Terror gegen politisch Andersdenkende: Rechtsradikales Pogrom gegen Kunstausstellung in Kiew

Terror gegen politisch Andersdenkende: Rechtsradikales Pogrom gegen Kunstausstellung in Kiew
Maskierte überfielen die Ausstellung „Versäumte Möglichkeiten“ des Künstlers David Tschitschkan im Kiewer Zentrum für visuelle Kunst. Der Künstler hatte am Maidan teilgenommen, den Krieg in der Ost-Ukraine aber kritisiert.  

von Ulrich Heyden, Moskau

Am Dienstagabend wurde im Kiewer Zentrum für visuelle Kunst die Ausstellung des Künstlers David Tschitschkan von maskierten Rechtsradikalen zerstört, der Wachmann wurde verprügelt und die Bilder zerrissen.

An den Wänden wurden Parolen gesprüht wie "Es lebe die Ukraine", "Sprachrohr Moskaus", "Separatist".

Der Künstler Tschitschkan ist Anarcho-Kommunist. In seinen Bildern macht er sich über ukrainischen Ultranationalisten ebenso lustig wie über Soldaten der international nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk.

Das Internetportal Ukrainskaja Prawda schreibt über den Künstler Tschitschkan, dieser habe versucht, "den Maidan umzudeuten als Revolution, die ihr Ziel nicht erreicht hat und ihr emanzipatorisches Potential nicht entfalten konnte, was dann zum Krieg führte".

Das ukrainische Internetportal Strana.ua berichtet, Tschitschkan habe sich über die von der ukrainischen Regierung betriebene „Dekommunisierung“ lustig gemacht. Der Künstler habe vorgeschlagen, nicht nur die Hinterlassenschaft der Sowjetunion zu „dekommunisieren“ sondern auch die der ukrainischen Sozialisten und Schriftsteller, Iwan Franko (1856 bis 1916), Michail Dragomanow (1841 bis 1895) und Lesja Ukrainka (1871 bis 1913).

 Der ermordete Anwalt Juri Grabowski

Rechtsradikalen Terror gegen Russland-freundliche und linke Organisationen gab es schon während des Maidan. Von den deutschen Medien wurde dieser Terror komplett übersehen.

+ Am 5. Dezember 2013 wurden die linken Aktivisten und Vertreter der Föderation unabhängiger Gewerkschaften der Ukraine, Aleksandr Lewin und Denis Lewin, auf dem Maidan von 30 Rechtsradikalen verprügelt, ihre Lautsprecheranlage wurde zerstört http://1intclub.livejournal.com/281158.html .

+ Am 18. Januar 2014 wurde das Büro der Russland-freundlichen „Partei der Regionen“ in Kiew von Ultranationalisten in Brand gesetzt http://kp.ua/politics/439271-vozle-ofysa-partyy-rehyonov-pozhar .

+ Am 9. April 2014 stürmten Rechtsradikale das Büro der Kommunistischen Partei der Ukraine in Kiew, verwüsteten es https://www.youtube.com/watch?v=gWJCkGDz8PA und steckten es in Brand https://www.youtube.com/watch?v=hMuShxaf83U .

+ Nachdem auch Aktivisten der Links-Organisation Borotba in Kiew von Ultranationalisten bedroht wurden, flüchteten diese in das ostukrainische Charkow, wo sie ihre Tätigkeit fortsetzten. Nachdem das Borotba-Büro in Charkow von Ultranationalisten verwüstet wurde, flüchteten die Links-Aktivisten auf die Krim.

Mitglieder der Partei der Regionen flüchteten, zum Teil mit ihren Familien, nach Russland. Politische Flüchtlinge aus der Ukraine gibt es heute auch in Polen, Deutschland und anderen Ländern.

In Deutschland haben es politische Flüchtlinge aus der Ukraine nicht leicht.

+ Das Borotba-Führungsmitglied Sergej Kiritschuk wurde im Internet als „Stalinist“  denunziert. Im Sommer 2014 wurden Veranstaltungen  der LINKEN mit ihm in Hamburg und Kiel abgesagt, andere – wie in Nordrhein-Westfalen – fanden allerdings statt.

+ Der Überlebende des Brandes im Gewerkschaftshaus von Odessa, Oleg Musyka wurde im Internet massiv als „russischer Nationalist“ attackiert. Das „Haus der Demokratie“ in Berlin zog im Dezember 2015 eine Zusage für die Veranstaltung eines Film-Festivals zum Brand im Gewerkschaftshaus von Odessa zurück.

Terror gegen politisch Andersdenkende in der Ukraine ist kein Thema in den großen deutschen Medien. Deckt Deutschland mit seinem Schweigen etwa Faschisten? Wer so etwas fragt, setzt sich dem Verdacht aus, "Sprachrohr Putins" zu sein.

 

 

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