wurden; Kista, Stockholm, Schweden, 9. März 2017.

Immer mehr Teenager fallen Bandenkriegen zum Opfer. Ohne Aussicht auf einen Platz in der Gesellschaft finden sie den Weg in die Kriminalität, um schnell an Geld zu kommen. Zwischen 2001 und 2010 waren es noch sieben Teenager und zwischen 2011 und 2015 bereits zehn. Sven Granath, Analyst der Stockholmer Polizei, gegenüber den SVT-Nachrichten:

Dies sind niedrige Zahlen, aber sie zeigen den Anstieg Derjenigen, die auf diese Weise umkommen. Wenn es mehr Waffen und Gewalt gibt, dann steigen leider auch die Zahlen (der Waffen) an den Schulen.

Die Täter entstammen meist der gleichen Altersgruppe, so Granath. Auch die Verletzungen zeigen ein ähnliches Bild. Zwischen 2011 und 2015 wurden 157 Menschen durch Schusswaffen verletzt, darunter 58 junge Opfer. Ernst zu nehmende Verletzungen unter Jugendlichen sind kein Novum, normalerweise sind jedoch Alkohol und Messer im Spiel gewesen. Nun sind es Schusswaffen. Gegen die Ghettoisierung wurde von der schwedischen Regierung eine neue Behörde ins Leben gerufen, die das Problem lösen soll, um noch mehr Kriminalität zu verhindern.

Nach dem Attentat von Stockholm kündigte der schwedische Premierminister Stefan Löfven ein Ende der Masseneinwanderung an. Der geständige Täter war ein abgelehnter Asylbewerber aus Usbekistan, der sich mit falschen Identitäten einer Abschiebung entzog. Das schwedische Regierungsoberhaupt zeigte sich frustriert, denn Rakhmat Akilov war einer von Tausenden untergetauchten Flüchtlingen, deren Gesuch die schwedische Einwanderungsbehörde ablehnte. Es wurde errechnet, dass die Zahl der Untergetauchten bis 2021 auf 50.000 steigen könnte. 

Stockholm nach dem Anschlag: Blumen und Solidaritätsbekundungen; Schweden, 8. April 2017.

Gegen illegale Arbeiter wollte die Regierung ebenfalls vorgehen.  Auch Akilov arbeitete zeitweise auf dem Bau. Seine Kollegen sagten, dass er sich nie radikal geäußert hätte. Anscheinend war er sich selbst überlassen. Sein Profil auf Facebook zeigte seine Sympathien zu radikal-islamischen Gruppen wie Hizb ut-Tahrir, einer Gruppe, die in Deutschland und Russland verboten ist. Er träumte aber auch von einem säkularen Leben in Wohlstand, was für ihn unerreichbar schien. 

Im Februar 2017 lag die Jugendarbeitslosigkeit in Schweden über dem EU-Durchschnitt bei 18,2 Prozent. Im März wurden sogar 21,4 Prozent errechnet. In Deutschland lag sie im Vergleich nur bei 6,6 Prozent. Die Spitze führt Griechenland mit 45,2 Prozent an.

Die Zentren der Gewalt sind in Malmö, Stockholm und Göteborg. Die Polizei versucht allein in Stockholm, 12 Bandenkriegen zu beenden.