Filigranes Nation Building: EU fördert Entwicklung von Tourismus zwischen Kosovo und Albanien

Filigranes Nation Building: EU fördert Entwicklung von Tourismus zwischen Kosovo und Albanien
Offiziell will die EU mithilfe ihrer jüngsten Ausschreibung den Tourismus zwischen Kosovo und Albanien fördern. Kritiker wittern hingegen den weiteren Versuch eines großalbanischen Nation Buildings - und eine Plattform für kriminelle Banden, um Geld zu waschen.
Die EU sucht nach Organisationen, die den Tourismus im Kosovo und in Albanien ausbauen. Dazu sollen mehr als zwei Millionen Euro bereitgestellt werden. Experten warnen, das Geld könnte in die Hände von kriminellen Clans gelangen.

Brüssel will Non-Profit-Organisationen aus dem Umfeld der Fremdenverkehrswirtschaft bis zu 2,04 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Ihre Aufgabe soll es sein, damit den Tourismus im Grenzgebiet zwischen dem Kosovo und Albanien ausbauen. Der Wettbewerb um die begehrten Fördermittel ist bereits im Gange. 

Dies wird anhand einer Ausschreibung auf der Webseite der EU-Kommission deutlich, auf der die Bedingungen für die Teilnahme aufgelistet sind. Anträge werden noch bis zum 16. Februar 2017 entgegengenommen. Die Teilnehmer sollen einen Plan vorlegen, auf welche Weise sie jeweils einen Anstieg der Touristenzahlen in der Region bewirken wollen.

Die Förderungen sind für die Bewerber im Rahmen des ersten Projektwettbewerbs für Programme zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Albanien und dem Kosovo bis 2020 vorgesehen. […] Die besondere Aufgabe der Projektausschreibung ist es, die sozial-wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen sowie die gutnachbarschaftlichen Beziehungen in ausgewählten Bereichen zu stärken, indem die Zusammenarbeit auf den Ebenen von Privatpersonen, Gemeinschaften und Institutionen gefördert wird", heißt es in der Beschreibung zum Wettbewerb.

Gemäß den Bedingungen der Ausschreibung können Tourismusfirmen oder zivilgesellschaftliche Organisationen, die in Albanien oder im Kosovo einen Sitz haben, zu Anwärtern auf die EU-Gelder werden.

Jeder beantragte Zuschuss, der von den Bewerbern angefragt wird, sollte einen Wert zwischen 250.000 und 500.000 Euro aufweisen. […] Der geplante Zeitraum soll folgende Voraussetzungen erfüllen: minimum 1,5 Jahre, maximum drei Jahre", wird im Dokument erläutert.

Die Teilnehmer sollen einen Plan über den Ausbau des Tourismus in der Region sowie die Pflege von Objekten des kulturellen Erbes und der Umwelt vorlegen. Insbesondere können sich die Organisationen mit dem Ausbau der aktiven Erholung und des Gesundheitsurlaubs beschäftigen. Möglich wäre auch die Durchführung von Festivals, Wettkämpfen sowie die Entwicklung von Touristenwebseiten.

Außerdem müssen die vorgelegten Pläne der Werber - wie könnte es anders sein? - den so genannten europäischen Werten entsprechen.

Bei der Überprüfung der Bewerbungen wird der Stelle im jeweiligen Projekt eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, die sich unter Einbeziehung seiner Ziele und Aufgaben den Schlüsselprinzipien der Europäischen Union widmet. […] Zu diesen Prinzipien werden Geschlechtergleichberechtigung, Schutz der Rechte von Minderheiten, gleiche Möglichkeiten für Behinderte, Demokratie sowie eine effektive Führung gezählt", ist der Beschreibung zu entnehmen.

Die Autoren des Dokuments zählen jene Regionen des Kosovos und Albaniens auf, wo die Organisationen den Tourismus ausbauen sollen. In Albanien sind dies die Städte Lezha und Kukës, im Kosovo die westlichen und südlichen Regionen, zu denen die Gemeinden Peja, Deçan, Mamushë, Prizren gezählt werden.

