Proteste in Frankreich: Schlagstock in Anus gerammt - Polizei spricht von "bedauernswertem Unfall"

Proteste in Frankreich: Schlagstock in Anus gerammt - Polizei spricht von "bedauernswertem Unfall"
Der französische Staatspräsident François Hollande besuchte den Verletzen Théo L. im Krankenhaus.
Einem jungen Mann im Pariser Vorort Aulnay-sous-Bois ist von Polizisten gewaltsam ein Schlagstock in den After gerammt worden. Er musste notoperiert werden. Eine erste interne Untersuchung der Polizei kommt zu dem Schluss, dass es sich dabei um einen "bedauernswerten Unfall" gehandelt habe.

Es ist die vierte Krawallnacht in Folge. In dem Vorort von Paris brennen Autos, ein Kindergarten wurde angezündet. Ausgelöst wurden die gewaltsamen Unruhen durch die Festnahme und Misshandlung des 22-jährigen namens Théo L. Bei seiner Festnahme am 2. Februar waren die Polizeibeamten mit äußerster Gewalt vorgegangen.

Hat seine eigene Sichtweise, wenn es um die französische Kultur geht: Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron.

Auf einem Video sind Ausschnitte der Festnahme zu sehen. Die Polizisten wurden von ihrem Dienst suspendiert, gegen einen der Beamten läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung. Eine interne Untersuchung der französischen Polizei kommt laut dem Nachrichtensender LCI zu dem Ergebnis, dass die Verletzung mit dem Schlagstock im After "nicht mit Absicht" ausgeführt worden sei.

"Es sein ein ernster und bedauernswerter Unfall." Es ist nicht das erste Mal, dass es in Aulney-sous-Bois im Départment Seine-Saint-Denis zu Ausschreitungen kommt.

Im November 2005 verunglückten in Paris zwei Jugendliche bei der Flucht vor der Polizei tödlich. Sie hatten die Absperrung zu einem Transformationshäuschen überklettert und wurden von Stromschlägen getroffen. Daraufhin kam es in mehreren Vororten von französischen Städten zu massiven Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die sogenannten „Banlieues“ entstanden in Frankreich zumeist in den 1950er Jahren und galten als attraktive und günstige Wohngebiete. Seit den 1980er Jahren gelten sie jedoch als Problemviertel mit Armut, Verfall und zunehmender Kriminalität. Sozialräumliche Ausgrenzung, infrastrukturelle Mängel und politische Vernachlässigung bilden seither eine explosive Mischung, die sich regelmäßig in kollektiver Gewalt entlädt. 

Bei den Unruhen vor zwölf Jahren gingen rund 10.000 Autos und 300 Gebäude in Flammen auf, die Regierung verhängte den Ausnahmezustand, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Die Tatsache, dass der französische Staatspräsident François Hollande den verletzen Théo L. am Dienstag im Krankenhaus besucht hat, belegt wie politisch sensibel das Thema ist. Die französische Regierung möchte unter allen Umständen eine Eskalation wie im 2005 verhindern.

Le Pen will an Terrorismus beteiligten Franzosen die Staatsbürgerschaft aberkennen

Théo L. wird von der Polizei des Drogenhandels verdächtigt. Er selbst beteuerte nur, am "falschen Ort, zur falschen Zeit" gewesen zu sein. Er habe angesichts der "giftigen Situation" beschwichtigend eingreifen wollen, doch den Polizisten sei es missfallen, dass er sich einmischte. Man habe ihn sofort aggressiv angegangen, mit Beschimpfungen und Schlägen und anschließend mit dem Schlagstock.

Die politischen Reaktionen auf den Vorfall sind geteilt. Während der Bürgermeister des Pariser Vorortes, ein Mitglied der konservativen Partei Les Républicains, sich für das Opfer und seine Familie aussprach, verteidigte die Präsidentschaftskandidatin des Front National, Marine Le Pen, dass Vorgehen der Polizei.

Sie stehe ohne Einschränkung hinter der Polizei, die es in diesen Vierteln mit „Racaille“, zu Deutsch „Gesindel“, zu tun habe.

Der verletzte Théo L. rief während des Besuchs von François Hollande zu Frieden und einem Ende der Gewalt auf.

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