Frühe Indoktrinierung: Schwedische Schüler sollen Fake News erkennen

Frühe Indoktrinierung: Schwedische Schüler sollen Fake News erkennen
Schwedische Schulkinder versammeln sich, um ein Astrid-Lindgren-Lied in Gedenken an die verstorbene Autorin zu singen; Schweden, Vimmerby, 14. November 2007.
Das Kurrikulum für schwedische Grundschüler wird modernen Zeiten angepasst. Neben vertieftem Wissen in der Programmierung ist auch das Erkennen vermeintlicher Fake News Teil des Stundenplans der Zukunft. Aber wer entscheidet, was eine sichere Quelle ist?

Erziehungsminister Gustav Fridolin preist das technische Know-How der schwedischen Nation und will daran festhalten. Ab Juli 2018 werden deshalb bereits Grundschüler im Programmieren unterrichtet. Ein verständlicher Schritt. Aber die Schüler sollen nun auch, wie es heißt, zwischen verlässlichen und unverlässlichen Quellen unterscheiden lernen. Fridolin:

Es herrscht Naivität, wenn es um unsere Informationsgesellschaft geht. Die Idee, dass alles Wissen nur einen kurzen Mausklick weit entfernt ist und dass wir nicht so viel zu wissen brauchen wie zuvor. Es ist das genaue Gegenteil: Wir brauchen Basiswissen im Lesen, Schreiben, Rechnen, damit wir nicht getäuscht werden können, aber wir müssen auch kritischer gegenüber Ressourcen sein.

Selbst Bamse, ein schwedischer Comicbuchheld, will an dieser neuen Mission der schwedischen Regierung teilhaben. Das erste Comicbuch zu diesem Thema, veröffentlicht im Februar, trägt den Titel "Bamse und der dunkle Wald". Bamse wurde bereits 1966 ins Leben gerufen und schreckte noch nie vor kritischen Themen, wie Rassismus, Geschlechterdiskriminierung und Drogensucht zurück.

In einem Auszug aus dem neuen Comic-Buch, dass mit der Zeit geht, behauptet Bamses kleiner Freund Little Skutt nun unerwartet: "Der Bär [Bamse] wird nicht mehr durch das Essen von Honig stark." Die Schildkröte fragt daraufhin, ob er denn die Quelle überprüft habe. Little Skutt antwortet: "Habe ich im Internet gelesen." Es stellt sich am Ende für die kleinen Leser heraus: Die Falschmeldungen wurden von Bamses Feinden ins Netz gestellt, denn jeder Bamse-Fan weiß, dass der kleine Bär - Diabetes hin oder her - seine Kraft durch den Honig bezieht.

Fridolin:

Man muss wissen, wem man vertrauen kann, was der Unterschied zwischen einer seriösen Medienfabrik und einer Propagandaseite ist. Und wie sicher kann man sich sein, dass das Bild der Wahrheit durch Fakten geformt ist und nicht von einer Person, die will, dass man in eine bestimmte Richtung denkt?

Aber wer entscheidet in den schwedischen Klassenräumen ab dem kommenden Jahr, was eine verlässliche Quelle darstellt? Als besonders falsche Quelle sieht die schwedische Regierung alle russischen Nachrichtenportale. Insbesondere Sputnik News soll mit Falschinformationsattacken Schweden im Visier gehabt haben. Die Regierung formt ihre Bürger von morgen. Wer nun spontan an die DDR denkt, in der einst "Bummi" und Karl-Eduard von Schnitzler einen ähnlichen Part erfüllten, dürfte als Teil des Problems wahrgenommen werden.

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