Geldwäsche unter dem Deckmantel des Tourismus

Milan Babic, ein unabhängiger serbischer Journalist und Experte für Sicherheit, äußerte seine Bedenken zum Vorgehen der EU in dieser europäischen Region. Er ist der Meinung, dass die EU auf diese Weise einen Versuch unternimmt, das Kosovo mit Albanien zu vereinen.

Das Ziel dieser Projekte, die im Kosovo und Albanien gestartet werden, ist ihre Integration in einen geeinten wirtschaftlichen, politischen und infrastrukturellen Raum. […] Es ist möglich, dass die EU ein Fundament für eine gemeinsame touristisch-wirtschaftliche Zone an der Grenze zwischen dem Kosovo und Albanien schaffen möchte", sagte Babic in einem Interview mit RT.

Dabei merkte er an, dass Versuche einer derartigen Vereinigung bereits zuvor schon mal eher zum Wachstum der Kriminalität in der Region geführt haben.

Die Erleichterung der Fortbewegung zwischen dem Kosovo und Albanien hat in einem hohen Maße den illegalen Handel mit Drogen, Waffen, Menschen und deren Organen gefördert. […] Auf dem Balkan wird eine einheitliche Basis für kriminelle Strukturen geschaffen, die in ganz Europa tätig sein werden", unterstrich der serbische Experte.

Weiter erklärte der Journalist, dass kriminelle Clans am Ausbau des Tourismus in Albanien sowie im Kosovo interessiert sind, um ihre Einnahmen aus illegalen Geschäften leichter legalisieren zu können.

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"Die Schaffung einer gemeinsamen touristisch-wirtschaftlichen Zone an der Grenze zwischen Albanien und Serbien führt zu Investitionen in die Region. Das schafft aber auch große Möglichkeiten für die örtlichen kriminellen Kartelle, Geld zu waschen. […] Wenn man die Verbindungen des Präsidenten des Kosovo, Hashim Thaçi, zum organisierten Verbrechen bedenkt, wird klar, dass dieses Projekt hauptsächlich für Geldwäsche von Schwarzgeld durch die Kartelle vorgesehen ist", betonte Babic.

Serbien wird umgangen

Andrej Manojlo, ein Professor der Politikwissenschaften und Mitglied der Akademie für Militärwissenschaften, hat in einem Gespräch mit RT allerdings auch noch einen anderen Gedanken geäußert. Er meint, dass die EU es sich möglicherweise zum Ziel gemacht hat, kriminelle und terroristische Gruppierungen auf dem Territorium des Kosovos auf eine um die Ecke gedachte Art und Weise zu beseitigen.

Der Moment für die Ausschreibung des Wettbewerbs wurde nicht zufällig ausgewählt. Die terroristische Gefahr in Europa wächst. Das Kosovo ist einer der Hauptkanäle für den Transit von Terroristen nach Europa. […] Unter dem Deckmantel des Tourismus wollen die EU-Behörden das Kosovo in Albanien 'auflösen', um eine Migration der Albaner in diese kriminelle Enklave zu ermöglichen und die Terroristen auf diese Weise hinauszudrücken", schilderte der Politikwissenschaftler.

Der Professor ist der Meinung, dass die Europäische Union außerdem eine maximale Distanz zwischen dem Kosovo und Serbien erreichen will.

Die EU wartet, bis sich eine ausreichende Menge an Albanern im Kosovo niedergelassen hat und führt dann ein Referendum über den Anschluss des Territoriums an Albanien durch, wodurch die Frage über die Ansiedlung von Serben im Kosovo endgültig hinfällig wird", erklärte der Experte.

Dabei merkte er an, dass dieser Versuch der EU scheitern könnte.

Die freigewordene kosovarische Bandenkriminalität wird damit beginnen, sich die Kriminellen in Albanien zu unterwerfen und danach auch die politischen Eliten des Landes. Ganz Albanien wird zu einem großen kriminellen und terroristischen Nest", schilderte Manojlo.

Der Politikwissenschaftler stellte klar, dass eine Rückkehr des Kosovos zu Serbien helfen würde, das Problem mit der Kriminalität in der Region zu lösen. Dies würde aber der EU jedoch nicht gefallen, da Brüssel sich vor einem Erstarken Serbiens fürchtet.

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