Stichwahl in Frankreich - François Fillon morgen Präsidentschaftskandidat?

Stichwahl in Frankreich - François Fillon morgen Präsidentschaftskandidat?
Der französische Ex-Premierminister François Fillon während einer Wahlkampfveranstaltung. Paris, Frankreich, 25. November, 2016
Morgen kommt es zur Stichwahl bei den Konservativen in Frankreich. Die erste Runde hat Ex-Premierminister François Fillon klar für sich entscheiden können. Sein verbliebener Konkurrent Alain Juppé hofft noch auf eine überraschende Wende bis zur morgigen Abstimmung.

Es kann eigentlich nichts mehr schiefgehen: Wenn nicht noch etwas völlig unerwartetes passiert, dürfte im zweiten Durchgang der konservativen Vorwahlen morgen, Sonntag, François Fillon zum Präsidentschaftskandidaten für 2017 gekürt werden.

Fillon hatte im ersten Durchgang mit 44 Prozent klar die Oberhand behalten. Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy schied mit 20 Prozent aus - und gab anschliessend eine Empfehlung für Fillon ab.

Fillon: Hollandes Russland-Politik ist absurd

Der zweitplatzierte der ersten Runde, Alain Juppé, der auf 28 Prozent kam, dürfte seinen Rückstand in der Kürze der Zeit nicht wettgemacht haben. Bei seiner letzten Chance, der TV-Debatte vor der Stichwahl, zeigten sich Fillon und Juppé eher zahm und nicht sehr angriffslustig.

Dabei gibt es zwischen den beiden Bewerbern durchaus Unterschiede. François Fillon sagte: "Mein Projekt ist radikaler und schwieriger. Aber wenn man jetzt nicht radikal ist, dann frage ich mich, wann man es jemals sein wird."

In Frankreich sei man "seit 30 Jahren vor den Reformen zurückgeschreckt, die in Deutschland und Großbritannien unternommen wurden." Deshalb befinde sich das Land in einer "Situation des Quasi-Bankrotts" und "am Rande einer Revolte".

Zurück in die Zukunft: Französischer Präsidentschaftskandidat ruft DDR neu ins Leben

Gegen die "ständig wachsende Steuerflut", die "abgrundtiefe Verschuldung" und die Arbeitslosigkeit könne nur ein radikaler Einschnitt in die Staatsausgaben helfen. Die Pläne von Fillon sehen vor, im öffentlichen Dienst über eine halbe Million Posten abzubauen.

Alain Juppé hingegen hält dieses Ziel für unrealistisch und will nur 250.000 Posten im öffentlichen Dienst streichen. Juppé wirft seinem Rivalen "soziale Brutalität" vor – etwa bei der Krankenversicherung.

Tatsächlich möchte Fillon diese "entstaatlichen" - es soll nur noch bei "schweren und langen Erkrankungen" Anspruch auf Kostenerstattung für Medikamente gelten.

Einig sind sich beide Kandidaten bei dem Thema 35-Stunden-Woche. Sie soll abgeschafft werden. Alain Juppé will aber einen noch nicht genauer definierten Gehaltsausgleich, während Fillon die neuen Arbeitszeitregeln kompensationslos durchsetzen möchte.

Dazu kommen auch gesellschaftspolitische Differenzen zwischen den beiden. François Fillon wird von der konservativ-katholischen Bewegung gegen Abtreibung und Homo-Ehe unterstützt.

Fillon selber will zwar weder am Recht auf Abtreibung noch an der bereits eingeführten Homo-Ehe etwas ändern - aber zumindest das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare einschränken.

Von Migranten verlangt Fillon "Assimilierung", dem Schulwesen wirft er mangelnde Unterweisung in nationaler Geschichte vor. Juppé betont hingegen, dass Frankreichs Stärke in der "Vielfalt" seiner Bevölkerung liege. Das kam gerade im rechten Lager nicht besonders gut an. Juppé wurde zum Teil als "Ali Juppé" verhöhnt.

Außenpolitisch schert Fillon aus der Atlantikschiene seiner Partei aus. Er setzt sich für einen konstruktiven Dialog mit Russland ein. Er hat sich unter anderem auch für eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ausgesprochen.

Juppé hingegen hat schon klargestellt, dass er die "russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim nicht akzeptiere." Auch das "Minsk-Abkommen für einen Frieden in der Ukraine müsse eingehalten werde."