Denkmal für polnische Nazi-Opfer in der Ukraine gesprengt - Rechter Sektor im Verdacht

Denkmal für polnische Nazi-Opfer in der Ukraine gesprengt - Rechter Sektor im Verdacht
Während polnische und ukrainische Nationalisten durch Denkmal- und Fahnenschändungen die wechselseitigen Ressentiments hochkochen lassen, sprechen ukrainische Stellen von "russischen Provokationen". So geschehen jüngst nach der Schändung eines antifaschistischen Denkmals in der Ukraine.
Ein weiterer Fall der Denkmalschändung sorgt für Empörung. Polnische und ukrainische Medien berichten über die Sprengung eines polnischen Denkmals für die Opfer des Massakers der Grenadier-Division der SS "Galitschina" in der West-Ukraine. Ukrainische Politiker sprechen von einer "False Flag"- Aktion.

von Wladislaw Sankin

Die Nachricht von der Denkmalschändung verbreitete sich schnell über die sozialen Medien. Am 9. Januar stellte ein neuer Youtube-Kanal, der von sich selbst den Eindruck erweckt, ukrainische nationalistische Symbolik zu pflegen, ein kurzes Video ins Netz. Auf den Resten des Denkmals sind Fahnen der Ukraine und des Rechten Sektors sowie Nazi-Symbole wie SS-Runen gesprüht.

Die unbekannten Täter sind bis heute nicht gefasst. Dies gibt Spekulationen und Unterstellungen Nahrung. Auf ukrainischer Seite heißt es erwartungsgemäß, es handle sich bei der Tat um eine "False Flag"-Aktion "prorussischer" Kräfte. Einige führende ukrainische Nationalisten wie Igor Mosijtschuk oder der Direktor des Instituts des nationalen Gedächtnisses, Volodymir Viatrovych, verwiesen sofort auf die "dritte Seite" hin, die angeblich sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch heute Nutzen aus dem Streit zwischen Polen und der Ukraine ziehen würde. Bis dato ist das Video, das den Vandalismus zeigt, das einzige, das auf dem Youtube-Kanal veröffentlicht wurde.

Das Denkmal erinnert an die Ermordung von mehr als 500 Einwohnern des polnischen Dorfes Gyta Pjanatskaj sowie einiger Juden, die sich dort versteckt hielten. Die Täter waren Angehörige der Grenadier-Division der SS "Galitschina" unter der Leitung des Kommandeurs Sigfried Banz. Das Verbrechen ereignete sich am 28. Februar 1944, als sich die deutschen Truppen auf dem Rückzug aus den von ihnen besetzten Gebieten befanden. Von insgesamt 1000 Einwohnern des Dorfes überlebten nur 50 das Massaker. Die Menschen wurden in der Kirche und in ihren eigenen Häusern verbrannt.

Die Art und Weise dieses Vorgehens erinnert sehr an hunderte weitere Übergriffe auf Dörfer, die sich auf dem Territorium des heutigen Belarus befanden, und an denen ebenfalls einige ukrainische Einheiten teilgenommen hatten. Die heutige Geschichtsschreibung in der Ukraine leugnet das Ausmaß damaliger Verbrechen ukrainischer Freischärler-Formationen. Auch in diesem Fall steht für Volodymir Vyjtrovith fest, dass dieses Verbrechen "irgendwie" sowjetische Partisanen verursacht hätten. Andererseits leugnet jedoch auch er die Teilnahme von Ukrainern an dem Verbrechen nicht.

Das Dorf wurde nicht mehr aufgebaut. Zunächst erinnerte ein Mahnmal an das Schicksal des Dorfes. In den 1990er Jahren verschwand allerdings das Mahnmal. Auf Initiative der polnischen Seite wurde an dieser Stelle 2005 das nun beschädigte Denkmal errichtet. Auf den Steinen sind Inschriften mit den Namen der Getöteten angebracht.   

Teilnehmer am Gedenkmarsch an die Opfer des Wolhynien-Massakers, Polen, Pschemyschl, 10. Juli 2016.

Der Vorfall hat Potenzial für einen diplomatischen Skandal. Der ukrainische Botschafter in Polen verurteilte die Tat. Er und viele andere ukrainische Offizielle behaupten, der historische Streit nütze nur Russland. Es ist aber bezeichnend, dass der Feldzug gegen Denkmäler gerade diese zwei Länder kennzeichnet. Bevor man in der Ukraine begann, alle Lenin-Denkmäler und andere Bauten aus der Sowjetzeit von Gesetzes wegen abzureißen oder abzumontieren, hatten zahlreiche Vandalen demonstrativ die Lenin-Statuen im Land gestürzt.

Die Behörden in Polen wollen sich ihrerseits ebenfalls von den Denkmälern an die sowjetische Befreiungsarmee "befreien". Etwa 500 Denkmäler für 600.000 gefallene Soldaten stehen derzeit kurz vor ihrer "Entfernung".

Es ist deshalb kein Wunder, dass diese giftige Atmosphäre auch die alten Ressentiments zwischen manchen nationalistisch gesinnten Kräften sowohl in Polen als auch in der Ukraine fördert. In Polen häufen sich in letzter Zeit antiukrainische Ausschreitungen. Im Gegenzug zeigt sich ein Teil der radikalisierten Ukrainer seinerseits nach entsprechenden Hinweisen aus der ukrainischen Presse "nicht gleichgültig" gegenüber polnischen Denkmälern. Die im Video dargestellte Aktion könnte damit die Antwort sein auf eine Verbrennung der ukrainischen Flagge in Polen am 11. November während des Marsches zur Unabhängigkeit. Zumindest was diese Aktion anbelangt, kann man nur schwer einen Hinweis auf das Agieren einer vermeintlichen "dritten Seite“ erkennen.  

 

ForumVostok