Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron: "Es gibt keine französische Kultur"

Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron: "Es gibt keine französische Kultur"
Hat seine eigene Sichtweise, wenn es um die französische Kultur geht: Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron.
Der unabhängige Kandidat für die französischen Präsidentschaftswahlen im Mai leugnet in einer Rede die Existenz einer französischen Kultur. Politiker der Rechten möchten ihm in den sozialen Medien das Gegenteil beweisen. Unter anderem mit einem Schinkenbrot.

"Leugner", "Globalisierungs-Dümmling" - die Reaktionen auf Emmanuel Macrons Äußerungen haben es in sich. Während einer Konferenz seiner Bewegung En Marche! (Vorwärts!) in Lyon soll der ehemalige Wirtschaftsminister laut französischen Medien folgende Äußerung getätigt haben:

Es gibt keine französische Kultur. Es gibt eine Kultur in Frankreich. Und die ist verschiedenartig.

Der erst 38-jährige Macron, der gerne mal die Philosophen Paul Ricoeur und Jürgen Habermas zitiert, gilt als Liebling der linksliberalen Intelligenzija. Macron fordert "eine demokratische Revolution, eine demokratische Revolution für Europa", und möchte den "roten Faden des tausendjährigen europäischen Projekts wiederfinden".

Französischer Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron

Zurzeit liegt er nach den neuesten Umfragen auf Platz zwei hinter Marine Le Pen. Damit hat er den in Skandale verwickelten Favoriten François Fillon bereits hinter sich gelassen, der aktuell nur auf Platz drei geführt wird.

Mit seinen Äußerungen hat sich Macron zumindest bei den Konservativen in die Nesseln gesetzt. Die Steilvorlage wurde von einigen Vertretern des bürgerlichen und rechten Lagers dankend aufgenommen.

Der Rechtsanwalt und Generalsekretär der Bewegung Rassemblement Bleu Marine, Gilbert Collard, einer mit dem Front National verbündeten Organisation, spielt auf Macrons Vergangenheit als Banker an. Sein Tweet lautet:

Für Macron existiert die französische Kultur nicht: Schon klar, ein Bankkonto hat ja auch noch nie "Die Elenden" [Roman von Victor Hugo] und die Börse noch nie "Germinal" [Roman von Émile Zola] geschrieben!

Der ehemalige Journalist und jetzige Bürgermeister von Béziers, Robert Ménard, schlägt mehr oder weniger in dieselbe Kerbe. Sein Tweet hier:

Für den Auserwählten der Banken gibt es keine französische Kultur. Macron ist ein Kandidat der Leugner.

Kommt immer stärker in Bedrängnis: der Präsidentschaftskandidat der Konservativen, François Fillon.

Leugner hat in Frankreich eine etwas andere Bedeutung als zum Beispiel in Deutschland, wo dieser Begriff nahezu ausschließlich im Kontext mit der Leugnung des Holocaust verwendet wird. In Frankreich gilt als "negationiste", wer eine beliebige historische Tatsachen in Abrede stellt.

Die Politikerin Anne Lorne von der konservativen Partei Les Républicaines ist ebenfalls nicht begeistert. Ihr Tweet lautet:

Es gibt keine französische Kultur sagt Macron! Globalisierungs-Dümmling, Identitäts-Vergesser = ein reines Produkt der letzten 30 Jahre.

Das Schlusswort soll der Ehrenpräsidentin der Christdemokraten, Christine Boutin, gehören. Sie postete das Foto eines traditionellen französischen Schinkenbrotes und schrieb zusammen mit dem Hashtag #VerteidigeDeineFranzösischeKulturGegenMacron einfach nur:

Das Schinken-Butter-Brot

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