Europa erstrahlt neu: US-Amerikaner wollen mysteriöse radioaktive Strahlung über Europa messen

Europa erstrahlt neu: US-Amerikaner wollen mysteriöse radioaktive Strahlung über Europa messen
Ein Arbeiter misst die Strahlung eines Busfensters der Firma TEPCO (Tokyo Electric Power Company) in Fukushima, 12. Juni 2013.
Quer durch Europa macht sich radioaktives Material breit und sorgt für Spekulationen. Jod-131 tritt vor allem nach Reaktorunfällen und atomaren Tests auf. Für das deutsche Institut eine Folge des Winterwetters, aber die USA glauben an Atomtests der Russen.

Bei Jod-131 handelt es sich um ein menschengemachtes radioaktives Material, das derzeit in kleinen Mengen den europäischen Kontinent neu erstrahlen lässt und diesen mit amerikanischen Aufklärungsflugzeugen segnet.

Der nukleare Riecher (Sniffer) soll aufdecken, woher die Strahlung kommt, die zuerst im Januar in Norwegen gemessen wurde. Jod-131 kommt in hoher Konzentration in den Reaktoren zwischen den Brennstäben vor. Im Störfall entweicht dieses als Erstes. Schilddrüsenkrebs, insbesondere bei jüngeren Menschen und Kindern, ist eine mögliche Folge der hohen Aufnahme des Jod-131. Dies hatten Studien bereits nach den Atomwaffenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki ergeben. Durch den als "Fallout" bezeichneten nuklearen Regen gelangen die hohen Jod-Konzentrationen in die Körper der Menschen und hinterlassen irreparable Schäden.

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Was käme aber als Ursache für ein Auftreten der Substanz in Frage? Dieses apokalyptische Gedankenspiel, wuchs nun zum Politikum heran. Ungewöhnlich war die Tatsache, dass das Jod-131 alleine auftauchte, ohne dass mit ihm zusammen auch noch andere radioaktive Materialien aufgetreten wären. Bekannt ist das konzentrierte Aufkommen des Stoffs in unserer jüngsten Geschichte von Atomunfällen in Tschernobyl und Fukushima, oder aber auch nach Atomwaffentests. Nach dem Unfall in Fukushima wurde das Jod-131 in Teilen Englands festgestellt. Ein Gesundheitsrisiko gab es damals nicht.

Während in Tschernobyl die Gefahr gebannt zu sein scheint, bereitet die beschädigte Nuklearanlage in Japan weiterhin Probleme. Trotz noch bestehender Gesundheitsgefährdung drängt die japanische Regierung die Menschen bereits wieder zurück in das von Strahlung verseuchte Gebiet und kündigt ihnen die Unterhaltskosten ab Ende März. Greenpeace warnte, die Strahlenmesswerte in dem Gebiet könnten so hoch seien wie in der Sperrzone Tschernobyls. Ai Kashiwagi, der Leiter der Energiekampagne der Organisation, erklärte in einer Pressemitteilung:

Die relativ hohen Strahlenwerte innerhalb sowie außerhalb der Wohnhäuser sind ein inakzeptables Strahlenrisiko für die Menschen, wenn sie zurückkehren wollen. Rückkehrer in ihre verstrahlten Häuser gehen das Risiko ein, Strahlen aufzunehmen, die einem wöchentlichen Röntgengang entsprechen. Dies ist nicht normal, und es ist inakzeptabel. 

Der Strahlenspezialist von Greenpeace Belgien, Jan Vande Putte, kritisierte die Abe-Regierung, dass diese ihre Entscheidung auf keinerlei Studien stützen würde. 

Das vollständige Ausmaß der Katastrophe von Fukushima ist auch nach sechs Jahren noch nicht vollständig bezifferbar. Auch der Rückbau des Unglücksreaktors wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

In der derzeitigen Diskussion um das europäische Strahlenvorkommen steht aber auch die Möglichkeit eines nicht gemeldeten Unfalls in einem pharmazeutischen Institut. Starke Winde lassen derzeit keine genaue Ortung des Ursprungs zu. Die Quelle soll sich irgendwo in Osteuropa befinden. Und hier genau setzt die Fantasie an und füllt die Lücken der Wissenschaft, um uns aufzuklären. 

Daher nehmen auch die Amerikaner das Vorkommen der Strahlen über Europa sehr ernst und spekulieren, dass die Ursache in Russland liegt.

Das europäische Institut für Strahlenschutz IRSN, mit Sitz in Frankreich, hat die Aufgabe, die Bevölkerung vor gesundheitsgefährdeten Strahlen zu warnen. Unter der Schirmherrschaft des IRSN soll ein Zusammenschluss europäischer Experten namens Ring of Five über Gefahren informieren. Vorstellig wird das Projekt auf dessen Webseite durch Darstellungen über eine erhöhte Strahlenmessung aus dem Jahr 2015, als ungewöhnlich hohe Messwerte in Schweden vorkamen. Am Ende wurde die Quelle irgendwo in Russland vermutet. Ein Institut, das sich auf Verschwörungstheorien beruft? 

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bleibt wissenschaftlicher. Es bestätigte geringe Konzentrationen von Jod-131, Millionstel Becquerel pro Kubikmeter und weniger, in der Bodennähe Freiburgs und will nichts von einem nuklearen Unfall oder atomaren Test wissen. Im Gegenteil: Zu einem messbaren Vorkommen käme es des Öfteren in den Wintermonaten, und dies sei ein natürliches Phänomen. Das Amt meint dazu:

Es handelt sich um sehr niedrige Werte, die nur von hochempfindlichen Detektoren überhaupt registriert werden und die keinerlei Anlass zur Besorgnis geben. Derartige Nachweise sind nichts Ungewöhnliches und wurden auch in der Vergangenheit schon beobachtet, meistens im Winter bei stabilen Hochdruckwetterlagen mit geringen Windgeschwindigkeiten und Inversion. Aktuell wurden geringe Konzentrationen von Jod-131 zunächst in der 2. Kalenderwoche 2017 in Nord-Norwegen, Finnland sowie der Tschechischen Republik und in den folgenden Wochen auch in Deutschland, Frankreich und Spanien nachgewiesen. Wo die Quelle liegt bzw. ob es sich um eine oder mehrere Quellen handelt, lässt sich derzeit kaum rekonstruieren. 

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Die US-amerikanischen, so genannten Riecher-Flugzeuge (Sniffer) können bis zu 33 Menschen transportieren und sollen nun erforschen, was das Deutsche Institut auf die Wetterverhältnisse zurückführt und idealerweise eine gegnerische Quelle ausfindig machen, die Europa die harmlosen Strahlen beschert. Das WC-135 ist ein Flugzeug vom Typ Boeing C-135 und gehört der amerikanischen Luftwaffe.

In der Atmosphäre sollen nun mögliche nukleare Explosionen identifiziert und ausfindig gemacht werden. Die Positionierung dieser Flugzeuge auf dem europäischen Kontinent ist ungewöhnlich. Der Schnüffler befand sich zunächst auf der koreanischen Halbinsel, um dort die Strahlen nach den Raktentests Kim Jong Uns zu messen. Anschließend wurde er nun nach England verlegt.

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