Kalaschnikows und Sprengstoffwesten: Schwedisches Kindergeld für IS-Kämpfer in Rakka

Kalaschnikows und Sprengstoffwesten: Schwedisches Kindergeld für IS-Kämpfer in Rakka
Über Monate hinweg bezahlte der schwedische Staat der Frau des bekanntesten IS-Kämpfers Michael Skråmo Kindergeld und Mietzuschüsse nach Syrien und wurde so zum Unterstützer des Terrors.

Von Olga Banach

Quelle: Screenshot Aftonbladet

In der Terrorhochburg Rakka sind die Lebenshaltungskosten gering. Der schwedische IS-Kämpfer Michael Skråmo, auch Abu Ibrahim Al-Swedi genannt, über den wir bereits berichtet haben, nahm seine Frau und die vier gemeinsamen Kinder mit nach Syrien und bezog weiterhin vom schwedischen Staat Kindergeld, welches der Familie das Überleben und den ideologischen Terrorkampf möglich machte.

Skråmo rief in einem Propagandavideo Muslime in Schweden dazu auf, ihm zu folgen. Gern posiert er mit Waffen und seinen Kindern. Obwohl Skråmo über Schwedens Grenzen hinaus durch sein Auftreten in den sozialen Netzwerken bekannt ist, brauchte der schwedische Staat ein Jahr, um festzustellen, wem er da eigentlich die Gelder ausbezahlt.

Über 5.000 Kronen (etwa 510 Euro) wurde Skråmos Familie monatlich für die Erziehung der Kinder im IS-Staat ausgezahlt. Hinzu kamen Mietzuschüsse, die nicht weiter beziffert sind. Die Auszahlungen gingen an die Ehefrau. Die schwedische Zeitung "Expressen" untersuchte den Fall, bekam aber aufgrund der für die Sozialversicherungsträger geltenden Schweigepflicht keine Angaben darüber, wann genau die Zahlungen eingestellt wurden.

Johan Talvik, der Leiter der Sozialversicherungsagentur in West Götaland und Halland, erklärt dazu:

Es kommt oft vor, dass wir erst später erfahren, dass jemand das Land verlassen hat. Dann stellen wir Nachforschungen an und kommen zu dem Entschluss, dass die Person nicht mehr unter unsere Sozialversicherung fällt.

In solchen Fällen müssten bezogene Leistungen eigentlich zurückgezahlt werden, was aber selten geschieht. Eine Pfändung wäre auch wenig aussichtsreich gewesen: Skråmos Ehefrau hatte bereits alle Konten in Schweden geleert. Im April 2016 sollte sie zu einer Gerichtsverhandlung erscheinen, um die Schulden zu begleichen.

Schweden schlägt Hilfspaket für Ex-IS-Kämpfer vor

Für den Terrorforscher der nationalen Verteidigungsuniversität, Magnus Ranstorp, zeigt der Fall das Versagen des schwedischen Systems in der Terrorbekämpfung. Er ruft nach mehr Kooperation zwischen der Steuerbehörde, der Polizei und dem Geheimdienst auf. Es sei wichtig, schnell zu handeln und gegen die Unterstützung des Terrors und das organisierte Verbrechen vorzugehen. Es sei nicht unüblich, dass Terroristen vor ihrer Ausreise in Schweden Schulden bei Staat und Vermietern auflaufen lassen oder Kredite aufnehmen, um die erste Zeit in Syrien zu überbrücken.

Skråmos Frau scheint trotz der faktisch wohl massiv eingeschränkten Zustelloptionen für Verfahrensbeteiligte in Rakka von der Vorladung Kenntnis erlangt zu haben. Sie schickte dem Gericht jedenfalls eine Nachricht, dass sie kein Interesse daran hat, nach Schweden zurückzukehren, und dass sie ihre Schulden nicht begleichen wird.

Skråmo entstammt jener Umgebung Göteborgs, die später auch als Terrorschmiede Schwedens bekannt wurde. Immer wieder tauchte der Name einer Moschee im Zusammenhang mit IS-Kämpfern auf: "Bellevue-Moschee". Hier werden der Hass auf Ungläubige und der Kampf für den Glauben gepredigt. Das liberale Schweden aber wollte bisher an diesem "religiösen" Ort nicht intervenieren.

Was aber wird aus den Kindern der Kämpfer, die der Demokratie entwendet und unter dem IS einer Gehirnwäsche unterzogen werden?

Skråmos Kinder mit schwedischer Nationalität lernen, mit Kalaschnikows zu posieren und das Töten von Ungläubigen für geboten zu halten. In der umkämpften Stadt des Nordiraks, Mossul, wurden in den letzten Jahren tausende Kinder zu Geiseln der IS-Ideologie. Das schulische Curriculum des IS für Kinder ab drei Jahren beinhaltet: Die Herstellung von Explosionswesten für einen Selbstmordanschlag, das Legen von Sprengfallen sowie die Geiselnahme von Frauen.

Die Videos, die Kinder bei der Exekution von Menschen zeigen, geben einen Einblick in die düstere Kindheit geschädigter Kinderseelen. Der UN ist das Problem der "Söhne des Kalifats", wie der IS diese Kinder bezeichnet, bekannt. In Mossul allein sollen es jüngst 900 Kinder gewesen sein, die entführt und seither der Gehirnwäsche unterzogen wurden. Auch werden diese als menschliche Schutzschilde missbraucht. Laut Schätzungen nimmt der IS Einfluss auf über 400.000 Kinder, denen jegliches Gefühl von Empathie und Menschlichkeit aberzogen wird.

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