"Penelope-Gate": Konservativer Präsidentschaftskandidat Fillon strauchelt, Le Pen führt in Umfragen

"Penelope-Gate": Konservativer Präsidentschaftskandidat Fillon strauchelt, Le Pen führt in Umfragen
Schon alles vorbei, bevor es richtig losgeht? François Fillon ist in Erklärungsnöten.
François Fillon galt bis vor kurzem noch als Favorit auf das Präsidentenamt in Frankreich. Doch der Vorwurf, er habe seiner Frau einen fiktiven Job auf Staatskosten zugeschanzt, wirft einen Schatten auf seine Kandidatur. Marine Le Pen könnte profitieren.

Die Vorwürfe gegen den Kandidaten der französischen Konservativen kommen nicht von irgendwem. Die Satirezeitschrift Le Canard enchaîné hat eine lange Tradition, was investigativen Journalismus betrifft. Die Zeitschrift, die 1915 gegründet wurde, hatte 1979 unter anderem dazu beigetragen, die Wiederwahl des damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing zu verhindern.

Ein Beitrag enthüllte, das d'Estaing Diamanten als Geschenk angenommen hatte – vom Diktator der Zentralafrikanischen Republik und späteren "Kaiser" Jean-Bédel Bokassa. Die Zeitschrift deckte zudem die  Zusammenhänge bei der Versenkung des Greenpeace-Schiffs Rainbow Warrior durch den französischen Auslands-Nachrichtendienst (DGSE) im Jahr 1985 auf.

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Doch worum geht es genau bei den Vorwürfen gegen François Fillon? Le Canard enchaîné wirft dem Präsidentschaftskandidaten vor, dass seine Frau, Penelope Fillon, von 1998 bis 2002 als parlamentarische Mitarbeiterin für ihn und anschließend für dessen Nachfolger gearbeitet habe. Insgesamt soll sie dafür laut dem Bericht etwa 500.000 Euro aus der Parlamentskasse erhalten haben.

Dagegen spricht grundsätzlich nichts - so lange es sich dabei nicht um eine Scheinbeschäftigung handelt. Doch Le Canard enchaîné fand bei seinen Recherchen keine Hinweise darauf, dass Penelope Fillon jemals tatsächlich als parlamentarische Assistentin gearbeitet hat. Eine frühere parlamentarische Assistentin wird mit den Worten zitiert:

Ich habe keine Infos zu diesem Thema. Ich kannte sie immer nur als Frau des Ministers.

François Fillon und Penelope Fillon, eine gebürtige Waliserin, sind seit 1980 verheiratet und haben fünf Kinder. Bis jetzt ist Penelope Fillon noch nicht im Zusammenhang mit der politischen Arbeit ihres Mannes in Erscheinung getreten. Es existiert jedoch ein Zitat von ihr, das den Vorwürfen neue Nahrung geben könnte. In einer Aussage vom Oktober 2016 sagt Penelope Fillon, das sie

niemals in das politische Leben ihres Mannes involviert war.

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Wie diese Aussage mit ihrer angegebenen Assistenztätigkeit für ihren Mann im Zeitraum zwischen 1998 und 2002 und sechs weiteren Monaten im Jahr 2012 zusammenpasst, wird Gegenstand der Untersuchungen sein. Zudem gibt es noch einen zweiten Verdacht: Penelope Fillon hat zwischen Mai 2012 und Dezember 2013 eine weitere Tätigkeit bei der Zeitschrift La Revue des Deux Mondes wahrgenommen. Doch auch bei dieser Anstellung soll es sich um eine fiktive Tätigkeit handeln.

Der frühere Direktor von La Revue des Deux Mondes, Michel Crépu, wird mit den Worten zitiert, dass er Penelope Fillon niemals getroffen und sie auch niemals in den Büros der Zeitschrift gesehen habe. François Fillon wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er bezeichnete den Bericht in Le Canard enchaîné als misogyn. Finanzermittler und die Staatsanwaltschaft haben dennoch die Arbeit aufgenommen.

Die Affäre, ob wahr oder unwahr, trifft den Kandidaten der Konservativen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. François Fillon, der bis jetzt als Saubermann der französischen Politik schlechthin galt, hatte zwar überraschend deutlich die Vorwahlen der Konservativen für sich entscheiden können, doch schon kurz danach begann sein Stern zu verblassen.

Die neoliberale Rosskur, die er Frankreich verpassen möchte, spaltet zunehmend die Republik. In den letzten Umfragen hatte ihn die Kandidatin des Front National, Marine Le Pen, überholt.

Die Affäre um Penelope Fillon dürfte Le Pen noch einmal Auftrieb geben. Schließlich basiert der Wahlkampf des Front National zu einem gewissen Teil auch auf dem Vorwurf, dass sich die Eliten Frankreichs vom Volk abgewendet hätten und sich schamlos bereichern würden.

Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt,
widewide wie sie mir gefälltt: Jean-Jacques Bourdin.

Ein Zeichen dafür, dass Marine Le Pen eventuell nicht mit François Fillon als stärkstem Widersacher rechnet, sind ihre zunehmenden Attacken gegen den vermeintlichen Geheimfavoriten im Präsidentschaftsrennen: Politjungstar Emmanuel Macron. Der ehemalige Investmentbanker und Wirtschaftsminister war aus der sozialistischen Partei ausgetreten, um seine eigene Bewegung "En marche!" zu gründen.

Er gilt als ein Kritiker von Präsident François Hollande und kommt bei den neusten Umfragen mittlerweile auf Platz drei hinter Marine Le Pen und François Fillon. Marine Le Pen versucht auch Macron in die "Eliten-Ecke" zu drücken. Mit ihm werde die Politik von Hollande weitergeführt, er sei "der beste Kandidat des Systems".

Für weiteren Zündstoff im Wahlkampf sorgt eine Meldung von Buzzfeed, die von den französischen Medien aufgenommen wurde: Buzzfeed berichtet über eine Unterstützung für Marine Le Pen aus sozialen Netzwerken, die über Fake-Profile erfolgen soll.

Von diesen Fake-Accounts aus sollen in großen Mengen Slogans und Meme der Rechten verschickt werden. Laut Buzzfeed handelt es sich bei diesen Unterstützern um US-amerikanische Trump-Anhänger. Sie würden sich als Franzosen ausgeben und aktiv in den Wahlkampf eingreifen. In dem Bericht wird ein Chatroom mit dem Namen "Great Liberation of France" genannt.

Das Ziel sei, den Wahlkampf der Konkurrenten von Le Pen ins Chaos zu stürzen.