Skandale in Frankreich: Neue Vorwürfe gegen François Fillon - Auch Marine Le Pen am Pranger.

Skandale in Frankreich: Neue Vorwürfe gegen François Fillon - Auch Marine Le Pen am Pranger.
Kommt immer stärker in Bedrängnis: der Präsidentschaftskandidat der Konservativen, François Fillon.
Die Ehefrau des konservativen Präsidentschaftskandidaten soll für vermeintliche Scheintätigkeiten mindestens 900.000 Euro bekommen haben, zuvor war die Rede von 500.000 Euro. Auch Marine Le Pen hat Ärger. Zudem meldet sich WikiLeaks zu Wort.

Die investigative Satirezeitschrift Le Canard enchaîné legt nach - und der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon gerät in der Affäre um die mutmaßliche Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope immer stärker in Bedrängnis. Wie Le Canard enchaîné diesen Mittwoch berichtet, sollen zudem auch seine beiden Kinder insgesamt 84.000 Euro für nicht näher genannte "Missionen" erhalten haben.

Die beiden Kinder waren zur Zeit ihrer Beschäftigung noch Jura-Studenten. Die Zeitschrift behauptet außerdem, dass Fillons Ehefrau Penelope mehr als 900.000 Euro als parlamentarische Mitarbeiterin verdient haben soll. Zu Anfang der Affäre war noch von 500.000 Euro die Rede gewesen. Die Zeitung Le Parisien berichtet zudem, dass Penelope Fillon in der Zeit ihrer vermeintlichen Beschäftigung weder über eine elektronische Anschrift in der Nationalversammlung noch über einen Zugangspass zum Parlamentsgebäude verfügte.

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Ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass Fillon in seiner Wahlheimat, der Stadt Sablé-sur-Sarthe, kein Wahlkreisbüro unterhielt. Wie bereits bekannt war, soll Penelope Fillon zusätzlich 100.000 Euro von der Zeitschrift La Revue des Deux Mondes bekommen haben, die einem Freund ihres Mannes gehört. Der frühere Direktor der Revue des Deux Mondes, Michel Crépu, wird jedoch mit den Worten zitiert, dass er Penelope Fillon niemals getroffen und sie auch niemals in den Büros der Zeitschrift gesehen habe. 

Am Dienstag durchsuchten Ermittler stundenlang das Abgeordnetenbüro von François Fillon in der Nationalversammlung. Auch in den Büros der Parlamentsverwaltung fanden Durchsuchungen statt. Laut dem Radiosender France Inter fehlen Gehaltszettel, welche die Tätigkeit Penelope Fillons belegen könnten.

Fillon und seine Frau waren bereits am Tag zuvor fünf Stunden lang von Ermittlern der auf Finanzkriminalität spezialisierten Einheit in Versailles verhört worden. Das Büro von Fillon teilte hinterher mit:

Beide haben nützliche Elemente zur Wahrheitsfindung beitragen können.

Fillons Anwalt Antonin Lévy äußerte sich am Dienstag gegenüber dem Radiosender RTL zuversichtlich. Sein Mandant hoffe auf "ein schnelles Ende der Vorermittlungen". Er sei davon überzeugt, dass die Ermittlungen demnächst eingestellt werden.

Mittlerweile hat auch die Präsidentschaftskandidatin des Front National, Marine Le Pen, ihren Skandal. Ihr wird vorgeworfen, mit EU-Geldern eine Assistentin bezahlt zu haben. Es geht insgesamt um 300.000 Euro. Le Pen lehnt es nach Medienberichten ab, gut 298.000 Euro binnen einer ihr gesetzten Frist an das Europaparlament zurückzuzahlen.

Das Parlament hatte kritisiert, dass Mitarbeiter von Le Pen regelwidrig aus Mitteln der europäischen Volksvertretung bezahlt wurden. Eine weitere Zahlung von 42.000 Euro wird demnach bis zum 28. Februar fällig. Sollte sich Le Pen weiterhin weigern, den Forderungen nachzukommen, können ihre Bezüge gekürzt werden.

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Schon ihr Vater, Jean-Marie Le Pen, hatte einst ähnliche Probleme mit dem Europaparlament. Von ihm wurden 320.000 Euro zurückgefordert. Auch hier ging es um Mittel, die regelwidrig zur Beschäftigung von Mitarbeitern ausgeben sein sollen. Der Vater von Marine Le Pen weigerte sich ebenfalls, zu zahlen. Das Parlament behielt 2016 einen Teil seiner Bezüge ein.

Im Umfeld der Skandale und des sich anheizenden Wahlkampfs in Frankreich meldete sich auch WikiLeaks zu Wort. Die Enthüllungsplattform postete heute am frühen Morgen mehrere Links auf ihrem Twitter-Account. Dabei geht es um Daten zu den Präsidentschaftskandidaten François Fillon, Marine Le Pen und Emanuel Macron.

WikiLeaks präsentiert Links zu insgesamt 1.138 Dokumenten über Marine Le Pen und 3.630 Dokumenten zu François Fillon. Bei den Dokumenten handelt es sich nicht um neue Enthüllungen, sondern um Archiv-Material.

Interessant ist jedoch auch ein Tweet von WikiLeaks zu dem unabhängigen Kandidaten Emanuel Macron.

In dem Tweet wird dargelegt, wie Emmanuel Macron, damals Wirtschaftsminister in Frankreich, und der Premierminister Manuel Valls, den Kampagnenleiter von Hillary Clinton, John Podesta, fragen, ob jemand aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton bei einem Dinner dabei sein kann. Bei dem Dinner waren mehrere hochkarätige Funktionäre und Politiker aus Europa anwesend.