Waffen für Alle aus dem Billy Regal – Schwedens neue Liebe zur Militarisierung

Waffen für Alle aus dem Billy Regal – Schwedens neue Liebe zur Militarisierung
Großer Wirtschaftsfaktor in Schweden: Munition, bevor sie verpackt und ausgeliefert wird.
Schweden, bekannt als friedliebendes Land, ist einer der globalen Waffenexporteure mit Tradition. Bei der Wahl seiner Exportziele steht das ökonomische Interesse vor der Moral.

von Olga Banach

Schweden kann auf eine hoch entwickelte Verteidigungstechnik zurückgreifen und ist weltweit einer der größten Waffenexporteure. Dies lässt sich auch unter der Prämisse sagen, dass es über die genaue Platzierung Schwedens auf dem internationalen Waffenmarkt widersprüchliche Angaben gibt.

Symbolbild

Im Inland ist Schweden fast autark, was die Ausstattung mit Waffen aus Eigenproduktion anbelangt. Global Security zufolge entstammen 90 Prozent der Ausrüstung der Streitkräfte des Landes schwedischen Unternehmen. Während des Zweiten Weltkrieges hatte Schweden keine Möglichkeiten, Waffen zu importieren. Das Land musste deshalb auf sich allein gestellt agieren und produzieren. Die Firmen Karlskonavarvet, spezialisiert auf Unterwasserschiffe, und Bofors, geschaffen von Alfred Nobel, können auf eine Geschäftshistorie von mehr als 300 Jahren zurückblicken. War Alfred Nobel, der Schöpfer des Friedenspreises, am Ende ein Kriegstreiber?

Das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI benennt die fünf größten Waffenimporteure der Erde: Indien, China, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan. Das schwedische Gesetz verbietet den Export an Kriegsparteien und in Nationen, die in Militärkonflikte verwickelt sind. Dennoch zählt auch Saudi-Arabien zu den Waffenabnehmern Schwedens.

Als der schwedische Premier Stefan Löfven gemeinsam mit dem schwedischen Bankier Marcus Wallenberg nach Saudi-Arabien reiste, um den Austausch zwischen den beiden Ländern zu verbessern, ging ein Raunen durch die schwedische Presse. Denn die Investoren Wallenbergs sind Teilhaber der Saab-Gruppe, der derzeit größten schwedischen Verteidigungs- und Waffenschmiede. Die Panzerfaust von Saab trägt den wohlklingenden Namen "Carl Gustav", benannt nach dem König Schwedens.

Dass die Waffen in die Hände von Terroristen gelangen können und sowohl den Konflikt in Syrien wie auch jenen im Jemen befeuern könnten, sorgte die schwedische Regierung nicht. Eine Veröffentlichung von WikiLeaks brachte dann zutage, dass die Schweden dabei waren, eine Waffenfabrik in Saudi-Arabien zu bauen.

Erst nach drei Jahren wurde das durch kommerzielle Interessen motivierte Projekt einer saudischen Waffenschmiede aus schwedischer Hand infolge des immer stärkeren öffentlichen Drucks eingestellt. In der schwedischen Tageszeitung Dagensnyheter taten im März 2015 Industrievertreter ihren Unmut darüber kund, dass die Absage an Saudi-Arabien ein Vertrauensbruch sei und dem internationalen Ruf Schwedens als Handelspartner schade. Noch im Jahr 2014 waren Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die Hauptabnehmer von Waffen aus Schweden.

Sowohl was die Produktion von Waffen, als auch was die Ausgaben für die Aufrüstung der schwedischen Armee anbelangt, ist die Tendenz steigend, nicht zuletzt angesichts einer alltäglich heraufbeschworenen Bedrohungslage.

Gleich zu Beginn eines jüngst veröffentlichten Berichtes des Amtes für Rüstungs- und Wehrtechnik (FMV) heißt es:

In und um die Ostsee war es während der 1990er und frühen 2000er sehr ruhig, aber die Situation hat sich grundlegend gewandelt. Verdächtige U-Boote in den schwedischen Schären, russische Jagdflieger und Bomber verletzen schwedischen Luftraum und agieren gegen schwedische Aufklärungsflugzeuge im internationalen Luftraum. Zusätzlich zielen Hackerangriffe und andere Geheimdienst-Operationen auf Schweden ab.

Das FMV ist verantwortlich für die logistische Versorgung der schwedischen Armee und untersteht dem Verteidigungsministerium. Mit 40 Standorten innerhalb Schwedens ist die Behörde Dienstherr für 3400 Beamte und Vertragsmitarbeiter.

Schweden präsentiert sich mittlerweile aber auch als guter Handelspartner für ausländische Waffenproduzenten. Verteidigungsmaterialien, die für die schwedische Armee importiert werden, sind zollfrei.