Schweden wappnet sich weiter gegen die "russische Invasion" - und holt seine Waffen aus dem Museum

Schweden wappnet sich weiter gegen die "russische Invasion" - und holt seine Waffen aus dem Museum
Symbolbild
Schweden zieht derzeit alle Register gegen die vermeintliche "russische Bedrohung" aus dem Osten. Jetzt holt man sogar Anti-Schiffs-Raketensysteme aus den Zeiten des Kalten Krieges aus dem Museum, um sie gegen die "Invasion aus dem Osten" einzusetzen.

Von Olga Banach

Soldaten in Estland während der NATO-Übrung Saber Strike-2016: Jetzt könne auch einfache Bürger Krieg spielen.

Gotland, eine beschauliche und bei Touristen beliebte Insel an der Ostküste Schwedens, taucht immer wieder im Zusammenhang mit der "russischen Bedrohung" in der internationalen Presse auf. Denn hier soll der Feind - die Russische Föderation - zuerst einfallen, wenn er denn endlich mal kommen würde.

Die schwedischen Qualitätsmedien halten die russischen Invasoren in spe jedoch offenbar für ähnlich beschränkt wie ihre eigenen Leser und plaudern diesen Plan gleich auch inklusive der mutmaßlichen Gegenstrategie der schwedischen Armee aus.

Die hat es dafür in sich: Dem unsichtbaren Eindringling steht nun Kriegsgerät aus dem Kalten Krieg in Form von Anti-Schiff-Raketensystemen entgegen, das die schwedische Armee eigens zu diesem Zweck aus dem Museum geholt hat. Die Raketenwerfer-Systeme, die bei manchem Altmetallhändler leuchtende Augen hervorrufen könnten, werden üblicherweise vom Lande aus gegen sich nähernde, feindliche Schiffe eingesetzt.

Das schwedische Militär zeigte sich in diesem Zusammenhang kreativ und brachte die alten Systeme vom Typ "Kustrobotbatteri 90" wieder in Gang, indem es diese mit Teilen von Raketensystemen von Schiffen kombinierte. Hierbei war der ursprüngliche Hersteller Saab behilflich.

Mike Winnerstig, ein Analyst des schwedischen Verteidigungsforschungsinstituts, zeigt sich ungeachtet des Alters der Gerätschaften optimistisch:

Solche Waffen auf Gotland zu stationieren, bringt die Möglichkeit mit sich, große Gebiete der Ostsee zu kontrollieren.

Verteidigungsminister Peter Hultqvist äußerte sich seinerseits erfreut darüber, dass seine Streitkräfte nun um ein landtaugliches Raketenwerfer-System reicher sind. Micael Bydén, Befehlshaber der schwedischen Streitkräfte, sieht wiederum allein Russland in der Verantwortung für die Verschlechterung der Sicherheitslage.

Derzeit ist eine permanente Stationierung von Truppen bis zum Sommer des kommenden Jahres in Vorbereitung. Von da an sollen auf der Insel zwei Kompanien beheimatet sein, die zusammen rund 288 Mann umfassen sollen, 168 davon permanent. Diese sollen unter anderem auf 18 Militärfahrzeuge und zehn Panzer zurückgreifen können.

Möchte man jenen Soldaten Glauben schenken, die sich bereits an die Presse gewandt haben, so sind die Russen jedoch ohnehin schon längst auf Gotland. Russische Agenten, die sich als Touristen ausgaben, sollen im September versucht haben, bei den Soldaten an Informationen über ihre Stationierung und ihre Aufgaben zu gelangen.

Der schwedische Grünenpolitiker Jonas Serneholt erklärte in einem im Oktober geführten Interview mit RT-Deutsch auf die Frage nach dem tatsächlichen Ausmaß der russischen Bedrohung auf Gotland:

Niemand kann diesem Unfug doch ernsthaft Glauben schenken, dass Russland Schweden bedroht. Was zur Eskalation der Lage geführt hat, ist die Ausweitung der NATO. Bei der letzten Regierungserklärung konnte man das hören. Der schwedische Premierminister Peter Löfven sagte, man solle die transatlantischen Beziehungen noch mehr stärken.

Die Grünen sitzen in der Regierung und wenn sie mit gutem Gewissen 2018 in die Wahl gehen wollen, dann müssen sie sich auf ihr ursprüngliches Parteiprogramm besinnen. Es gibt kein geschichtliches Beispiel dafür, dass eine militärische Eskalation zu etwas Gutem geführt hat. Die Grünen fühlen Druck von außen und sie haben sich mehrheitlich angepasst. Aber es gibt auch viele in der Partei, denen angesichts dieser Veränderung unwohl ist.

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