Per Los in den Krieg gegen Putin: Die neue Wehrpflicht in Schweden

Per Los in den Krieg gegen Putin: Die neue Wehrpflicht in Schweden
Ein Soldat auf der HMS Malmö zielt auf ein verdächtiges Schiff von Piraten im Golf von Aden; 26. Mai 2009.
In den Kampf gegen Putin per Losverfahren: Angesichts einer veränderten Sicherheitslage und der Unattraktivität des Militärs als potenzieller Arbeitgeber für Jugendliche will Schweden die Wehrpflicht wiedereinführen. Vorerst nur für ausgewählte Jugendliche.

Im Jahr 2010 beschloss die schwedische Regierung, dass der verpflichtende Dienst an der Waffe ruhen sollte. Das entsprechende Gesetz wurde ausgesetzt.

Doch nun ist eine andere Zeit angebrochen. Sie erinnert an die des Kalten Krieges. Mehr als 200 Jahre ist es her, dass sich Schweden zum letzten Mal im Krieg befand. Aber nun beschwört der politisch-mediale Komplex regelmäßig einen möglichen Krieg gegen Russland herauf.

Mittlerweile erscheint der schwedischen Regierung die Bedrohungslage sogar schon wieder als so groß, dass sie zumindest teilweise die Wehrpflicht wiedereinführen will. Schon bald sollen die ersten Wehrpflichtigen wieder aktiviert werden. Der Verteidigungsminister Peter Hultqvist erklärt gegenüber den schwedischen Nachrichten SVT:

Wenn wir komplette und trainierte Militäreinheiten haben wollen, muss der freiwillige Wehrdienst mit der Wehrpflicht gekoppelt werden.

Eine afghanische Frau hält hilfesuchend eine schwedische Flagge hoch, Griechenland, Hafen von Piraeus, 8. April 2016.

In Norwegen gibt es bereits ein System, welches eine solche Mischform darstellt. Wenn der entsprechende Entwurf im Parlament angenommen wird, könnten alle jungen Männer und Frauen, die zwischen 1999 und 2000 geboren wurden, aufgefordert werden, sich zu registrieren. Dies würde rund 100.000 Jugendliche betreffen. Unter diesen würden dann 4.000 ausgewählt, die zwischen 2018 und 2019 für einen möglichen Krieg gegen Russland trainieren sollen.

Schweden machte 2016 eine Umfrage zur Wehrpflicht. Diese soll ergeben haben, dass 72 Prozent der Befragten für deren Wiedereinführung eintreten. Die jungen Soldaten könnten auf der Insel Gotland stationiert werden. In dem beschaulichen Urlaubsidyll an Schwedens Ostküste verbringt die schwedische Königsfamilie gerne Zeit im Sommer und auch Pippi Langstrumpf kann hier besucht werden.

Aber seit einigen Monaten sind hier auch Soldaten stationiert, die auf den Einfall der Russen warten und für den Ernstfall proben. In der schwedischen Presse kursierten Nachrichten, dass es nach dem Aufmarsch der Soldaten auch bereits russische Spione auf die Insel geschafft hätten, die dort, getarnt als Touristen, Soldaten ausfragten. Eine Lösung für das Problem der Ungleichbehandlung zwischen jenen, die letztendlich einberufen werden, und denjenigen, denen die Wehrpflicht erspart bleibt, gibt es nicht. Selbst die moderaten Kräfte in der Regierung sind für dieses Modell einer Wehrpflicht in Schweden.

Ende Februar hatte das schwedische Militär einen Imagefilm veröffentlicht, in dem sie die Wichtigkeit des Militärs für Schweden erklärt und das Gute, dass dieses in die Welt hinaus trägt. Gelder für das Militär seien Investitionen in die Sicherheit Schwedens.

Nachdem Präsident Trump jüngst angekündigt hatte, weiter in die Rüstung zu investieren, zeigte sich die schwedische Außenministerin Margot Wallström besorgt:

Wenn Länder wie die USA ihre Militärausgaben erhöhen, dann besteht das Risiko, dass andere Länder sich gezwungen fühlen, dem zu folgen.

Aber es ist nicht nur der imaginäre russische Feind, der das kleine nordische Land bedroht. Viel visueller sind jene Probleme im Land, die viel eher den Gedanken aufwerfen, die Armee einzusetzen.

Ein Politiker der Schwedendemokraten forderte jüngst beispielsweise den Einsatz des Militärs in Problembezirken wie Rosengård in Malmö. Der Ort kommt immer wieder in die Schlagzeilen für seine Bandenkriege und Kriminalität.

Insbesondere nach Trumps Ausspruch "Look what happened last night in Sweden" ist eine Debatte entbrannt, die sich um die Asylpolitik in Schweden dreht und um die Frage, ob hierauf eine steigende Kriminalität zurückzuführen ist.

Die mit der Migration verbundenen Kosten für Schweden wurden im Jahr 2016 mit fünf Milliarden Euro bemessen. Die Kosten für Justiz und Polizei lagen eine Milliarde darunter. Auch das Militär gab weniger aus.